Im Haus von Uwe Gehrke in Hauset rauscht es kräftig. In dem ehemaligen Bauernhof – ursprünglich erbaut um 1850 – wird gerade eine Infrarotthermografie durchgeführt. Der Mann, der hier alles in der Hand hat, ist Roger Hoffmann, Chef der Firma Hoffmann & Dupont aus Malmedy.

„Das ist ziemlich einfach und eine Methode, die eigentlich nur die Wahrheit sagt. Das heißt: Wir gehen ins Haus, drumherum und schauen mit einer Wärmebildkamera, wo die Probleme sind und geben natürlich Ratschläge, je nachdem, was wir da sehen“, erklärt Hoffmann das Vorgehen.

Der alte Bauernhof in Hauset ist das bislang 29. Gebäude in der Gemeinde Raeren, das Hoffmann auf diese Weise untersucht. Das dauert je nach Größe rund eineinhalb bis zwei Stunden. Später erhalten die Eigentümer eine Auswertung – mit einer Menge farblicher Abbildungen.

Hausbesitzer Uwe Gehrke, Roger Hoffmann und Schöffe Guido Deutz unterhalten sich

Hausbesitzer Uwe Gehrke, Roger Hoffmann und Schöffe Guido Deutz (v.l.n.r.) (Bild: Moritz Korff/BRF)

Nahaufnahme, wie Roger Hoffmann die Wärmebildkamera in der Hand hält

Bild: Moritz Korff/BRF

Farben geben Aufschluss

„Wenn es dunkel ist, sind das die kalten Stellen – von innen gesehen“, so Hoffmann. „Wenn die gelb sind, sind das die warmen Stellen. Und da kann man genau sagen: Ist die Mauer isoliert oder ist die nicht isoliert?“

Die Teilnehmer des von der Gemeinde Raeren angebotenen Projektes gehen mit unterschiedlichen Zielen an die Messungen heran, erklärt Hoffmann: „Es sind Leute dabei, die selber schon viel gemacht haben. Die wollen wissen, wo sie dran sind und ob die Arbeit gut gemacht wurde“, erläutert Hoffmann. „Und andere Leute wollen einfach damit anfangen und wollen wissen: ‚Ja, wo fange ich denn an?'“

Ob auf dem Speicher oder im Wohnzimmer, ob Fenster oder Steckdosen: Hoffmann schaut mit Eigentümer Uwe Gehrke selbst in die kleinsten Ecken – und er gibt Ratschläge, die Gehrke gerne annimmt.

Er nehme mit, dass man beim Bauen viele Dinge gut gemacht habe, so Gehrke. „Bei ein paar Dingen müssen wir noch darüber nachdenken, ob wir sie verändern. Und ein paar Dinge sind mit wenig Aufwand verbesserbar, dass wir das auch gerne machen werden. Das nehmen wir aus dieser Messung mit“, sagt er. „Für mich war immer interessant festzustellen: Wir haben ein altes Haus, wo sind Schwachstellen bei der Lüftung und bei der Dämmung? Das kann man im Alltag nicht so gut selber feststellen, insofern sind wir froh, professionelle Hilfe zu haben durch das Angebot der Gemeinde“, so Gehrke.

Eigenbeteiligung von 100 Euro

Ortswechsel: Albert Haas ist Eigentümer von zwei Wohnungen in Eynatten. Auch er hat die Infrarotthermografie durchführen lassen. Eine Renovierung in dem Gebäude aus den 1970er Jahren war ohnehin geplant. Die Gemeinde Raeren hatte von der Deutschsprachigen Gemeinschaft im Rahmen des Energie- und Klimaplans einen Zuschuss für die Infrarotthermografien erhalten. Dieses Geld wird eingesetzt, um die Analysen zu finanzieren – aber die Teilnehmer müssen sich auch mit einem Eigenbetrag beteiligen, erklärt Albert Haas.

„Der ist überschaubar, das sind 100 Euro“, so Haas. Und das lohne sich auch, „wenn man sieht, was man später an Heizkosten dadurch wieder zurückgewinnt und ein Haus wieder in Stand bringt“, sagt er.

„Mit kleinem Geld kann man hier vieles machen, womit ich vorher nicht gerechnet habe“, so Haas. „Man hört immer: Fenster raus, durch Doppel- oder Dreifachverglasung ersetzen. Oder Außenmauerwerk isolieren. Das waren Dinge, wo man so ein bisschen zurückgeschreckt ist, auch wegen des Kostenaufwands. Und hier sieht man doch tatsächlich, dass undichte Stellen identifiziert wurden, die dann mit relativ kleinem Geld abgestellt werden können – insbesondere, weil wir jetzt sowieso auch in der Renovierungsphase sind“, sagt der Wohnungseigentümer.

Wohnungseigentümer Albert Haas sitzt in einem SesselWohnungseigentümer Albert Haas (Bild: Moritz Korff/BRF)

Begrenzt ist das Projekt der Gemeinde Raeren auf Gebäude, die vor dem Jahr 2000 gebaut wurden. Von solch älterem Baubestand gebe es in der Gemeinde viel, so Umwelt- und Energieschöffe Guido Deutz. „Es gab dann ja auch parallel noch mal die Empfehlung oder die Absprache auch mit anderen Dienstleistern beziehungsweise Beratern, die sagen: ‚Ok, es hat schon in der Konstruktion von solchen Gebäuden so ab dem Jahr 2000, 2005 doch einen massiven Umschwung gegeben in Richtung Energieeinsparung'“, sagt er.

Mit der Überprüfung mittels Infrarotthermografie werde der Bevölkerung ein wichtiges Werkzeug an die Hand gegeben, findet Deutz: Auf diese Weise könnten Schwachstellen entdeckt werden, „die man im Alltag vielleicht nicht sofort erkennt, die sich im Endeffekt aber auch auf einer Energierechnung bemerkbar machen werden und die langfristig auch natürlich gewisse Belastungen für die Umwelt bedeuten. Denn die beste Energie ist die, die ich nicht brauche“, sagt er.

Gerechnet hatte die Gemeinde Raeren laut Deutz mit rund 50 Teilnehmern an dem Projekt – letztlich wurden es mehr als 80. „Wir waren sehr positiv überrascht, dass doch viele Bürger dieses Angebot angenommen haben“, sagt der Schöffe. Man sieht: Der Bedarf ist da.

Schöffe Guido Deutz und Roger Hoffmann unterhalten sichSchöffe Guido Deutz (li.) und Roger Hoffmann (Bild: Moritz Korff/BRF)

Moritz Korff