
Bis zum Schluss hatte Lisa Buckwitz im Zweierbob in St. Moritz die Hand am EM-Titel. Dann patzte sie allerdings und fiel zurück. Laura Nolte und Kim Kalicki konnten sich dagegen über Silber und Bronze freuen.
Nolte hatte den Zweierbob-Weltcup in diesem Winter bisher quasi nach Belieben dominiert. Vier von fünf Rennen gewann sie in dieser Saison, zuletzt auch in Winterberg. Am Sonntag musste sie sich in St. Moritz gemeinsam mit Anschieberin Leonie Kluwig aber der US-Amerikanerin Kaillie Humphries und Lokalmatadorin Melanie Hasler in einem extrem knappen Wettbewerb geschlagen geben. Humphries hatte im Ziel nur eine Hundertstelsekunde Vorsprung auf Hasler, Nolte folgte mit 0,03 Sekunden Rückstand.
Dennoch gewann die Winterbergerin bei dem im Race-In-Race-Modus ausgetragenen Rennen EM-Silber, neue Europameisterin ist Hasler. Auch Kim Kalicki (+0,23 Sekunden) kam mit Anschieberin Talea Prepens in den Genuss einer Medaille und schnappte sich als drittplatzierte Europäerin im Ranking Bronze. Lisa Buckwitz (+0,44), die mit Kira Lipperheide nach dem ersten Durchgang noch geführt hatte, fiel nach einem Fehler im zweiten Lauf noch auf Rang fünf zurück.
Buckwitz zur Halbzeit in Führung
Die Eisrinne in St. Moritz ist für die Bobfahrerinnen jedes Jahr aufs Neue eine ganz besondere Herausforderung. Schließlich unterscheiden sich die Bedingungen auf der ältesten Naturbahn der Welt von denen herkömmlicher Eiskänale. Je wärmer es mit dem Verlauf des Tages wird, umso schneller wird die Bahn im Schweizer Engadin, die jedes Jahr aus 10.000 Kubikmetern Schnee und 5.000 Kubikmetern Wasser in nur drei Wochen Ende November neu erbaut wird.
Nolte bekam das ja schon am Vortag im Monobob zu spüren, als sie mit einer frühen Startnummer ins Rennen gegangen war und letztlich nur Sechste wurde. Auch im Zweierbob musste sie als Vierte vergleichsweise früh ran und lag nach dem ersten Lauf nur auf Rang sechs und damit bereits 0,43 Sekunden hinter der Führenden. Die hieß zu diesem Zeitpunkt Buckwitz und hatte sich dank eines Startrekords ein Polster von 0,16 Sekunden auf die US-Amerikanerin Humphries erarbeitet. Kalicki lag zur Halbzeit ebenfalls noch vor knapp Nolte.
Nolte nach Aufholjagd auf dem Podest
Im zweiten Lauf setzte Nolte dann das erste Statement, ließ dem Startrekord gleich noch einen neuen Bahnrekord (1:08,61 Minute) folgen und erhöhte den Druck auf die Konkurrenz. Kalicki konnte dem starken Lauf ihrer Teamkollegin schon einmal nichts entgegensetzen und musste sich einen Platz dahinter einordnen.
Die Hypothek aus dem ersten Durchgang war für Nolte dennoch zu groß. Zunächst setzte sich Hasler an die Spitze, kurz darauf Humphries. Buckwitz hatte als letzte Pilotin dann alle Trümpfe in der Hand und war auch zu Beginn vielversprechend unterwegs. Dann leistete sich allerdings einen Drift, büßte enorm viel Zeit ein und wurde noch einige Plätze nach hinten gereicht. Ein bitteres Déjà-vu für die 31-Jährige, die schon im Monobob den EM-Titel nach einem Fehler aus der Hand gegeben hatte.