MDR KULTUR: Sie haben Folkländer vor 50 Jahren gegründet. Wie sind sie damals auf Folk gekommen?
Jürgen Wolff: Man kann sich das heute kaum noch vorstellen. Aber damals war Folkmusik quasi das Nonplusultra. Ich habe bei einer Wette eine Platte gewonnen, damals im Studium, und das waren irische Folksongs. Die haben wir dann bei jeder Gelegenheit rauf und runter gespielt. Der Schritt dahin, das dann selber zu versuchen, war dann gar nicht so riesengroß.
Das, womit sie gespielt haben – Mundharmonika, Flöte, Gitarre –, war auch relativ gut zu bekommen zu DDR-Zeiten.
Das war ganz gut zu kriegen. Und das Entscheidende an dieser Art Musik war, dass man sie nicht elektrisch spielen musste. Man konnte sich hinsetzen, hat ein bisschen gestimmt und dann einfach losgewurzelt. Und wenn man halbwegs mit der Stimme irgendwie über den Wust an Instrumenten kam, hatte man eigentlich schon gewonnen.
Verstärker waren auch schwer zu kriegen… Und wie sind die Fans zu irischer Folkmusik gekommen?
Das war nicht so schwierig: Es gab damals im polnischen Kulturzentrum am Brühl eine Platte von einer irischen Band, die überhaupt niemand kannte. Die hieß The Quarefellas. Und jeder, der angefangen hat, sich dafür zu interessieren, kaufte sich diese Platte. Das war der Grundstock dessen, was man an Repertoire zusammengekriegt hat. Das haben wir gespielt. Und dadurch, dass wir so einen Enthusiasmus an den Tag gelegt haben, hat sich das ganz schnell rumgesprochen.
Ein weiterer Schritt war, dass Sie beschlossen haben, irische und schottische Songs ins Deutsche zu holen. Wie kam es dazu?
Weil wir festgestellt haben: Diese schnellen Instrumentals kriegen wir nicht so hin. Und dann kam das von allen Seiten. Auch Bands aus dem Westen haben mit irischer Folkmusik angefangen und damit, deutsche Sachen zu spielen. Und dann passierte das wie von selber. Wir sagten, wir müssen jetzt mal auf die eigenen Wurzeln gehen und gucken, dass wir hier was zu Wege bringen.
Die Themen, mit denen die Songs sich befassen, hat man als relativ unproblematisch empfunden und eher als Kritik am Westen, oder?
Das war in der DDR natürlich ein bisschen komplizierter als im Westen. Allerdings hatten wir dann so einen Bonus: Ende des ersten Jahres, also Ende 1976, wurde ja Wolf Biermann herauskomplementiert aus der DDR. Und dann kam so ein bisschen ein Kalter Krieg in der DDR-Kulturszene. Und plötzlich waren die Volkslieder so richtig angesagt.
In einem Volkslied konnte man eben sagen: „Ich bin Soldat, doch bin ich es nicht gerne“, weil man immer sagen konnte: Hier in dem Liederbuch, 100 Jahre alt, da steht’s – es ist gar nicht von uns! Solche Sachen gab es mehrere. Und das war eben das Schöne, dass wir dann mit Folkmusik plötzlich richtiggehend aktuell waren.
50 Jahre Bandgeschichte – was ist jetzt geplant zum großen Jubiläum?
Wir machen am 14. Februar im UT Connewitz in Leipzig ein Jubiläumskonzert, wo auch einige der Mitgründer dabei sein werden. Dann spielen wir noch ein paar Konzerte übers Jahr und gucken dann, was wir noch zu Wege bringen.
Quellen: MDR KULTUR (Annett Mautner), redaktionelle Bearbeitung: hki, tdi