Prozesswende am Landgericht
Staatsanwalt gesteht Deals mit Kokain-Händlern
13.01.2026 – 15:32 UhrLesedauer: 2 Min.
Der angeklagte Staatsanwalt aus Hannover mit seinen Verteidigern: Der Mann hat gestanden, gegen Geld eine international agierende Kokain-Bande mit Informationen versorgt zu haben. (Quelle: Shireen Broszies/dpa-bilder)
Ein angeklagter Staatsanwalt räumt am Landgericht Hannover überraschend neun Taten ein. Ihm droht eine langjährige Haftstrafe wegen besonders schwerer Bestechlichkeit.
Ein angeklagter Staatsanwalt hat am Dienstag am Landgericht Hannover neun von vierzehn Anklagepunkten gestanden. Der 40-Jährige räumte ein, Informationen an Kokain-Händler verkauft zu haben. Die Vorsitzende Richterin richtete mit Blick auf den Tatkomplex mehrfach eine zentrale Frage an den Angeklagten: „Warum?“ Doch der Jurist schwieg dazu.
Dem Mann droht laut Gericht eine Freiheitsstrafe zwischen acht Jahren und zwei Monaten sowie acht Jahren und neun Monaten. Ein Urteil ist bislang nicht gefallen.
Nach eigenen Angaben erhielt der Angeklagte pro Informationsweitergabe 2.500 Euro von den Drogenhändlern. Zu weiteren Beteiligten machte er keine Aussagen.
Die Strafkammer hatte zuvor in einer unerwarteten Wendung des Prozesses einen Verständigungsvorschlag gemacht. Auf Basis dieser Gespräche im Dezember und Januar außerhalb der Hauptverhandlung nahmen Verteidigung und Staatsanwaltschaft den Vorschlag des Gerichts an: Für den Fall einer uneingeschränkten geständigen Einlassung zu einem bestimmten Teil der 14 Anklagepunkte sagte ihm die Vorsitzende Richterin den genannten Strafrahmen zu. Der Vorschlag, diese Gespräche zu führen, stammte von der Verteidigung.
Ihre Gründe dafür: Das Verfahren ziehe sich, viele Beweise seien noch gar nicht eingebracht worden. Erst ein Drittel der Beweisaufnahme sei erledigt. Ihr Mandant sitze schon lange in Untersuchungshaft und erlebe dort Anfeindungen durch Mithäftlinge. Daher würde die Verteidigung das Verfahren gerne abkürzen.
Die abgeschlossenen Erörterungsgespräche zwischen Kammer, Staatsanwaltschaft und Verteidigern haben Schwung in das Verfahren gebracht. Bisher hatten sich die Prozessbeteiligten auf eine lange Verfahrensdauer eingestellt: Verhandlungstage sind bis Ende Mai 2026 terminiert.
Laut Verteidigung erhofft sich der Angeklagte von der Verständigung neben einem deutlich rascheren Ende des Verfahrens auch bessere Haftbedingungen. Doch ein Prozessende ist noch ungewiss: Neben dem beschuldigten Staatsanwalt ist ein zweiter Mann angeklagt. Aber auch dieser zeigte sich nun offen für ein sogenanntes Erörterungsgespräch.
Der Hauptangeklagte sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Laut Anklage soll er zwischen Juni 2020 und März 2021 eine internationale Drogenbande vor einer Razzia gewarnt haben. Diese stand im Zusammenhang mit einem Fund von 16 Tonnen Kokain im Hamburger Hafen.
Die Ermittler stellten ein früheres Verfahren gegen den Staatsanwalt im Oktober 2023 ein. Der Verdacht hatte sich zunächst nicht erhärtet. Im laufenden Prozess wirft die Staatsanwaltschaft ihm nun rund zehn Fälle von besonders schwerer Bestechlichkeit vor.
