Gelsenkirchen – Der spektakuläre Einbruch mit einem Riesen-Bohrer in den Tresorraum der Sparkasse Gelsenkirchen: Waren die Sicherheitsvorkehrungen ausreichend? Sparkassen-Chef Michael Klotz sagt: ja. Das ist überraschend.

„Die Filiale mit dem Schließfachraum war nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert“, erklärt Klotz laut dpa in einer Mitteilung, trotzdem seien mehrere voneinander unabhängige Sicherungen überwunden worden.

Alarmtechnik wurde laut Bankchef erst erneuert

Wie das möglich war, muss derzeit die Sonderkommission „Kernbohrer“ der Polizei aufklären. Dazu gab es inzwischen sogar eine Razzia der Polizei in der geknackten Bank, die Ermittler stellten Computer und Daten des Sicherungssystems sicher, nachdem die Bank zuvor eine Herausgabe verweigert hatte.

Polizeifahndung: Einer der Tatverdächtigen, wie er nach dem Einbruch durch die Tiefgarage die Bank verlässt

Polizeifahndung: Einer der Tatverdächtigen, wie er nach dem Einbruch durch die Tiefgarage die Bank verlässt

Foto: HANDOUT/AFP

Gegenüber der „WAZ“ sagte der Sparkassen-Chef: „Wir haben in den letzten zwei Jahren die Alarm- und Brandmeldetechnik erneuern lassen.“ Die Technik werde laufend verbessert. „Es war schon immer ein Wettlauf zwischen Sicherungstechnik und Kriminellen“, sagte er.

Die Verträge sähen eine Absicherung pro Schließfach in Höhe von 10.300 Euro vor. Viele Inhaber erklärten allerdings, dass sie wesentlich mehr Wertsachen in ihren Fächern gebunkert hatten, darunter auch Gold, Schmuck und Bargeld. Ein Anwalt sagt, dass sein Mandant Gold im Wert von 600.000 Euro in seinem Schließfach gehabt habe.

Kunden sorgten sich nach dem Einbruch um ihre Wertsachen, verlangten am 30. Dezember Aufklärung von der Bank

Kunden sorgten sich nach dem Einbruch um ihre Wertsachen, verlangten am 30. Dezember Aufklärung von der Bank

Foto: Stefano Laura/BILD

Sorgen vor möglichen hohen Schadenersatzforderungen macht sich der verantwortliche Banker nicht. „Niemand muss sich Sorgen machen, dass die Sparkasse ins Wanken geraten könnte“, sagte der Sparkassen-Chef im Interview. Die Bank sei selbst Opfer einer Straftat geworden.

Ende Dezember hatten sich die bislang unbekannten Täter über ein Parkhaus Zutritt zu der Bank in Nordrhein-Westfalen verschafft, ein großes Loch in die Wand gebohrt und fast alle der 3250 Schließfächer seelenruhig binnen zwei Tagen aufgebrochen, bevor sie wieder verschwanden. Es wird vermutet, dass sie Hilfe eines Insiders gehabt haben könnten.

Michael Klotz, Direktor der Sparkasse Gelsenkirchen

Michael Klotz, Direktor der Sparkasse Gelsenkirchen

Foto: Foto: Martin Möller / Funke Foto Services

Wütende Kunden protestierten daraufhin vor der Bank, verlangten Aufklärung über den Verbleib ihrer Wertsachen. Sogar die Polizei musste vorsorglich anrücken. Der Schaden könnte sich insgesamt in einem mittleren dreistelligen Millionenbereich bewegen, heißt es.

Derzeit seien die Sparkassen-Mitarbeiter an sieben Tagen in der Woche damit beschäftigt, die von den Tätern zurückgelassenen Gegenstände zu sichten und sie den Kunden zuzuordnen, sagte Klotz der „WAZ“. So sollen unter anderem mit Registrierungsnummern versehene Wertgegenstände wie z.B. Rolex-Uhren einfach zurückgelassen worden sein.

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„Das ist ein riesiger Berg, der jetzt gemeinsam mit der Polizei und notarieller Begleitung akribisch und mit größter Sorgfalt gesichtet und dokumentiert wird, damit die Kunden ihr Eigentum schnellstmöglich zurückbekommen können“, sagte der Sparkassen-Chef. Das werde aber noch längere Zeit dauern.