Es war eine Herzensangelegenheit, und die wollte sich der Kanzler offensichtlich nicht nehmen lassen: Noch vor seinem für Sonntagmittag geplanten Abflug vom Flughafen München Richtung Indien legte Friedrich Merz (70, CDU) eine Stippvisite beim Neujahrsempfang des örtlichen CSU-Kreisverbands Miesbach von Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (61) am Tegernsee ein.

Verstehen sich blendend: Friedrich Merz (70) und Ilse Aigner (61), hier im Jahr 2016 beim BILD100-Event

Verstehen sich blendend: Friedrich Merz (70) und Ilse Aigner (61), hier im Jahr 2016 beim BILD100-Event

Foto: Getty Images

Aigner, die neben CDU-Bildungsministerin Karin Prien (60) als mögliche Bundespräsidentschaftskandidatin der Union gehandelt wird, hat schon länger einen guten Draht zum Kanzler. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen, um sich für die Top-Personalie weiter im Spiel zu halten.

Aufbruch nach Ahmedabad

Dann düste Merz direkt weiter zum Flughafen München, um dort um 13.15 Uhr mit dem Regierungs-Airbus (und nach BILD-Informationen mit Vertretern von Infineon, Siemens, DHL an Bord) aufzubrechen zur indischen 5-Mio.-Metropole Ahmedabad (Bundesstaat Gujarat) – die Heimat von Indiens Premier Narendra Modi (75). Geplante Flugzeit: acht Stunden und zehn Minuten. Ankunft: 01:55 Uhr Ortszeit (Zeitverschiebung plus 4,5 Stunden) auf dem Sardar Vallabhbhai Patel Flughafen.

Lokale Parteianhänger empfangen Indiens Premierminister Narendra Modi mit einem riesigen Blumenkranz

Lokale Parteianhänger empfangen Indiens Premierminister Narendra Modi mit einem riesigen Blumenkranz

Foto: Amit Dave/REUTERS

In Regierungskreisen freuen sie sich über das tolle Zeichen, dass Modi den Kanzler dorthin zum Antrittsbesuch eingeladen hat, wo er aufgewachsen ist.

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Merz wiederum zeigt der Regierung in Neu-Delhi Wertschätzung, weil er zunächst Indien und dann erst China bereisen wird. Mit jeweils mehr als 1,4 Milliarden Einwohnern sind China (nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt) und die frühere britische Kolonie Indien (fünftgrößte, Tendenz stark steigend) die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Erde. Beide Staaten liefern sich einen Giganten-Wettkampf.

Handel ausbauen

Merz will nun vor Ort die Partnerschaft mit Indien vertiefen. Deutschland ist schon heute in der EU Indiens wichtigster Handelspartner. Umgekehrt sieht es anders aus: Indien ist auf Platz 23 der wichtigsten deutschen Handelspartner. Da geht aus Sicht der Regierung noch mehr, zumal die USA hohe Zollsätze auf Importe aus Indien verhängt haben. Es tut sich also eine Lücke auf. Auch die Handelskammer sekundiert: „Indien wurde immer wieder als Hoffnungsträger in den Handelsbeziehungen angesehen, aber dieses Mal könnte es wirklich stimmen“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. Außerdem sollen auch indische Fachkräfte für den Gesundheitssektor angeworben werden – dazu gibt es auch einen offiziellen Termin in Ahmedabad, bevor der Kanzler nach Bangalore weiterfliegt, wo er unter anderem Vertreter von Start-ups der Nanotechnik trifft.

Sorge wegen Russland

Weiteres Schwerpunktthema neben der Wirtschaft: Sicherheit und Verteidigung. In Regierungskreisen stößt es auf besondere Aufmerksamkeit, dass Indien weiterhin eng mit Russland kooperiert, von dem bislang ein Großteil der militärischen Ausrüstung stammt. Erschwerend kommt hinzu, dass Indien neben China zu den größten Käufern russischen Gases und Öls zählt. Bislang zeigte sich Modi unbeeindruckt von Versuchen, seine Regierung dazu zu bewegen, die Umgehung der gegen Russland gerichteten Sanktionen durch indische Unternehmen zu unterbinden. Genauso wenig möchte Indien seine Energieimporte aus Russland herunterschrauben. Merz wird das bei Modi ansprechen.

Riesige Werbetafeln weisen in Ahmedabad auf den Besuch von Kanzler Merz bei Premier Modi hin – „Willkommen in Indien“ heißt es darauf auch auf Deutsch.

Riesige Werbetafeln weisen in Ahmedabad auf den Besuch von Kanzler Merz bei Premier Modi hin – „Willkommen in Indien“ heißt es darauf auch auf Deutsch.

Foto: SHAMMI MEHRA/AFP

Denn auch Deutschland hat etwas anzubieten – Top-Militärtechnik für den Atomstaat. Seit Jahren wird über den Verkauf von sechs U-Booten an Indien verhandelt. Im Vorfeld der Reise war nun im „Handelsblatt“ über Fortschritte des möglichen 7-Milliarden-Euro-Deals mit der Thyssenkrupp-Rüstungstochter TKMS berichtet worden. Eine feste Kaufzusage aber dürfte Merz (noch) nicht im Gepäck haben, wenn er Dienstag um 21.55 Uhr wieder in Berlin landet, heißt es.