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Kieler Schloss: Wiedereröffnung nach fast fünf Jahren (2 Min)
Stand: 11.01.2026 14:22 Uhr
Nach viereinhalb Jahren Baustelle hat am Sonnabend das Konzerthaus im Schloss Kiel wiedereröffnet. Vor allem die Technik in dem denkmalgeschützten Gebäude aus den 1960er- Jahren wurde modernisiert. Heute ist dort Tag der Offenen Tür.
Am Sonntag können am Tag der Offenen Tür seit 14 Uhr alle interessierten Besucherinnen und Besucher den sanierten Konzertsaal besichtigen – und ein kostenloses Konzert erleben. So spielt ab 19.30 Uhr das LandesJugendJazzOrchester zum Abschluss des Tages der Offenen Tür. Es spielt unter der Leitung von Fynn Großmann fetten Bigband-Sound.
Philharmonisches Orchester Kiel hat Zuhause zurück
Das Philharmonische Orchester Kiel hat sein Zuhause zurück. Am Sonnabend hat es sein erstes Konzert gespielt – im neuen Konzerthaus am Schloss in Kiel. Nach viereinhalb Jahren Baustellenlärm gab es am Wochenende wieder klassische Musik von Richard Wagner und das Stück „Carmina Burana“ von Carl Orff zu hören. Das Gebäude soll jetzt technisch hochmodern, denkmalgerecht saniert und barrierefrei sein. NDR Reporter Joscha Krone war bei der Eröffnung dabei – und hat genau hingehört, wie der neue Konzertsaal klingt.
Neu: Akustikplatten an der Decke im Konzertsaal
Vor allem die Akustik wurde überarbeitet. Neu sind deswegen Akustikplatten an der Decke im Konzertsaal. Durch die soll der Klang jetzt endlich besser sein – vorher hatten Dirigenten und Musiker die muffige „Schuhkarton“ Akustik und den Nachhall kritisiert. Selbst am Eröffnungstag wird noch gewerkelt. Es riecht nach Lack und den neuen Polstern der roten Sitze, als das Philharmonische Orchester Kiel im neuen Konzertsaal das erste Mal wieder live vor Publikum spielt. Es dirigiert der ehemalige Kieler Generalintendanten Georg Fritzsch.
Geprobt wurde mit Baustellenlärm: „Den Saal habe ich erst heute Abend in Ruhe erlebt“, erzählt Fritsch. „Wir hatten das Problem, dass wir uns auf der Bühne nicht so gut gehört haben. Dass der Saal ein bisschen konturarm und wattig klang. Jetzt sind Segel eingebaut worden, in die Beleuchtung mit eingelassen ist. Der Grundklang dieses Saales ist schön. Ich finde, er hat an Kontur gewonnen,“ so Fritzsch. Er hatte damals den Impuls gesetzt, dass die Stadt Kiel das Konzerthaus kauft und renovieren lässt. 14 Jahre lang war er Generalmusikdirektor in Kiel.
Karasek über die neue Akustik: „Satter, großer Raumklang“

Generalintendant Daniel Karasek lobt den „satten, großen Raumklang“ des Saals.
Die Akustik habe sich deutlich zum Besseren verändert, sagt auch der aktuelle Generalintendant des Theaters Kiel, Daniel Karasek: „Ich habe die Philharmoniker jetzt ein paarmal mit Georg Fritzsch gehört, das hört sich schon ziemlich gut an.“ Die Akustik erzeuge nun „einen satten, großen Raumklang“, so Karasek im Gespräch mit dem NDR Fernsehen.
Geblieben sind die roten Sitze, sie wurden nun neu angeordnet: für eine bessere Sicht. Neu sind auch Hubpodeste für eine flexible höhenverstellbare Bühne und ein Aufzug für mehr Barrierefreiheit. Knappes Material, wenig Personal und Wartezeit auf Förderbescheide haben die Bauarbeiten verzögert. Was sich nicht verändert hat, ist der Charme der 60er-Jahre – mit der Natursteinfassade und den großen Kristallleuchtern im Foyer. Der Umbau hat länger gedauert und war etwas teurer als geplant – laut Stadt Kiel belaufen sich die Kosten auf rund 47 Millionen Euro.
Wiedereröffnung zu Wagners Arie „Dich, teure Halle, grüß ich wieder“
Die Eröffnung ist eine Punklandung. Passend dazu erklingt beim Eröffnungskonzert Wagners Arie „Dich, teure Halle, grüß ich wieder“. Die Besucherinnen und Besucher urteilen unterschiedlich über die neue Akustik: „Besonders das ‚Carmina Buran‘ zum Schluss war sehr ergreifend. Ich habe meinen Enkelsohn unter den Sängern gehabt und bin sehr stolz“, berichtet eine Besucherin. Ein anderer Konzertbesucher meint: „Soundtechnisch fand ich es beeindruckend. Die Stimmung war gelöst, und alle waren froh, dass es am Ende doch geklappt hat.“ Ein weiterer findet: „Davor hat es noch mehr Charme, ist eher so altes Wohnzimmer gewesen, wie man das aus den Achtzigern kennt. Jetzt ist alles sehr modern.“
Der neue Saal sei nicht nur für klassische Konzerte da, so der neue Konzerthausdirektor Tobias Scharfenberger bei der Eröffnung. „Wir haben Top-Klassikkünstler, wir haben philharmonische Konzerte.“
Auch Künstlerinnen und Künstler wie Samy Deluxe sind mit dabei, so Scharfenberger. „Wir haben wunderbare Lesungen mit Bjarne Mädel und Caroline Wahl. Also, da ist viel dabei und das wollen wir hier auch unbedingt leben. Auch aus anderen Kulturkreisen die Musik hierher locken, dass wirklich sich hier alle wiederfinden.
Fritsch: „Misslich, dass es keine Orgel mehr gibt“
Was fehlt ist die Orgel, die wurde abgebaut – der Umbau wäre zu aufwendig und zu teuer geworden, sagt die Stadt. Der ehemalige Gernalmusikdirektor Fritzsch findet, eine Orgel müsse wieder her. „Es ist im Prinzip misslich, dass es keine Orgel mehr gibt, die nicht nur architektonisch ein Blickfang, ein Zentrum des Raumes ist, sondern auch akustisch Abstrahlungsmöglichkeiten bietet.“ Im Saal sei nun eine glatte Wand. „Das kann in Verbindung mit der im Moment etwas hellen Beleuchtung ein bisschen einen fast sterilen Klang suggerieren.

Brittens Cello-Sinfonie und Brahms‘ Zweite mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester und Alisa Weilerstein unter Leitung von Chefdirigent Alan Gilbert.
Auch der NDR ist wieder im Schloss zu Gast. Bis zum Sommer sind vier Konzerte mit drei NDR Ensembles zu hören. Das erste am 24. Januar mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester.
Eröffnungskonzert am Montag ab 20 Uhr live im ARD Konzert
Am Montag, 12. Januar, überträgt NDR Kultur im ARD Konzert ab 20 Uhr zeitversetzt das Konzert aus dem Kieler Schloss.

Zur Wiedereröffnung des Konzertsaals im Kieler Schloss bringt das Philharmonische Orchester maritime Werke und Orffs „Carmina burana“ auf die Bühne.

Nach vier Jahren Modernisierung wird Anfang Januar der Konzertsaal am Kieler Schloss wieder eröffnet. Ein Baustellenbesuch.