Trotz der Insolvenz des ELF-Meisters Stuttgart Surge könnte es in der Stadt mit American Football in einer internationalen Profi-Liga weitergehen – dann jedoch in der Halle.
Obwohl der letzte Meister der European League of Football (ELF) künftig nicht mehr punkten und punten wird, schreibt Stuttgart Surge weiter Schlagzeilen. Erst wurde einer der Busse, mit dem das Team vergangene Saison von Erfolg zu Erfolg gereist war und bei dem auf der Heckscheibe noch das gelb-grüne Logo mit dem Blitz klebte, in einen schweren Unfall verwickelt, bei dem ein Schaden von mehreren Hunderttausend Euro entstand. Zudem ist mittlerweile das Insolvenzverfahren gegen die Surge-Betreibergesellschaft offiziell eröffnet worden. Trotzdem ist nicht ausgeschlossen, dass in Stuttgart schon bald wieder Football auf internationaler Ebene gespielt wird – allerdings in der Halle.
Football im Kleinformat und unterm Dach gibt es in den USA schon lange, in zahlreichen Ligen und je nach Regelwerk als Arena oder Indoor Football bezeichnet. Das Feld ist halb so groß wie draußen und von einer Bande begrenzt, pro Team sind acht Spieler im Einsatz. Nun wagt sich ein neues Konstrukt auf den unübersichtlichen Markt: Die International Arena League (IAL) möchte durchstarten, auch in Stuttgart – und das mit einem geschichtsträchtigen Namen.
Stuttgart ist einer von zwei deutschen Standorten
1980 wurden die Stuttgart Stallions gegründet, als erster Football-Verein in Baden-Württemberg. Die Mannschaft spielte drei Jahre lang in der Bundesliga, aus der sie 1983 mit einer 0:10-Bilanz abstieg. 1997 gingen die Stallions in den Stuttgart Silver Arrows auf, doch nun könnten die Hengste in neuer Umgebung wieder ins Laufen kommen.
Denn die IAL möchte sich nicht auf den US-Markt beschränken, wo bisher vier Standorte bekannt sind (unter anderem Las Vegas und Salt Lake City), sondern auch in Europa präsent sein. Die Teilnahme von fünf Teams ist laut Liga-Vertretern gesichert, dabei handelt es sich um die Glasgow Tartans, die England Eruptors (Nottingham), die Zurich Ibexx, die Düsseldorf Warriors und die Stuttgart Stallions. „Schnallt euch an, das wird eine großartige Fahrt“, sagte Tom Mitchell, der Chief Operating Officer, zuletzt im Podcast „Sportstunde“, und wandte sich direkt an die Fans: „Ihr werdet es genießen.“
Termine in der Schleyerhalle sind reserviert
Auch weil Hallen-Football in den USA bislang nie mehr war als ein weitgehend bedeutungsloser Lückenfüller in der Zeit, in der die große NFL pausiert, und Spötter behaupten, die Arena-Variante sei vom Niveau des echten Footballs so weit entfernt wie Kirmesboxen von einem WM-Titelkampf im Schwergewicht, ist durchaus Skepsis zu vernehmen. Eine wichtige Frage scheint jedoch, zumindest in Stuttgart, geklärt zu sein.
Spielen sollen die Stallions in der Schleyerhalle – und die dafür nötigen Termine sind gebucht. Die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass die IAL die Arena neunmal reserviert hat: erstmals am 28. März für eine Eröffnungsveranstaltung, danach für den Heimspiel-Auftakt am 25. April. Anschließend sind bis zum 25. Juli sieben weitere Partien im Neckarpark geplant. Diese Taktung lässt sich die Liga einiges kosten: Pro Spiel in der Schleyerhalle fällt eine Mindestmiete von 25 000 Euro an. Diese Summe kann sich je nach Zuschauerresonanz noch erhöhen. Ob Interesse von Fans besteht und, wenn ja, wie groß dieses sein wird? Ist völlig offen. Erste Antworten könnte es allerdings noch diese Woche geben. Beim zehnten Termin der IAL in der Schleyerhalle.
Die Liga setzt auch in Stuttgart auf lokale Spieler
Am Donnerstag finden an allen fünf europäischen Standorten Pressekonferenzen statt – auch in Stuttgart. Dort sollen die Spieler und Verantwortlichen der Stallions vorgestellt werden. Bisher, und auch das nährt die Skepsis, ist noch nicht bekannt, wer vor Ort für das Projekt verantwortlich ist. Es gibt zwar eine Homepage der Stallions, aber keine näheren Informationen, die Seite hat noch nicht mal ein Impressum. Dafür ein Feld, in dem Footballer und Trainer ihren Namen und Kontakt hinterlassen können, wenn sie Teil des Projekts sein wollen. „Die deutschen Teams werden zu 100 Prozent aus deutschen Footballspielern bestehen“, sagte IAL-Boss Tom Mitchell, „wir wollen Teams mit großartigen lokalen Spielern aufbauen, die bekannt sind und hochklassigen Outdoor-Football gespielt haben.“ Diesen Akteuren wird unter anderem eine Umsatzbeteiligung versprochen, sollte die Liga wachsen – gemäß dem eigenen Anspruch.
Schon 2027 will die IAL nicht mehr mit nur zwei, sondern mit sechs deutschen Teams an den Start gehen. Bereits jetzt, erklärte Mitchell, sei man dem eigenen Zeitplan voraus. Es sind Aussagen, die Football-Experten vor Ort ziemlich wundern. „Ich habe nichts davon gehört, dass Spieler von uns für dieses neue Projekt angefragt worden sind“, sagte Suni Musa, der Geschäftsführer von Stuttgart Surge, „ich weiß, dass es nach der Insolvenz Interessenten für die Marke Surge gibt. Aber ich habe keine Kenntnisse über Hallen-Football in Stuttgart.“