Der Großteil der Wärmepumpen in Deutschland gilt als „überdimensioniert“. Heißt, dass das Gerät mehr Heizleistung bringen kann, als in Wirklichkeit an fast allen Tagen im Jahr benötigt wird. In Expertenkreisen gibt es daran Kritik. Denn kleinere Wärmepumpen haben mehrere Vorteile. Wir erklären, worauf Verbraucher bei der Auslegung ihrer Wärmepumpe achten sollten.
Was hat es mit dem „kältesten Tag“ auf sich?
Kurz gesagt: Ein absoluter Ausnahmetag beeinflusst die Leistungsgröße der Wärmepumpe im Wesentlichen mit. Sie wird so ausgelegt, dass Häuser oder die Wohnungen auch bei extrem niedrigen Außentemperaturen warm werden. Basis ist die Heizlastberechnung; diese erklärt die Fachzeitschrift IKZ so: „Die Heizlast eines Gebäudes ist die Leistung, die erbracht werden muss, um die Innentemperatur in einem Haus bei einer definierten, extrem kalten Wetterlage aufrechtzuerhalten.“ Dafür wird auch der kälteste Tag, der theoretisch auftreten kann, herangezogen.
Constanze Bongs gilt als Deutschlands erste Wärmepumpen-Professorin. Foto: privat
Wie kalt dieser kälteste Tag ist, unterscheidet sich von Ort zu Ort. Im Schwarzwald ist er frostiger als in der Rheinebene bei Karlsruhe. Schon in Stuttgart unterscheidet sich der Wert stark. In Sillenbuch auf den Fildern liegt die sogenannte Normaußentemperatur laut online verfügbarer Klimakarte des Bundesverbands Wärmepumpe bei -11,3 Grad Celsius, im warmen Kessel in Stuttgart-Mitte bei -9,3 Grad Celsius.
Wie oft gibt es -10 Grad und weniger in Stuttgart?
Der Blick in unsere Klimazentrale für Stuttgart zeigt: Solche tiefen Temperaturen gibt es so gut wie nie – und sie werden von der Tendenz her weniger. Vor der Jahrtausendwende gab es Tage mit -10 Grad oder weniger noch in den meisten Jahren, in den vergangenen 20 Jahren deutlich seltener. Der letzte Tag, an dem die Temperatur an der Wetterstation am Schnarrenberg auf -10 Grad Celsius sank, war der 18. Dezember 2022. Seither kam dies in der Landeshauptstadt nicht mehr vor.
Bei welchen Außentemperaturen läuft die Heizung vor allem?
Laut Feldstudien sei eine Tendenz zur Überdimensionierung erkennbar, sagt Constanze Bongs, Deutschlands erste Wärmepumpen-Professorin und an der Hochschule Karlsruhe tätig. Wie groß eine Wärmepumpe ausfalle, „ist eine planerische Entscheidung“, sagt sie. Den Einfluss des möglicherweise auftretenden kältesten Tags sieht Bongs kritisch. Felddaten zeigen, dass der größte Anteil der im Jahr umgesetzten Heizenergie bei Außentemperaturen von +6 bis -4 Grad Celsius benötigt werde.
Darf man auch kleiner dimensionieren?
Verboten ist es nicht, die Wärmepumpe kleiner auszulegen, als die Heizlastberechnung vorgibt. Laut Jörg Knapp, dem Leiter des Technikreferats im Fachverband Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg, herrsche bei Verbrauchern aber noch die alte Gas– und Ölkessel-Denke: „Der nächst größere wird genommen“. Aber warum? Immerhin kostet die Überdimensionierung viel Geld.
„Klar, es gibt Kunden, die Angst haben“, sagt Knapp. Angst, es am vielleicht eintretenden kältesten Tag nicht warm zu haben. Fakt sei, mit einer kleineren Wärmepumpe ließen sich ein „paar Tausend Euro“ sparen, wie der Experte sagt.
Obschon Knapp nach eigener Aussage zu jenen gehört, die dem Kunden eher eine kleinere als eine größere Wärmepumpe empfehlen: Sobald die Fachleute von der Norm abweichen, seien sie hinweispflichtig, sagt Knapp. Der Kunde muss unterschreiben. „Da schrecken dann viele doch zurück“, sagt Professorin Constanze Bongs. Was auch damit zu tun habe, dass der Kunde dem Handwerker fachlich in der Regel unterlegen sei. Eine echte Hürde, wie Bongs sagt. Denn letztlich müsse der Verbraucher von sich aus auf dem Schirm haben, dass eine kleinere Wärmepumpe überlegenswert sei.
Was sind die Vorteile kleinerer Wärmepumpen?
Zum einen reduzieren sich natürlich die Investitionskosten, wenn die Leistung der Wärmepumpe geringer ist. Aber auch im laufenden Betrieb hat eine kleinere Wärmepumpe weniger Kosten und klare Vorteile. Je größer sie ist, desto öfter springt sie an, sprich taktet sie. Das erhöht den Wartungsaufwand und verkürzt die Lebensdauer, sagt Knapp.
Als Richtwert für die Verbraucher: Eine gut dimensionierte Wärmepumpe bringt es laut dem Experten auf 1000 bis 2000 Takteinheiten im Jahr. „Bei zum Beispiel 12.000 Takteinheiten pro Jahr überlebt eine Wärmepumpe keine 15 Jahre.“
Wie können sich Verbraucher informieren?
Constanze Bongs rät, Angebote grundsätzlich von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gegenchecken zu lassen – diese biete das an. „Da gibt es ja Riesenbandbreiten“, sagt sie über die Kosten. Hilfreich sei zudem eine Tool-Box der Dena für den Gebäudecheck: https://www.gebaeudeforum.de/service/toolbox; mit einem gewissen Zeitaufwand können Verbraucher hier interessante Informationen über ihr Gebäude recherchieren und dessen Eignung für den Einsatz einer Wärmepumpe selbst ermitteln.