

US-Gesundheitsminister Robert Kennedy Jr. attackiert seine deutsche Amtskollegin „Workin“
Foto: Andrew Harnik/Getty Images
In einem überraschenden Angriff auf Deutschland behauptet Robert F. Kennedy Jr., Ärzte würden zu Impfungen gezwungen. Die Motivation hinter diesen Fake News ist bedrohlich
Hallo, Frau Workin! Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) war hörbar nicht amused über den Video-Post, mit dem sie der amerikanische Amtskollege am vergangenen Freitag beglückte. Nicht nur, weil er es nicht einmal für notwendig hielt, ihren Namen korrekt zu schreiben, sondern weil der Inhalt gepfeffert war.
Robert F. Kennedy Jr. warf ihr vor, „dass mehr als 1.000 Ärzte und Tausende ihrer Patienten“ derzeit strafrechtlich belangt würden, weil sie während der Corona-Pandemie Ausnahmen vom Tragen von Masken und von Impfungen gegen Covid-19 gewährt hätten. Er bezieht sich auf „Berichte aus Deutschland“, für die er keine Quelle nennt, aber daraus den Schluss zieht, die hiesigen Patient:innen seien hierzulande in ihrer medizinischen Autonomie eingeschränkt. Damit überschreite Warken „die Grenze, die freie Gesellschaften immer als unantastbar betrachtet“ hätten. Ärzte dürften nicht „Vollstrecker staatlicher Politik werden“.
Man liest es und schluckt. Und lacht. Und glaubt es nicht. Denn wenn überhaupt jemand Ärzt:innen zum Vollstrecker staatlicher Politik macht, dann sind es Robert F. Kennedy Jr. im Verein mit Donald Trump. Nicht nur entließ Trump den renommierten und von Impfgegnern verfolgten Gesundheitsberater Anthony Fauci und versagte ihm kürzlich den Personenschutz. Kennedy Jr. entließ im vergangenen Juni auch die Mitglieder des unabhängigen Impfgremiums der USA, ACIP, vergleichbar mit der Ständigen Impfkommission (Stiko) in Deutschland. Die Posten in dem verkleinerten Gremium fielen an bekannte Impfgegner.
Selbst die Impfung gegen Masern und Polio auf dem Prüfstand
Vor kurzem griff Donald Trump sogar eigenhändig in den Impfkatalog der USA ein: Statt der 17 seit langer Zeit empfohlenen Impfungen sollen Neugeborene und Kinder nun noch mittels elf Impfungen immunisiert werden. Kinderärzte waren empört, Immunologen fassten sich an den Kopf. Schon im April stellte Kennedys Ministerium die seit 70 Jahren praktizierte Polio-Impfung auf den Prüfstand und drohte, Kinder mit Kinderlähmung perspektivisch wieder der grausamen „eisernen Lunge“ auszuliefern. Nur zwei dramatische Masern-Todesfälle in den USA haben wohl dafür gesorgt, dass zumindest die Vakzine gegen Masern und Polio nun nicht verteufelt werden.
Doch nicht nur in den unmittelbaren Präventionsbereich mischte sich der Impfgegner Kennedy ein, der bei seiner Ernennung selbst bei Republikanern Widerstand erfuhr. Sein Versuch, das anerkannte amerikanische Medizinjournal Annals of Internal Medicine zu erpressen, den Bericht einer dänischen Langzeitstudie aus dem Blatt zu nehmen, gehört in die Phalanx seiner Interventionen.
Dabei ging es um die Frage, ob Aluminiumzusätze im Impfstoff bei Kindern langfristig Autismus hervorrufen, eine These, die Impfgegner:innen immer wieder in Anschlag haben. Die dänischen Wissenschaftler entkräften das. Das Paul-Ehrlich-Institut hat das bei der Durchsicht der Studie weitgehend bestätigt.
Trump bezog sich ausgerechnet auf die Impfvorgaben aus Deutschland und Dänemark
Doch es gibt auch noch eine andere Absurdität: Als Trump den Impfkatalog in den USA zusammenstrich, bezog er sich ausgerechnet auf die Vorgaben, die Fachleute in Deutschland und Dänemark machen. Dort würden, erklärte er, viel weniger Impfempfehlungen gegeben werden. Richtig ist, dass in Deutschland weniger geimpft wird als in anderen Ländern, was historische Gründe hat, die in den Nationalsozialismus zurückgehen.
Nun aber ausgerechnet Deutschland zur Rechenschaft zu ziehen, dass Ärzte angeblich gezwungen worden wären zu impfen, ist richtig absurd. Wie gesagt, Quellen legt Kennedy nicht vor, aber man kann sich ja vorstellen, woher seine „Einsichten“ stammen. Nina Warken hat prompt und sichtlich ziemlich angefasst reagiert: Die Behauptungen „entbehren jeder Grundlage“ und seien „faktisch falsch“, erklärte sie. Sie sei bereit, das Kennedy „auch persönlich“ zu erklären.
Wer Impfungen hierzulande nicht verabreichen wolle, werde von der ärztlichen Therapiefreiheit gedeckt. Bei den Fällen, die vor Gericht gelandet sind, handelt es sich tatsächlich um Straftatbestände wie falsch ausgestellte Impfnachweise oder falsche Atteste in Bezug auf die Maskenpflicht.
Kennedy-Post ist eine politisch motivierte Einmischung
Ihr Amtsvorgänger Karl Lauterbach (SPD), der lange in den USA gelebt und gelernt hat, springt seiner Nachfolgerin zur Seite. Kennedy solle sich gefälligst mal um die Gesundheitsprobleme im eigenen Land kümmern: „Kurze Lebenserwartung, extreme Kosten, Zehntausende Drogentote und Mordopfer“. Nicht die Regierung bestrafe hierzulande, dafür seien Gerichte zuständig.
Dass der Kennedy-Post eine politisch motivierte Einmischung darstellt, sollten selbst diejenigen verstehen, die mit dem Impfen aus welchen Gründen auch immer auf Kriegsfuß stehen. Aber genau diese hinüberzuziehen in das Dickicht von Halbwahrheiten, Fake, Verschwörung und Destabilisierung, ist die Absicht der neuen gesundheitspolitischen Administration, der Kennedy vorsteht.
Er argumentiert mit Menschen- und Patientenrechten, was in diesem Fall substanziell fehlgeht. Aber vielleicht sollten auch deutsche Politiker:innen darüber nachdenken, was sie sagen, wenn sie von anderen Staaten Menschenrechte einfordern.
om Tragen von Masken und von Impfungen gegen Covid-19 gewährt hätten. Er bezieht sich auf „Berichte aus Deutschland“, für die er keine Quelle nennt, aber daraus den Schluss zieht, die hiesigen Patient:innen seien hierzulande in ihrer medizinischen Autonomie eingeschränkt. Damit überschreite Warken „die Grenze, die freie Gesellschaften immer als unantastbar betrachtet“ hätten. Ärzte dürften nicht „Vollstrecker staatlicher Politik werden“. Man liest es und schluckt. Und lacht. Und glaubt es nicht. Denn wenn überhaupt jemand Ärzt:innen zum Vollstrecker staatlicher Politik macht, dann sind es Robert F. Kennedy Jr. im Verein mit Donald Trump. Nicht nur entließ Trump den renommierten und von Impfgegnern verfolgten Gesundheitsberater Anthony Fauci und versagte ihm kürzlich den Personenschutz. Kennedy Jr. entließ im vergangenen Juni auch die Mitglieder des unabhängigen Impfgremiums der USA, ACIP, vergleichbar mit der Ständigen Impfkommission (Stiko) in Deutschland. Die Posten in dem verkleinerten Gremium fielen an bekannte Impfgegner. Selbst die Impfung gegen Masern und Polio auf dem PrüfstandVor kurzem griff Donald Trump sogar eigenhändig in den Impfkatalog der USA ein: Statt der 17 seit langer Zeit empfohlenen Impfungen sollen Neugeborene und Kinder nun noch mittels elf Impfungen immunisiert werden. Kinderärzte waren empört, Immunologen fassten sich an den Kopf. Schon im April stellte Kennedys Ministerium die seit 70 Jahren praktizierte Polio-Impfung auf den Prüfstand und drohte, Kinder mit Kinderlähmung perspektivisch wieder der grausamen „eisernen Lunge“ auszuliefern. Nur zwei dramatische Masern-Todesfälle in den USA haben wohl dafür gesorgt, dass zumindest die Vakzine gegen Masern und Polio nun nicht verteufelt werden. Doch nicht nur in den unmittelbaren Präventionsbereich mischte sich der Impfgegner Kennedy ein, der bei seiner Ernennung selbst bei Republikanern Widerstand erfuhr. Sein Versuch, das anerkannte amerikanische Medizinjournal Annals of Internal Medicine zu erpressen, den Bericht einer dänischen Langzeitstudie aus dem Blatt zu nehmen, gehört in die Phalanx seiner Interventionen.Dabei ging es um die Frage, ob Aluminiumzusätze im Impfstoff bei Kindern langfristig Autismus hervorrufen, eine These, die Impfgegner:innen immer wieder in Anschlag haben. Die dänischen Wissenschaftler entkräften das. Das Paul-Ehrlich-Institut hat das bei der Durchsicht der Studie weitgehend bestätigt. Trump bezog sich ausgerechnet auf die Impfvorgaben aus Deutschland und DänemarkDoch es gibt auch noch eine andere Absurdität: Als Trump den Impfkatalog in den USA zusammenstrich, bezog er sich ausgerechnet auf die Vorgaben, die Fachleute in Deutschland und Dänemark machen. Dort würden, erklärte er, viel weniger Impfempfehlungen gegeben werden. Richtig ist, dass in Deutschland weniger geimpft wird als in anderen Ländern, was historische Gründe hat, die in den Nationalsozialismus zurückgehen. Nun aber ausgerechnet Deutschland zur Rechenschaft zu ziehen, dass Ärzte angeblich gezwungen worden wären zu impfen, ist richtig absurd. Wie gesagt, Quellen legt Kennedy nicht vor, aber man kann sich ja vorstellen, woher seine „Einsichten“ stammen. Nina Warken hat prompt und sichtlich ziemlich angefasst reagiert: Die Behauptungen „entbehren jeder Grundlage“ und seien „faktisch falsch“, erklärte sie. Sie sei bereit, das Kennedy „auch persönlich“ zu erklären.Wer Impfungen hierzulande nicht verabreichen wolle, werde von der ärztlichen Therapiefreiheit gedeckt. Bei den Fällen, die vor Gericht gelandet sind, handelt es sich tatsächlich um Straftatbestände wie falsch ausgestellte Impfnachweise oder falsche Atteste in Bezug auf die Maskenpflicht. Kennedy-Post ist eine politisch motivierte EinmischungIhr Amtsvorgänger Karl Lauterbach (SPD), der lange in den USA gelebt und gelernt hat, springt seiner Nachfolgerin zur Seite. Kennedy solle sich gefälligst mal um die Gesundheitsprobleme im eigenen Land kümmern: „Kurze Lebenserwartung, extreme Kosten, Zehntausende Drogentote und Mordopfer“. Nicht die Regierung bestrafe hierzulande, dafür seien Gerichte zuständig. Dass der Kennedy-Post eine politisch motivierte Einmischung darstellt, sollten selbst diejenigen verstehen, die mit dem Impfen aus welchen Gründen auch immer auf Kriegsfuß stehen. Aber genau diese hinüberzuziehen in das Dickicht von Halbwahrheiten, Fake, Verschwörung und Destabilisierung, ist die Absicht der neuen gesundheitspolitischen Administration, der Kennedy vorsteht.Er argumentiert mit Menschen- und Patientenrechten, was in diesem Fall substanziell fehlgeht. Aber vielleicht sollten auch deutsche Politiker:innen darüber nachdenken, was sie sagen, wenn sie von anderen Staaten Menschenrechte einfordern.