Mit diesem ambitionierten Hitfilm haben „Zurück in die Zukunft“-Regisseur Robert Zemeckis und Produzent Steven Spielberg eine sensationelle Leistung vollbracht: „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ ist fantastisch getrickst, urkomisch und einzigartig!
Es gibt keinen zweiten Film wie „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“: Der Kassenschlager ist keineswegs die erste (oder letzte) Verschmelzung aus Realfilm und Zeichentrick oder aus Cartoon-Slapstick und Film noir. Ebenso wenig ist er das einzige Aufeinandertreffen von Figuren, deren Lizenzrechte in unterschiedlichen Händen liegen. Allerdings gibt es keine Produktion, die all dies mit derartiger Kompetenz und Ambition zu einem makellosen, wundervoll-skurrilen Ganzen vereint:
Regisseur Robert Zemeckis, Erfolgsproduzent Steven Spielberg, die sich hier hinter dem Label Touchstone Pictures versteckenden Disney-Studios sowie der perfektionistische Trickregisseur Richard Williams schufen eine stilvolle, laszive, schräge, feucht-fröhliche Seherfahrung! Heute, am 11. Januar 2026, zeigt der Disney Channel den unvergleichlichen Geniestreich „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ ab 20.15 Uhr. Zudem ist er um jede Uhrzeit via Disney+ abrufbar:
„Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ bei Disney+*
Darum geht es in „Falsches Spiel mit Roger Rabbit
Los Angeles, 1947: Der hektische Toon Roger Rabbit arbeitet im Studio des mürrischen R. K. Maroon (Alan Tilvern), der mit der Leistung seines langohrigen Stars unzufrieden ist. Denn immer häufiger vergisst der gezeichnete Mümmelmann seinen Text! Maroon ist überzeugt, dass Roger aufgrund seiner Ehefrau Jessica nicht bei der Sache ist und will dem Thema ein Ende bereiten:
Maroon heuert den abgehalfterten, Toons verachtenden Privatdetektiv Eddie Valiant (Bob Hoskins) an. Er soll Jessica Rabbit in flagranti fotografieren, wie sie mit Scherzartikelhersteller Marvin Acme (Stubby Kaye) „Backe, backe Kuchen“ spielt. Maroon glaubt, dass Roger nach Anblick der Fotos mit seiner Gattin Schluss macht und sich wieder hochkonzentriert der Arbeit widmet. Als kurz darauf Acme ermordet wird, deuten die Indizien auf einen Racheakt – und der eiskalte Richter Doom (Christopher Lloyd) beabsichtigt, Roger deswegen auszulöschen. Der panische Roger wiederum bittet Eddie, seine Unschuld zu beweisen …
Nicht kleckern – klotzen!
Eingangs wurde ein Budget von 50 Millionen Dollar anberaumt, was „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ bei Produktionsbeginn zu einem der teuersten Filme der Geschichte gemacht hätte. Aus Furcht, sich damit zu verzocken, forderte die damalige Disney-Konzernleitung, das Budget um 20 Millionen Dollar zu kürzen.
Aufgrund von Williams’ Perfektionismus beim Animieren der Trickelemente und Zemeckis’ Ambitionen hinsichtlich der komplexen Dreharbeiten voller minutiös eingefädelter Effekte kletterten die Kosten jedoch kontinuierlich in die Höhe. Letztlich wurde der Drehplan massiv überzogen und sogar ein Budget von mehr als 50 Millionen Dollar verschlungen. Aber in diesem Fall griff die Maxime „Viel hilft viel!“:
„Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ wurde mit weltweiten Einnahmen von über 350 Millionen Dollar zum zweitgrößten Blockbuster des Jahres 1988 und löste eine neue Welle der Bewunderung für Disney und die Kunstform des Zeichentricks aus. Roger Rabbit stellte insofern die Weichen für die 1989 mit „Arielle, die Meerjungfrau“ offiziell in die Wege geleitete Disney-Renaissance!
Disney-Magie mal ganz anders
Dass die Film-noir-Komödie, in der sich haufenweise Zeichentrickfiguren tummeln, die mit nahtloser Filmmagie zum haptisch anmutenden Leben erweckt werden, trotzdem nicht als Teil der Disney-Renaissance betrachtet wird, verwundert aber nicht: Es hat unübersehbare Gründe, weshalb dieser Film ungeachtet denkwürdiger, pointierter Auftritte von Donald Duck, Micky Maus und Co. nicht unter dem Label Walt Disney Pictures läuft, sondern mit dem weniger Image-Erwartungen mitbringenden Etikett Touchstone Pictures versehen wird.
Denn von lasziven Saxophonklängen angekündigt und lüstern-trunkenem Pianoklimpern begleitet, entführt dieser zotige, exzentrische Krimispaß in ein alternatives Los Angeles, in dem Zeichentrickfiguren lebende Wesen sind, die unter Ausgrenzung und Vorurteilen leiden – und zum Spielball einer profitgeilen, mörderischen Verschwörung werden. Das erzählt Zemeckis, nach einem Drehbuch von Jeffrey Price & Peter S. Seaman („Doc Hollywood“) und sehr frei nach einem Roman von Gary K. Wolf, auf außerordentliche Weise:
„Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ nimmt den zentralen Kriminalfall durchaus ernst, spielt seine thematischen Elemente bezüglich Rassismus, Urbanisierung und Korruption scharf aus und stürzt sich mit Wonne in seine Film-noir-Einflüsse. Gleichwohl tauscht Zemeckis konsequent die Düsternis und den Pessimismus des Genres gegen knallige Farbkleckse, manisches Tempo und abstrusen Humor ein.
Da die zentralen Figuren in diesem Toon-Wahnwitz jedoch frustriert, lüstern und/oder panisch sind, stemmt sich der Film zugleich mühelos gegen den Verdacht, diese Hommage ans dunkle Hollywood-Kino der 1940er würde ihre Inspirationsquellen verkindlichen. Daher sind die zahlreichen, durch mühseliges Klinkenputzen ermöglichten Cameos diverser Zeichentrick-Kindheitshelden so skurril: Sie sind nicht deplatziert, und dennoch vollauf ungewöhnlich!
Nicht nur diese beispiellose Zusammenarbeit zwischen Konkurrenzstudios, die in diesen einstigen Rekordhalter für den längsten Filmabspann geflossen ist, sorgt dafür, dass „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ von Jahr zu Jahr erstaunlicher wird. Auch der zwanglose Umgang damit, mit welchen Themen und Humorfarben ikonische Disney-Figuren in Verbindung gebracht werden, erstaunt zunehmend.
Die eindringlichste Filmmagie in dieser Spielberg-Produktion wird indes derart mühelos aus dem (Trenchcoat-)Ärmel geschüttelt, dass man sie für selbstverständlich nimmt: Das gesamte Ensemble, allen voran Bob Hoskins, interagiert so glaubhaft mit den Trickfiguren, dass die Welt von „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ in jeder einzigen Sekunde plausibel, ja sogar echt scheint. Und das war Ende der 1980er, als „mit Figuren spielen, die nicht am Set sind, sondern animiert und später ins Bild eingefügt werden“ noch längst nicht zum Schauspielalltag gehörte!
Angesichts dessen, wie viele moderne Blockbuster mit Jahrzehnten an Erfahrung und vielen zusätzlichen Millionen an Budget daran scheitern, diese Illusion ähnlich gut umzusetzen, wirkt „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ jährlich weniger wie ein Vorreiter – sondern wie eine grandiose Anomalie aus einer anderen Leinwanddimension. Abwarten, ob die geplante Fortsetzung diesen Zauber wiederholen kann:
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