Nach fast 20 Verhandlungstagen wurde am Dienstag für vier Mitglieder der sogenannten Nigeria-Connection am Landgericht Dresden das Urteil gesprochen. Drei Männer und eine Frau, alle Mitte 20, müssen wegen Beihilfe zum banden- und gewerbsmäßigen Betrug ins Gefängnis. Die Haftstrafen liegen bis zu drei Jahren und acht Monaten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Angeklagten haben jetzt eine Woche Zeit in Berufung zu gehen.

Die Täter hatten Frauen im Internet oder über Messenger die große Liebe vorgespielt, um an ihr Geld zu kommen. Mit dieser Betrugsmasche, dem sogenannten Lovescamming, erbeuteten sie mehr als eine Million Euro. Das meiste Geld ging an Hinterleute im Ausland. Die Angeklagten sollen jeweils zehn Prozent behalten haben. Rund 400.000 Euro konnten von europäischen Konten sichergestellt werden.

Opfer vor Gericht ausgelacht

Im Prozess sagten rund 30 Geschädigte aus, darunter auch zwei Frauen aus Sachsen. Fast 20 Verhandlungstage dauerte es bis zum Urteilsspruch. Eine Frau aus Sachsen verlor über 400.000 Euro. Wie MDR-Gerichtsreporterin Anett Apfel berichtet, sollen im Laufe des Verfahrens einige der geschädigten Frauen bitterlich geweint haben, als sie erkannten, wie sie belogen und betrogen worden waren. Teilweise sollen die Angeklagten sie sogar ausgelacht haben. Beim letzten Verhandlungstag am Dienstag seien jedoch keine Opfer anwesend gewesen.

Manche Frauen wollen Realität nicht wahrhaben

Wie gekonnt die Betrüger vorgehen, zeigt das Beispiel einer Geschädigten aus Dresden, die an einem der früheren Verhandlungstage als Zeugin geladen war. Sie glaubte weiter an ihre vermeintlich große Liebe. Als man ihr im Gerichtssaal zum wiederholten Male sagte, dass sie einem Betrug zum Opfer gefallen sei, wurde sie Angaben der MDR-Reporterin zufolge richtig wütend.

Sie habe den Betrug nicht wahrhaben wollen. Ihre vermeintliche große Liebe, ein amerikanischer Arzt, der angeblich in Syrien an der Front kämpfe, schreibe ihr noch immer. Es sei ein gemeinsames Haus und eine Hochzeit geplant gewesen. Persönlich getroffen oder mit ihm telefoniert hatte sie nie. Etwa 30.000 bis 40.000 Euro hätte sie ihm überwiesen. Inzwischen wacht eine Betreuerin über das Konto der blinden Sozialhilfeempfängerin, damit sie dem angeblichen Chirurgen kein weiteres Geld überweist.