Kiel. Vor dem Eingang des Kieler Schlosses reiht sich eine hunderte Meter lange Schlange. Der Grund: Beim Tag der offenen Tür zur Neueröffnung können die Besucher am Sonntag einen Blick hinter die Kulissen werfen. Es herrscht gute Stimmung und es gibt viel Gelächter.

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Insgesamt werden mehr als 2000 Besucher gezählt. Hinzu kommen 1300 Konzertgäste vom ausverkauften Vormittag – so viele fasst der Saal des Schlosses. „Volle Granate“, bewertet Jens Blümke, Leiter des Besucherservices, den Start. „Wir sind sehr zufrieden. Der Andrang zeigt, dass das Interesse groß ist“, sagt auch Roland Schneider, der Kaufmännische Leiter des Schlosses.

So finden die Gäste das neue Kieler Schloss

Es gibt viel zu entdecken: zahlreiche neue Stimmzimmer, Instrumentenlager und Umkleiden mit Duschen, einen Licht- und Regieraum sowie Büroräume mit Blick auf die beiden blauen Werftkräne. In der neuen Küche sind die Köche bereits am Werk. Insgesamt hat das Kieler Schloss über 1200 Quadratmeter Fläche hinzugewonnen, sodass es nun 7200 Quadratmeter Nutzfläche umfasst.

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„Die Informationen und Führungen waren sensationell“, sagt Herybert Scharf (83). „Gott sei Dank konnte das Schloss gerettet werden. Toll, was daraus gemacht wurde.“ Er kenne es noch aus alten Opernballzeiten. „Eine Meisterleistung, wenn man bedenkt, dass es nach dem Krieg eine reine Ruine war.“ 47 Millionen Euro habe die Sanierung gekostet. „Also größtenteils vom Steuerzahler“, analysiert eine Dame, die an der Führung teilnimmt.

Die Musiker sind von der Akustik angetan

„Ich finde es schön, vor allem im Foyer mit dem Art-déco-Stil”, urteilt Lena Ehrhardt (32). Den Konzertsaal habe sie sich jedoch anders vorgestellt. „Meine Erwartungen wurden nicht ganz erfüllt. Es wirkt kahl, erinnert mich mit den sterilen weißen Wänden an Container. Die Beleuchtung ist recht kalt und nicht ganz final.“ Ein Stilbruch zum restlichen Gebäude. Dennoch freue sie sich darüber, dass das Schloss nun fertiggestellt ist. „Der Blick aufs Wasser und die Einblicke hinter die Kulissen heute sind toll“, merkt ihr Partner Tim Jeschkeit (28) an. Er freut sich, dass Kiel wieder eine „gute Einrichtung für Kulturprogramm“ hat, und erhofft sich, dass das aktuelle Konzertprogramm auch junge Menschen anspricht.

Auch an den Garderoben im Foyer war der Andrang groß.

Währenddessen singt sich der Kieler Chor „KielStimmig“ in einem der neuen Räume ein. Er durfte bereits am Freitag im Konzertsaal proben. Die Mitglieder sind angetan von der neuen Akustik. Zwei Drittel der Stimmgewalt kämen in den letzten oberen Rängen an. „Man hört sich selbst fantastisch, fühlt sich aber wie ein kleiner Vogel in dem riesigen Raum“, berichtete Chorleiterin Maren Wassermann und schmunzelt. Passend dazu wartet in ihrem Repertoire das Stück „Blue Bird“ auf die Gäste.

Man hört sich selbst fantastisch, fühlt sich aber wie ein kleiner Vogel in dem riesigen Raum.

Maren Wassermann

Chorleiterin von KielStimmig

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Daneben sind wunderschöne Streicherklänge auf dem Flur zu hören. In der Umkleide probt ein Trio der Orchesterakademie des Opernhauses. Gunde Kaiser (19) sitzt auf einem roten, runden Hocker. „Es ist toll, dass das Schloss nun fertig ist“, sagt die Kielerin und legt den Geigenbogen ab. Früher habe sie oft in der Wunderino-Arena gespielt. „Der Raum war trocken und hat die Musik verschlungen. Es klang deutlich distanzierter. Hier im Schloss sitzt das Publikum so nah bei uns. Es ist deutlich schöner“, findet sie.

Unfertiges nach Sanierung: Nicht jede Ecke ist vollendet

Einige kleinere Baustellen sind noch vorhanden: Der Fahrstuhl hakt noch, der Direktor schließt sich prompt aus und es liegen Teppichreste sowie Lackdosen und Bauschutt hinter dem Gelände herum. Die alten Handläufe des Treppengeländers wurden aufgearbeitet, falsch gelagert und schließlich verrostet wieder eingebaut. „Wenn mich jemand gefragt hätte, was ich erwarte, hätte ich das nicht gesagt“, sagt Klaus Mie (84), während er den Multifunktionsraum betritt. Noch ist es eine Baustelle.

„Wir wollten den Termin der Eröffnung schaffen und bitten um Verständnis“, sagt Sven Bohde vom Theater Kiel. Sein Tipp: Wegen des Baustaubs nicht an die Wände lehnen. Bis Samstagmittag waren die Handwerker noch zugange und wurden für ihre Arbeit vom Dirigenten mit einem Privatkonzert belohnt. „Das Gebäude ist in letzter Sekunde fertig geworden.“

KN