Dresden. Keine Stempel mehr ins Postsparkassenbuch, keine Sonderbriefmarken: Ab 10. Februar ist die letzte Schalterhalle mit Postbank- und Post-Angeboten auf der rechten Elbseite in Dresden geschlossen. Das Datum steht nun fest. Die Postbank macht ihre Ankündigung vom vorigen Sommer wahr, ihren Standort an der Königsbrücker Straße ganz aufzugeben. Die fünf Schalter gibt es dann nicht mehr.
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Das ehemalige Postgebäude aus den Jahren 1962 bis 1964 in der Dresdner Neustadt fällt auf: Vor allem aus vorbeifahrenden Zügen und von der Lößnitzstraße aus ist gut der Schriftzug auf dem Dach des Sechsstöckers zu lesen. „Post – in alle Welt – aus aller Welt +“, steht dort. Die Buchstaben bleiben, doch die oberen Etagen sind längst an postfremde Büromieter vergeben.
Automaten dürfen auch nicht bleiben
Nicht einmal Automaten statt Schalter-Angestellten soll es künftig an dem Haus an der Königsbrücker Straße 21 geben. „Wenn wir uns aus einem Standort zurückziehen, dann wird dieser vollständig geschlossen“, schreibt Postbank-Sprecherin Iris Laduch aus Bonn. Der Briefmarkenautomat ist schon längere Zeit abgebaut, wie vor allen ehemaligen Postämtern.
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Zum Geldabheben am Automaten schickt die Postbank ihre Kunden bereits ein paar Häuser weiter: zur Filiale der Deutschen Bank an der Königsbrücker Straße 15. Die Postbank ist ein Tochterunternehmen der Deutschen Bank. In der ehemaligen Hauptpost blieben nur die Automaten für Überweisungen und Kontoauszüge, im Gang zur Postfachanlage.

Der Dresdner Ralf Richter wünscht sich mehr Kundenfreundlichkeit von der Postbank. Er hat verfolgt, wie in den vergangenen Jahren auch an anderen Stellen in Dresden Schalter mit Ansprechpartnern „wegrationalisiert“ wurden. Zuletzt hat ihn geärgert, dass in den Filialen die kleinen Briefkästen zum Einwerfen von Schecks und Überweisungsformularen abgeschraubt wurden.
„Ja, es gibt sie noch: Menschen, die Schecks aus Papier ausfüllen und zur Bank bringen“, schreibt Richter. Er gehöre dazu. Doch am Schalter habe ihm die Angestellte auf die Frage nach dem Kasten gesagt: „Der wurde abgebaut. Ich bin jetzt der Briefkasten.“ Nun müsse der Kunde entweder unnötig in der Schlange warten oder seine Daten in einen Automaten eingeben.
Enttäuschter Kunde plant Petition
„Dies dauert nicht nur wesentlich länger“, ärgert sich Richter. Nach seiner Ansicht schrecken die Automaten jene Kunden ab, die sich nicht mit Technik befassen können oder wollen, nur um einen ausgefüllten Scheck abzugeben. Gerade für ältere Kunden sei das keine gute Dienstleistung. Richter möchte eine Petition starten, um die Postbank in Dresden „wieder zu mehr Kundenfreundlichkeit zu bewegen“.
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Postbank-Sprecherin Laduch teilt dazu mit, die „blauen Briefkästen“ für die Formulare gebe es schon seit längerer Zeit nicht mehr. Aus „organisatorischen Gründen“ habe die Postbank sich entschieden, die Kästen abzubauen. Wenn Kunden ihre Überweisungsträger nicht am Schalter abgeben wollten, könnten sie die in einem Girobriefumschlag an die Kontoführung der Postbank schicken.
Postbank empfiehlt Serviceterminals
Girobriefumschläge sind adressierte und frankierte Kuverts, die man in einen gelben Postbriefkasten stecken kann. Gleich zwei davon stehen vor der Postbank-Filiale an der Königbrücker Straße, zwei gegenüber der Filiale Antonsplatz nahe dem Postplatz.
Die Girobriefumschläge gibt es laut Laduch in den Postbank-Filialen. Allerdings seien sie „bei einigen Kontomodellen nicht im Preis inbegriffen“. Man könne auch gewöhnliche Umschläge nehmen, müsse sie aber frankieren.
Durch die fortschreitende Digitalisierung beobachten wir schon länger eine deutliche Veränderung im Verhalten der Kundinnen und Kunden der Postbank.
Iris Laduch
Mediensprecherin Deutsche Bank/Postbank
Die Postbank-Sprecherin schreibt, dass Mobile- und Online-Angebote des Unternehmens „zunehmend stärker genutzt“ würden. Das Unternehmen prüfe sein Filialnetz auf Basis des Kundenverhaltens. Die Serviceterminals ließen sich auch ohne Onlinebanking nutzen.
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Die Schließung der Postbank in der Dresdner Neustadt ist Teil einer bundesweiten Welle. Das Unternehmen verkleinert sein Netz von etwa 550 auf rund 320 Standorte. Davon bieten 200 auch Postleistungen an. Die anderen sind als „Beratungsfilialen“ nur noch Postbank.

In Dresden gibt es ab 10. Februar nur noch zwei Postbank-Filialen: Antonsplatz 1 in der Altstadt nahe dem Postplatz und Hofmannstraße 6–8 in Blasewitz. Die Blasewitzer bietet auch Postdienstleistungen an. Wer dagegen nahe dem Postplatz Briefmarken der gelben Post kaufen möchte, muss in der Altmarktgalerie im ersten Stock den Geschenkeladen Partyland aufsuchen.
An der Königsbrücker Straße gibt es Briefmarken und Pakete in einer neuen „Partnerfiliale“ der Deutschen Post an der Ecke Katharinenstraße. Sie ist montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr geöffnet, sonnabends von 9 bis 12 Uhr.
Wie viele Beschäftigte bisher Arbeit in den Filialen hatten, möchte die Postbank „aus Sicherheitsgründen“ nicht mitteilen: „Überfallprävention“. Laut Gewerkschaft Verdi gibt es einen tariflichen Kündigungsschutz bis Ende 2027. Verdi-Branchenkoordinator Tillman Kubitz in Dresden sagte, die Zahl der Beschäftigten werde sich in den nächsten Jahren verringern, „vorrangig durch natürliche Fluktuation und altersbedingte Abgänge“.
SZ