
Kaum gegründet, dominieren die Berlin Dreams prompt die Basketball-Regionalliga. Der Weg in den Profibasketball scheint vorgezeichnet, aber die Vision ist noch größer. Die NBA Europe ist der sehr verträumte Traum der Dreams.
Sechzehn Spiele, sechzehn Siege – im Schnitt mit 32,2 Punkten. Es ist eine Bilanz, die normalerweise zu schön wäre, um wahr zu sein. Aber die Charlottenburger Basketballer der Berlin Dreams träumen nicht, wenn sie aktuell auf die Tabelle der Regionalliga Nord schauen. Im Gegenteil: Die Dominanz, mit der sie ihre Gegner auf dem hölzernen Parkett der altehrwürdigen Sömmeringhalle auseinandernehmen, ist sehr real.
Große Ziele, noch größere Träume
Seit dem vergangenen Sommer sorgen die Berlin Dreams für Alpträume bei ihren Gegnern in der Regionalliga. Eine Fusion des ehemaligen Drittligisten Berlin Braves und des traditionsreichen DBV Charlottenburg hat sie dorthin gebracht.
Das Verschmelzen von Social-Media-affiner Start-up-Mentalität und den Strukturen von einem der größten Basketballvereine Deutschlands setzt große sportliche Energien frei. Mit ihrer Hilfe wollen sich die Berliner eher kurzfristig als langfristig im Profibasketball etablieren. Ein sehr realistisches Ziel, in dessen Schatten der Klub von noch viel mehr träumt: der NBA Europe.
Simon Dube Paul
Eine Community und eine Sexyness, die viele klassische Basketballvereine in Deutschland nicht haben.
Ein Team der anderen Art
Ein Viertligist, der von einer Liga träumt, für die sich selbst der riesige Nachbar Alba Berlin strecken und ein Stück weit neu erfinden müsste? „Ich muss mir von meinen Mitstreitern immer mal wieder anhören, dass ich größenwahnsinnig sei“, fasst Simon Dube Paul den Gedanken zusammen, der bei dieser Vorstellung in den Kopf schießt.
Paul ist Geschäftsführer der Berlin Dreams und als solcher um Kontext bemüht. Die Vision von der sportlichen europäischen Basketballbühne ist das eine, die NBA-Kultur das andere. „Wir wollen als Klub eine Kultur etablieren, die mit den NBA-Klubs vergleichbar ist“, sagt Paul, „eine Community und eine Sexyness, die viele klassische Basketballvereine in Deutschland nicht haben.“
Im Zeichen dieses Zieles stand also auch die bisherige Geschichte der Berlin Dreams. Im Jahr 2019 übernahm Paul zusammen mit seinem Bruder Amo und Mitstreiter Madu Cole den Verein BG 2000 – und krempelte diesen umfangreich um. Unter der Flagge und dem Namen der bis dahin als Lauf-Community bekannten Berlin Braves stiegen die Basketballer in die Pro B, die dritthöchste deutsche Liga auf.
Begleitet wurde das Ganze von dem, was Paul als „Storytelling“ zusammenfasst. Statt mit klassischen Ergebnisposts auf Facebook und einer veralteten Website präsentierten sich die Braves konsequent anders – lauter, diverser, bunter. „Diese Identität haben wir jetzt auch als Berlin Dreams“, sagt Paul. Bei den Heimspielen in der Sömmeringhalle sind die Pausen gefüllt mit Hip-Hop-Beats. Die im Schnitt 400 Fans sind eine Art Abbild des jungen Berlins: in jeglicher Hinsicht vielfältig.
Fruchtbare Fusion mit dem DBV Charlottenburg
Auf dem Parkett stehen für die Berlin Dreams unterdessen zahlreiche Spieler, die vergangene Saison noch für die Braves aufgelaufen sind. Spieler wie Marley-Jean Louis oder Phillip Daubner, die auch anderorts schon mal höher gespielt haben. Aber auch Spieler wie das 19-jährige Talent Ben Lenhardt. Verändert haben sich im Sommer allen voran die Strukturen im Hintergrund und Unterbau.
„Die letzten Jahre sind wir unter einer Art geliehenem Namen oft auf dem Zahnfleisch gelaufen“, sagt Simon Dube Paul, „jetzt sind wir zurück zu den Wurzeln des Charlottenburger Basketballs gegangen und Teil eines gut strukturierten Traditionsvereins.“ Ein Traditionsverein mit beachtlicher Größe. Exakt 1.476 aktive Mitglieder machten den 1991 gegründeten DBV Charlottenburg Anfang des Jahres offiziell zum fünftgrößten Basketballverein Deutschlands.
Es ist ein Fakt, der Erik Steinort durchaus mit Stolz erfüllt. Zumal „wir weiterhin enorm wachsen“, wie der stellvertretende Vorsitzende des Vereins sagt. Seit Jahren bringt der DBV immer wieder talentierte junge Basketballer hervor. Nun kann er mit den Berlin Dreams auch den älteren unter ihnen eine spannende Perspektive bieten. „Wir hatten ohnehin das Ziel, bis 2030 in die Pro B aufzusteigen“, sagt Steinfort, „haben aber auch gemerkt, dass das mit gemeinnützigen Vereinsstrukturen schwer realisierbar ist.“
Erik Steinfort über die ProB
Wir gehen von einem Finanzierungsbedarf von 300.000 bis 400.000 Euro aus.
Die Suche nach dem Geld
Dementsprechend ist es nur logisch, dass das neue Top-Team des DBV Charlottenburg in eine GmbH ausgegliedert wurde. Als solche sind die Berlin Dreams nun auch dabei, sich finanziell dauerhaft für die ProB und den Profibasketball zu rüsten. „Die Unterschiede zur Regionalliga sind immens“, sagt Steinort, der auch als Finanzvorstand des DBV arbeitet. „Wir gehen von einem Finanzierungsbedarf von 300.000 bis 400.000 Euro aus“, sagt er. Aus Mitgliedsbeiträgen und Fördermitteln der Stadt Berlin wolle, könne und dürfe man diesen Betrag nicht aufbringen.
Deshalb hat in den kommenden Monaten auch das Führungstrio der Berlin Dreams um Simon Dube Paul einiges an Arbeit vor sich. Egal ob Unternehmen als Sponsoren oder Privatpersonen als Investoren – Paul berichtet von „vielen Gesprächen“, die er aktuell führen würde. Insgesamt regiert rund um die Dreams dabei eine große Zuversicht.
Paul hat weder einen Zweifel an der finanziellen Machbarkeit einer sportlichen Rückkehr in den Profibasketball noch daran, dass diese auch sportlich gelingt. Wobei das bei 16 Siegen mit im Schnitt 32,2 Punkten Vorsprung auch wenig verwunderlich ist.
Sendung: rbb|24, 12.01.2026, 17:17 Uhr