
marktbericht
Der DAX bleibt seiner Rekordserie treu, doch die Schwankungen nehmen zu. Auch die Wall Street zeigt Ermüdungserscheinungen – trotz erfreulicher Inflationsdaten.
Die Rally gerät in unruhigeres Fahrwasser. Während dem DAX auch an diesem siebten Handelstag in Folge ein Rekord gelang, waren die Ausschläge deutlich stärker als an den Vortagen. Im Verlauf ließen die aktuellen Inflationsdaten aus den USA den deutschen Leitindex auf den Rekordstand von 25.505 Punkten steigen, worauf er seine Gewinne fast vollständig wieder abgab. Zum Handelsschluss notierte der DAX bei 25.420 Punkten, ein Plus von 0,1 Prozent.
Im Dezember verharrte die Teuerung in den Vereinigten Staaten bei 2,7 Prozent. Doch stieg die Kerninflation (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) mit 2,6 Prozent weniger stark als erwartet. Das stützte die Erwartungen, dass der US-Leitzins noch im ersten Halbjahr weiter gesenkt wird.
Doch die Luft wird dünn: „Es wirkt, als würden ausschließlich positive Nachrichten gelesen, während negative Nachrichten ausgeblendet werden“, sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners. Der DAX sei inzwischen massiv überkauft. Die nun anlaufende Berichtssaison werde den starken Trend nun untermauern müssen. „Negative Überraschungen könnten nach den jüngsten Kursgewinnen hart abgestraft werden“, so Altmann.
Wie immer beginnt die Berichtssaison mit den Großbanken in den USA: Den Anfang machte heute JPMorgan Chase, deren Zahlen leicht über den Erwartungen lagen, was den Markt aber nicht mitreißen konnte. In den kommenden Tagen legen weitere US-Banken Zahlen vor, im Laufe der nächsten Wochen dann auch die deutschen Konzerne.
Auch an den amerikanischen Märkten hinterlässt die jüngste Rekordjagd Spuren. Trotz der erfreulichen Inflationsdaten schaffte es der Dow Jones im frühen Handel nicht ins Plus und notiert am späten Nachmittag 0,6 Prozent tiefer. Am Montag hatte er noch eine neue Bestmarke erreicht und 0,2 Prozent höher bei 49.590 Punkten geschlossen.
Die US-Investoren sind irritiert wegen des politischen Machtkampfs um die Fed. Die drohende Klage gegen Notenbankchef Jerome Powell hatte eine Welle der Kritik ausgelöst. Viele sehen die Unabhängigkeit der US-Notenbank in Gefahr. In einem ungewöhnlichen Schritt stellten sich führende internationale Zentralbankchefs hinter Powell.
Die jüngste Konjunkturfantasie, die den DAX weit nach oben getragen hat, bekam heute ein wenig Futter: Die Weltbank erhöhte ihre Prognose für die globale Konjunktur in diesem Jahr leicht um 0,2 Prozentpunkte und rechnet nun mit 2,6 Prozent Wirtschaftswachstum. Für die Eurozone fällt die Prognose mit 0,9 Prozent deutlich schwächer aus, nach 1,4 Prozent 2025. 2027 dürfte es dann um 1,2 Prozent nach oben gehen – auch dank der Mehrausgaben für Verteidigung.
Größter DAX-Gewinner war Symrise mit einem Plus von fünf Prozent. Der Aromen- und Dufthersteller hat ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu 400 Millionen Euro angekündigt. Die Aktie erholt sich damit weiter, nachdem der Kurs im Dezember auf den tiefsten Stand seit 2019 gefallen war. Der Konzern hatte die Wachstumsprognose für das Jahr 2025 mehrfach nach unten korrigiert.
Einer der schwächsten Werte im DAX war die Conti-Aktie mit einem Abschlag von 2,6 Prozent. Die Privatbank Berenberg hatte die Kaufempfehlung für den Autozulieferer gestrichen. Mit dem Verkauf von ContiTech dürfte Continental zu einem hocheffizienten, reinen Reifenhersteller mit wenig Schulden und reichlich liquiden Mitteln werden, schrieb Analyst Michael Filatov. Dies aber sei bereits weitgehend im Kurs eingepreist.