
Am 1. Januar ist der Verbund der Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim gestartet. Bei einem Festakt am Montag wurde deutlich, was dieser Verbund konkret bedeuten wird.
Mit einer feierlichen Auftaktveranstaltung in der Heidelberger Kopfklinik ist am Montag ganz offiziell der neue Verbund der beiden Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim gestartet. Zuvor stand eine Sonder-Straßenbahnfahrt vom Mannheimer Uniklinikum zur Kopfklinik auf dem Programm. Dabei unterzeichneten die wichtigsten Akteurinnen und Akteure des Verbunds symbolisch den Verbund-Vertrag. Den Originalvertrag hatten sie bereits im Dezember 2025 unterschrieben.
(v.l.n.r.) Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht (CDU), Verbund-Vorstandschef Hanns-Peter Knaebel, Frauke Melchior, Rektorin der Heidelberger Universität, (etwas verdeckt) Sandra Henek, kaufmännische Geschäftsführerin am Universitätsklinikum Mannheim und Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne)
Festakt zu Klinikverbund-Start in Heidelberg
Anschließend gab es eine Feierstunde im Hörsaal der Kopfklinik des Uniklinikums Heidelberg mit rund 400 geladenen Gästen aus Politik und Gesundheitswesen. Tatsächlich ist der Verbund bereits seit dem 1. Januar in Betrieb. Vorstandschef des Verbunds ist Hanns-Peter Knaebel, ein ausgebildeter Chirurg.
Professor Hanns-Peter Knaebel, Vorstandsvorsitzender des neuen Klinikverbunds Heidelberg-Mannheim
Was bringt der Klinikverbund Patientinnen und Patienten?
Am Rande der Auftaktveranstaltung sagte Verbund-Chef Hanns-Peter Knaebel dem SWR, der Verbund könne „noch mehr Spitzenmedizin koordiniert an beiden Standorten anbieten“. Für Patientinnen und Patienten bedeute das eine „noch umfassendere Versorgung auf Spitzenniveau“. Konkret betrifft das etwa die Bereiche Onkologie (Krebsmedizin), Kardiologie (Herz- und Kreislauf-Medizin) und Chirurgie. Generell aber stehe der Verbund für Spitzen-Medizin und Spitzen-Forschung.
Darüberhinaus werde es aber auch eine Zusammenarbeit des Verbunds mit kleineren Krankenhäusern (mit einer sogenannten Grund- und Regelversorgung) in der Nähe geben. Dort könnten dann „weniger komplexe“ Erkrankungen behandelt werden – wie zum Beispiel eine Leisten-OP oder die Entfernung von Rachenmandeln.
(v.l.n.r.) Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne), Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht (CDU), Verbund-Vorstandschef Hanns-Peter Knaebel, Frauke Melchior, Rektorin der Heidelberger Universität und Sandra Henek, kaufmännische Geschäftsführerin am Universitätsklinikum Mannheim
Ist der Klinikverbund vergleichbar mit der Charité in Berlin?
Die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne) sagte, es gehe darum, mit dem Verbund „auch international noch mehr Strahlkraft zu entwickeln“, mit dem Ziel, zu den Top-Kliniken in Berlin und München weiter aufzuschließen. Lehre, Forschung und Versorgung würden durch den Verbund „auf ein neues Qualitätsniveau“ gehoben. Ärztinnen und Ärzte, die künftig an den Verbundstandorten ausgebildet werden, könnten mit ihrem Wissen dafür sorgen, dass „Volkskrankheiten wie Krebs und Herz-Kreislauf-Leiden früher und besser erkannt und wirksamer behandelt werden“.
Auswertung der Computertomographie eines kleinen Mädchens in der Charite in Berlin
Verbund bringt Mannheim finanzielle Entlastung
Die Mehrheit der Gesellschaftsanteile des Verbunds wird mit rund 90 Prozent das Universitätsklinikum Heidelberg haben. Mannheim ist also nur noch mit zehn Prozent beteiligt. Größter Vorteil für Mannheim: Die Stadt muss künftig nicht mehr für die jährlich anfallenden Fehlbeträge ihres Klinikums geradestehen. Das übernimmt nun das Land Baden-Württemberg. Laut Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) hatte die Stadt in den vergangenen Jahren etwa eine Viertelmilliarde Euro in das Klinikum gesteckt. Eine Belastung, die „nicht mehr tragbar“ war. Specht erhofft sich durch den Verbund vor allem die Schaffung neuer hochwertiger Jobs in der Gesundheitswirtschaft.
Klinikverbund Heidelberg-Mannheim: Zahlen und Fakten
Mit dem Verbund entsteht eigenen Angaben zufolge eines der größten Universitätsklinika in Europa. 90 spezialisierte Fachkliniken mit rund 2.800 Betten versorgen demnach pro Jahr mehr als 100.000 Patientinnen und Patienten stationär und knapp 1,5 Millionen Menschen ambulant. Mit mehr als 20.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist der Klinikverbund einer der größten Arbeitgeber in der Rhein-Neckar-Region.
Zusammen mit den Ausbildungsakademien in Heidelberg und Mannheim ist er zugleich eine der größten Ausbildungsstätten mit mehr als 25 klinischen und nicht-klinischen Ausbildungsberufen. Laut dem Uniklinikum Heidelberg erwirtschaften die Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim zusammen jährlich einen Umsatz von 1,7 bis 1,8 Milliarden Euro.
Vernetzung mit Forschungseinrichtungen
Die Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim sind eng mit den Einrichtungen der Heidelberger Uni und Forschungseinrichtungen in Heidelberg und Mannheim vernetzt, darunter das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), das Max-Planck-Institut für medizinische Forschung, das Europäische Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg sowie das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim.
Gemeinsam bilden sie den vom Land Baden-Württemberg geförderten „Innovationscampus Health and Life Science Alliance Heidelberg Mannheim“. Dazu kommen mehrere Kooperationseinrichtungen wie das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg, das Hopp-Kindertumorzentrum (KiTZ) Heidelberg sowie das DKFZ-Hector Krebsinstitut und das Helmholtz-Institut für translationale AngioCardioScience (HI-TAC) in Mannheim.
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