Kommunalpolitik auf der Bühne. Die Tübinger Theatersportler beim Neujahrsempfang in Ostfildern. Foto: Markus Brändli
Ironisch blickten die Tübinger Theatersportler auf Ostfilderns Kommunalpolitik. Trotz vieler Risse in der Gesellschaft steht für OB Christof Bolay das Positive im Fokus.
Dass der Stadtteil Nellingen eine neue Grünanlage bekommen soll, überraschte selbst die Stadträte beim Neujahrsempfang in Ostfildern. Das Theatersport-Team aus Tübingen griff die Anregung aus dem Publikum gerne auf. Das Impro-Theater bot mit dem Ernst Schleider alias Tobias Rockenfeld einen Stadtplaner auf, der das Feld „radikal“ neu aufrollen will. Da werden Menschen zu Statuen, eine einfache Eisenstange zum Sportpark, und ein Kamel soll die heimische Fauna auf den Fildern bereichern.
Mit viel Wort- und Spielwitz griffen die Theatermacher aus Tübingen Elemente der Neujahrsrede auf, die Ostfilderns Oberbürgermeister Christof Bolay im Kubino in Nellingen gehalten hatte. Dabei gelang es dem OB, in Zeiten globaler Unsicherheit und diffuser Zukunftsängste, die vielen positiven Seiten der Stadtgesellschaft hervorzuheben. 2025 hatte die Reformstadt ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. Stolz blickt Bolay auf die vielen Aktivitäten der Stadt und der Vereine zurück. „Wir haben nichts von einer Agentur eingekauft, sondern zusammen die Vielfalt der Stadtgesellschaft gezeigt.
Ostfilderns OB Christof Bolay lobte das Engagement der Menschen. Foto: Markus Brändli
Sorge bereitet dem Stadtoberhaupt weniger die tägliche Flut von Verschwörungstheorien, die US-Präsident Donald Trump über die sozialen Medien in alle Welt streut und damit die Menschen verunsichert. Bolay verwies darauf, dass es seit Christi Geburt immer Kriege und Hass auf der Welt gegeben habe. Umso wichtiger findet er es, dass jede und jeder im eigenen Umfeld tätig wird, um die Welt etwas besser zu machen.
Ein Lächeln für Kinder statt digitaler Verführungen
Dass schon kleine Kinder „auf dem Handy daddeln“, ist für den OB die eigentliche Gefahr. Deshalb gab er den vielen Bürgerinnen und Bürgern, die zum Neujahrsempfang in die Stadthalle Kubino gekommen waren, eine kleine Jahresaufgabe mit auf den Weg: „Wie wäre es, wenn wir uns für 2026 vornehmen, ein Kind vom Bildschirm weg und zum Lächeln zu bringen?“ Da wäre aus Sicht des OB schon viel erreicht.
Sophia Roth ist in der Begabtenklasse der Musikschule. Foto: Markus Brändli
Die Kreativität von Kindern und Jugendlichen zu fördern, das sieht Bolay als eine wichtige Aufgabe der Stadt an. Dass da die Arbeit der kommunalen Musikschule schöne Früchte trägt, zeigte ihm und den Besuchern der Auftritt von Sophia Roth. Die Schülerin der Begabtenklasse der Musikschule interpretierte die Musik Felix Mendelssohn-Bartholdys mit viel Tiefgang und bemerkenswerter Ausdruckskraft. Möglich werden solche Förderprogramme nach Bolays Worten durch finanzielle Hilfen des Fördervereins der Musikschule und der Bürgerstiftung Ostfildern. Das dichte Netz des bürgerschaftlichen Engagement ist für ihn ein Schatz, der ihn optimistisch für die Zukunft stimmt.
Mit den Tübinger Theatersportlern ins neue Jahr zu starten, ließ Bolays kommunalpolitische Gedanken in ganz neuem Licht erscheinen. Tobias Rockenfeld, Jakob Nacken und Mirjam Woggon hatten sich während der Rede markante Sätze markiert. Die Papierfetzen warf Tobias Rockenfeld mit großer Geste auf die Bühne. Bei ihren Improvisationen, für die das Publikum witzige Stichworte lieferte, griffen die comedybegeisterten Schauspieler gerne auf. Klaus Rother begleitete das turbulente Impro-Theater am Klavier. Dass 1,6 Milliarden Überstunden, die in Deutschland jedes Jahr auflaufen, zum Teil einer schwülstigen Liebesgeschichte werden könnten, hätten sich wenige träumen lassen. Der ironische Blick auf die ernsten Themen der Kommunalpolitik begeisterte nicht nur die Stadträtinnen und -räte.
Engagement für die Demokratie ist wichtiger denn je
Wie wichtig es ist, sich gerade in diesen Zeiten politisch und sozial zu engagieren, gab Christof Bolay den Menschen mit auf den Weg. Sich für die Demokratie zu engagieren, sei wichtiger denn je. Da ist es dem Stadtoberhaupt besonders wichtig, sich um die Menschen zu kümmern, denen es nicht so gut geht. Deshalb gingen die Spenden beim diesjährigen Neujahrsempfang an den Ostfilderner Verein „Brücken im Alltag“, der sich um alleinstehende Menschen nach Krankenhausaufenthalten kümmert. Im Foyer nutzen viele Menschen aus Kirchen, Vereinen und Schulen die Chance, sich zu vernetzen und über gemeinsame Aktivitäten nachzudenken.