2026 ist wieder ein Biennale-Venedig-Jahr. Rund um dieses Ereignis wird sich heuer alles drehen. Aber es gibt, natürlich, noch mehr Highlights.

Das Motto der diesjährigen Biennale Venedig, die am 9. Mai eröffnet, hätte prophetischer nicht sein können, und zwar privat wie politisch: „In Minor Keys“, also „In Molltonarten“ lautet der Übertitel diesmal. Die 61. Ausgabe dieser größten und ­renommiertesten Weltkunst-Ausstellung scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Im Mai vorigen Jahres verstarb völlig überraschend die Hauptkuratorin Koyo Kouoh, ansonsten Chefkuratorin des Zeitz Museum of Contemporary Art Africa (MOCAA) in Kapstadt. Eine noch nie dagewesene Situation – einen neuen Kurator zu bestimmen, verboten Zeit und Anstand. Das vierköpfige Team, das Kouoh zusammengestellt hat, setzt das Konzept der Verstorbenen also um, sie werde „anwesend und abwesend zugleich sein“, hat man erklärt.

Ein seltsames Schauspiel wird der US-Pavillon bieten: Trumps Regime setzt sich hier erstmals sichtbar in Szene. Hier ist nichts mehr von den vielen afro-amerikanischen Superstars zu sehen, die hier zuletzt ihre großen Auftritte hatten. Ausgesucht wurde ein No-Name, der nicht einmal eine Galerie-Vertretung hat, der kalifornische Bildhauer Alma Allen.

Venedig: Österreichs Pavillon unter Wasser?

Im Österreichischen Pavillon darf man sich dagegen auf vertraut Provokantes verlassen: Mittlerweile kennen wir Florentina Holzingers extremes Vokabular aus ihren Inszenierungen, bisher vorwiegend auf Theater- und Opernbühnen. Jetzt also gleich die Biennale Venedig und ab in den Kanal sozusagen. Finanziell ist der Umstieg vom Theater in die Bildende Kunst eine Kaltwasserdusche, davon kann der deutsche Biennale-Vertreter von 2024, Ersan Mondtag erzählen. Die Budgets sind einfach völlig andere. Ab in den Kanal aber auch inhaltlich: Holzinger versprach, sich in Venedig erneut ins nasse Element zu wagen, wie schon bei ihrer Apnoe-Show „Ophelia‘s got Talent“. Noch ein Hinweis wurde bereits gegeben: Holzinger wird sich nicht nur auf den Pavillon in den Giardini beschränken, sondern mit Aktionen auch den Stadtraum infiltrieren.

Frankfurt: Spiegel und Punkte ohne Ende

Wer es nicht bis 25. Jänner noch nach Basel schafft, wo die japanische Künstlerin Yayoi Kusama ihre Wunderwelten aus Spiegeln und Punkten und Kürbissen in der Fondation Beyeler aufgebaut hat, darf beruhigt sein: Die beim Publikum äußerst beliebte Ausstellung wandert weiter ins Museum Ludwig in Köln (14. März bis 2. August) und danach noch ins Stedelijk Museum in Amsterdam (11. September bis 17. Januar 2027). Viele Gelegenheiten also noch für ein Selfie.

Hamburg: Rendezvous zweier Maler-Granden

Welcher zeitgenössische Maler ist nicht geehrt, wenn ihm ein Dialog mit Edvard Munch angeboten wird. Die 2014 verstorbene österreichische Malerin Maria Lassnig wäre sicher vor Stolz und Freude außer sich gewesen. In der Hamburger Kunsthalle wird es von 27. 3. – 30. 8. also passieren. Überschneidungen gibt es bei vielen Themen, von Trauer, Liebe, Angst, Freude bis zum Schmerz.

Basel: Der Vater aller modernen Maler

„Er war der Vater von uns allen“, hat Pablo Picasso es einmal gesagt und Paul Cezanne damit gemeint. In der Fondation Beyeler wird von 25. Jänner bis 25. Mai diesem Vater jetzt 120 Jahre nach seinem Tod wieder einmal ausführlich gedacht. Konzentration liegt auf dem späten Werk.

New York/Philadelphia: Noch ein Vater

Maurizio Cattelan könnte keine Banane an die Wand kleben und dafür auch noch gefeiert werden. Marcel Duchamp (1887-1968) erfand das Ready Made und noch vieles mehr. Sein Werk bildet die DNA der Postmoderne. Seit 1973 hat, man glaubt es kaum, New York keine Retrospektive mehr gesehen auf ihn. Von 12. April bis 22. August ist es im Museum of Modern Art soweit. Dann geht die Schau weiter nach Philadelphia, wo Duchamps Hauptwerk verwahrt wird.

Info Venedig

Die 61. Biennale Venedig findet heuer von 9. Mai bis 22. November statt. Tickets sollte man sich vorher unter www.labiennale.org besorgen. 2024 kamen über 700.000 Besucher zu der größten und bedeutendsten Ausstellung von Gegenwartskunst weltweit. Österreich wird von Florentina Holzinger vertreten.

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