Der Heinrich-Zille-Karikaturenpreis geht 2026 an die Leipziger Zeichnerin Ulrike Wodner. Wie die Galerie Komische Meister in Dresden mitteilt, lautete das Motto für dieses Jahr „Jetzt kracht’s! Das Leben ist ein Pulverfass“. Eine zwölfköpfige Jury hat sich unter allen Einsendungen für die Zeichnung einer Taube entschieden, die auf einen Panzer kackt.

Karikaturen und große Gefühle

„Eigentlich ist es aus einer Wut entstanden“, erzählt die Künstlerin zu ihrer ausgezeichneten Arbeit im Gespräch mit dem MDR. „Es geht um das große Thema Krieg und Frieden, um die Aussage, dass ich mir wünsche, es wäre so einfach so einen Panzer einfach zuzuscheißen“, so die Künstlerin weiter. Für sie sei „Betroffenheit“ ein wichtiger Antrieb für ihre Kunst, wenn sie sich mit Freude, Zorn oder Wut in ein Thema reinfühle.

Ihre Karriere als Karikaturistin begann ebenfalls mit dem Versuch, Umstände zu verarbeiten. Zu DDR-Zeiten absolvierte sie eine Ausbildung als Bauzeichnerin in einem Tiefbau-Unternehmen. „Ich saß dann so während der Lehre in so einem Büro mit sechs Leuten und hinter einem Reißbrett und habe so dieses Großraum-Erwachsenenleben kennengelernt. Und fand das sehr komisch“, erinnert sich Wodner im Gespräch. In einem Notizheft habe sie dann Zeichnungen der anderen Mitarbeiter angefertigt. Es sei ein Ventil gewesen „gegen die geraden Linien, die ich ziehen musste“, so Wodner.

Ein berühmter Künstler aus Radeburg

Der Preis wird jedes Jahr in Erinnerung an den Künstler Heinrich Zille vergeben. Der Künstler wurde 1858 in Radeburg bei Dresden geboren und wurde später in Berlin als „Pinselheinrich“ berühmt. Auch wegen des Namenspatron freut sich Wodner über den Preis: Als junge Erwachsene schenkte ihr Vater ihr ein Buch mit Arbeiten von Zille und lernte dessen Arbeiten zu schätzen. „Zille hat das gezeichnet, was er auch gesehen hat. Ich finde, dass in den Bildern sehr viele Geschichten drin sind. Gleichzeitig hat Zille so ein Zeitcolorit wiedergegeben“, erläutert Wodner ihre Faszination.

Der Heinrich-Zille-Karikaturenpreis wird von der Stadt Radeburg vergeben und ist mit 1.000 Euro dotiert. Der Preis ist mit zwei Ausstellungen verbunden: Im Heimatmuseum in Radeburg wird eine Auswahl der eingereichten Werke präsentiert. Im Laufe der Schau können Interessierte auch über einen Publikumspreis abstimmen, der mit 500 Euro dotiert ist. Die Preisträgerin wird neben dem Preis mit einer Personalausstellung in der Galerie Komische Meister in Dresden geehrt.