Das hat es an der Spitze der Beck’s-Brauerei bisher noch nicht gegeben: Ein Brasilianer wird der neue Chef für das Deutschland-Geschäft des weltgrößten Brauereikonzerns AB-Inbev. Nach Unternehmensangaben soll Guilherme Machado de Lima bereits zum 1. Februar seine Arbeit am Weserdeich aufnehmen. Ab jetzt also Café Sand statt Copacabana – den studierten Ingenieur zieht es nun berufsbedingt mitten aus dem brasilianischen Sommer in den Bremer Winter. Machado de Lima ist seit vielen Jahren bei Ambev, dem brasilianischen Teil des Konzerns, in verschiedenen Positionen tätig. Seine Karriere bei AB-Inbev begann er 2009 als Trainee. Zuletzt war er als Vertriebsdirektor für Brasilien tätig, wo er seit 2018 maßgeblich zum Wachstum der Premiummarken beitrug. Drei Marken spielen für den Konzern weltweit eine Rolle: das aus Mexiko stammende Corona, das inzwischen auch in Wernigerode im Harz bei Hasseröder gebraut wird, sowie Budweiser aus den USA und Stella Artois aus Belgien.
Laut den Angaben vom Weserdeich verfügt Machado de Lima über umfassende internationale Marktkenntnisse und ausgeprägte Führungsqualitäten. Deutschland sei ihm auch nicht unbekannt. Wie aus seinem Lebenslauf auf dem Internetportal Linkedin zu entnehmen ist, machte der Brasilianer während seines Studiums von 2005 bis 2006 einen Auslandsaufenthalt an der Technischen Universität Darmstadt.
Eine Strategie für Getränke ohne Bier
Seinem Lebenslauf ist ebenso zu entnehmen, dass er in seinen bisherigen Funktionen in Brasilien auch eine Zeit lang für die alkoholfreien Getränke sowie für Softdrinks verantwortlich war. Denn Ambev stellt in Brasilien in Lizenz zum Beispiel auch Pepsi Cola her. Diese Kompetenz in nichtalkoholischen Getränken und Getränken ohne Bier scheint etwas zu sein, das AB-Inbev für den deutschen Markt gut gebrauchen kann. Denn während andere deutsche Brauereien auf den Rückgang des Bierabsatzes mit der Herstellung von Limonaden reagieren – Paulaner ist mit seiner Spezi bei den Cola-Mix-Getränken in Deutschland durchaus erfolgreicher als der eigentliche Marktführer Coca-Cola – fehlt dem Brauereikonzern hier bisher eine Strategie für den deutschen Markt mit einem entsprechenden Getränke-Portfolio.

Ein Foto von Guilherme Machado de Lima – er wird ab Februar der neue Chef von AB-Inbev-Deutschland und damit auch der neue Beck’s-Chef.
Foto:
AB-Inbev
Dass auf diesen Posten nun ein Brasilianer rückt, löst in der Branche die Frage aus, warum der Konzern denn weder bei den deutschen Marken noch auf Europaebene einen passenden Nachfolger finden konnte. Nun denn: Von Bremen aus wird der Brasilianer die Geschicke der deutschen Marken leiten. Dazu gehören neben den Stammbieren aus Bremen noch Hasseröder, Diebels Alt vom Niederrhein sowie die Biere aus München mit den Marken Franziskaner, Spaten und Löwenbräu.
Wie geht es weiter mit der Pflege der Marke Beck’s?
Die langjährigen Mitarbeiter in der Beck’s-Brauerei werden ein Auge darauf haben, wie man mit den Bremer Marken Beck’s und Haake-Beck weiter umgehen wird. In den letzten Wochen war es im Einzelhandel so, dass bei einigen Preisaktionen eine Kiste Beck’s günstiger erhältlich war als eine Kiste Haake-Beck. Dabei war Haake-Beck eigentlich immer das Bier, das immer etwas günstiger war als Beck’s. Im Mai vor zwei Jahren versammelten sich Mitarbeiter aller deutschen AB-Inbev-Standorte am Weserdeich zur Demo und forderten vom Konzern mehr Pflege der nationalen Marken, die neben Corona nicht zum Außenseiter verkommen sollten. Sicher ist: Ein Haake-Beck Maibock wird es auch 2026 nicht geben, wie der WESER-KURIER aus dem Brauereiumfeld erfahren hat. Das hätte schon längst angesetzt werden müssen.
Die Rolle, die Guilherme Machado de Lima in diesem Jahr zukommen wird, ist das weitere Ausrollen der US-Marke Budweiser in Deutschland. Denn der Konzern will es so, dass in diesem Jahr zum 150. Geburtstag der Brauerei in St. Louis, wo der deutschstämmige Adolphus Busch mit seinem Bier begann, Bud auch in Deutschland erhältlich sein soll. Auf Flaschen und Dosen muss dann übrigens hier und in anderen Ländern der Europäischen Union „Anheuser-Busch Bud“ stehen, weil hier die tschechische Brauerei Budejovicky Budvar die älteren Markenrechte besitzt für ihr Bier, das aus der Stadt Budweis stammt.
Haake-Beck wird 200 Jahre alt
So einige Mitarbeiter in der Beck’s-Brauerei würden es genauso gern sehen, wenn in diesem Jahr zumindest hier auf lokaler Ebene der 200. Geburtstag von Haake-Beck gefeiert wird. Denn im Mai 1826 gründete Cord Hinrich Haake in Bremen seine Brauerei, die gut 100 Jahre später mit Beck’s fusionierte.
Mit der Verkündung dieser Personalie bedankt sich der Braukonzern gleichzeitig beim scheidenden Deutschland-Chef Jannik Weitzl für seinen Einsatz und seinen Beitrag während seiner Zeit bei AB-Inbev: „Wir wünschen ihm alles Gute für seine zukünftigen Vorhaben und weiterhin viel Erfolg beim nächsten Kapitel seiner Karriere“, heißt es vom Weserdeich. Weitzl hatte diesen Posten erst im April 2024 übernommen und überraschend Ende vergangenen Jahres seinen Rückzug angekündigt. In der Branche stehen für Personen wie ihn genug andere Stellen bereit. Weitzls Vorvorgänger Florian Weins ist längst erfolgreich als Co-Geschäftsführer der Marke Fritz-Kola unterwegs.