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Erst der Ärger über den Stromausfall, dann der Schock über die horrende Rechnung. So erging es auch der Laimerin Susanne L. © imago
Eine Münchnerin rief einen Elektronotdienst wegen Stromausfall. Für einen umgelegten Schalter zahlte sie am Ende das Vierfache des Angebots.
München – Es war einer dieser Abende, an denen alles schiefläuft. Obwohl es Hochsommer war, stürmte und regnete es draußen. Obendrein hatte Susanne L. (Name geändert) aus München-Laim eine klassische Sommergrippe, musste aber für ihre Ausbildung ein wichtiges Projekt am Computer fertigstellen, das am kommenden Morgen fällig war. Plötzlich ein Knall, und alles war dunkel. Stromausfall – der sie am Ende 620,90 Euro kosten sollte.
Abzocke in München: Frau in Not benötigt Hilfe – Elektronotdienst-Rechnung sorgt für Schock
„Ich habe dann erst einmal alle Sicherungen kontrolliert“, erzählt sie, „konnte aber nichts entdecken.“ Dann sei sie ans Schwarze Brett im Hausflur geeilt und habe die dort aufgeführte Nummer angerufen. „Aber da ist niemand rangegangen.“ Also schaute sie im Internet nach einem Elektro-Notdienst. „Mir war schon bewusst, dass das mit Extra-Kosten verbunden ist“, schließlich war es Abend und es sollte ganz schnell gehen. Und fand den Elektronotdienst München.
Auf der seriös aufgebauten Seite sind Qualitätssiegel abgebildet. Und das Versprechen: „Wenn unsere Mitarbeiter den Arbeits- beziehungsweise Einsatzort verlassen, dann ist die Stromzufuhr aus der Steckdose garantiert.“ Dort rief sie an. „Ich habe mich gleich nach den Kosten erkundigt und ob ich mit EC-Karte bezahlen kann.“ Eine Anfahrtspauschale von 69 Euro werde fällig, sagte man ihr, dazu etwa 50 bis 60 Euro, in der Summe nicht mehr als 150 Euro.
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Eine Dreiviertelstunde später sei der Handwerker erschienen und habe gleich angekündigt, dass zur Anfahrt noch 100 bis 150 Euro dazukommen könnten. „Ich war krank und erschöpft“, sagt die 25-Jährige. Und dann legte der Elektriker einen Schalter im Sicherungskasten um – vermutlich den Fehlerstrom-Schutzschalter – „und dann ging alles wieder“. Glück gehabt und billig weggekommen? Denkste!
Auftrag ging an Subunternehmen
Bezahlen per EC-Karte sei nicht möglich, wurde ihr beschieden. Er nehme nur Bargeld. Das Susanne L. aber nicht zu Hause hatte. „Er hat mir angeboten, mich zur Bank zu fahren.“ Im Auto gab er ihr dann die Rechnung eines Hausmeisterservice aus 46047 Oberhausen, die auf 620,90 Euro lautete. Unter anderem 229 Euro für Notdienst-Abrufbereitschaft plus 49,90 Euro für Arbeitseinheit und 119 Euro ohne erkennbare Zuordnung. „Mir wurde schwindelig, ich war wie ferngesteuert.“ Der Mechaniker nahm das Geld, ließ die junge Frau stehen und fuhr weg.
„Ich habe mich geschämt dafür, wie dumm ich war“, sagt sie im Nachhinein. Am nächsten Tag ging sie zur Polizei und erstattete Anzeige. Ihre Anrufe und Mails an die Firma gingen ins Leere. „Das Geld ist weg“, sagt sie, „das war eine teure Lektion für mich.“
Wir kontaktierten den Elektronotdienst München. Dessen Geschäftsführer Michael Simmendinger nahm in einer Mail Stellung zu dem Fall: „Unser Unternehmen führt Aufträge sowohl durch angestellte Handwerker durch, vermittelt diese jedoch auch an kooperierende Unternehmen, wenn keine eigenen Handwerker in Ortsnähe des jeweiligen Kunden verfügbar sind.“ Da kein verfügbarer Elektriker in der Nähe war, sei eine Firma an Essen vermittelt worden, die wiederum einen Hausmeisterservice aus Oberhausen als Subunternehmer einsetzte.
Das Problem im Sicherungskasten wurde mühelos in Sekunden behoben. © Symbolfoto: IMAGO
Die entstandenen Kosten könne er nicht kommentieren, so Simmendinger weiter, seine Firma kenne weder die Preise der durchführenden Unternehmen, noch bestimme man sie mit. Abschließend schrieb er, dass die Angelegenheit zur Prüfung an die Firma Haustechnik Helten weitergeleitet werde.