Dresden. Was in Dresden längst als Kultlokal bekannt ist, hat nun internationale Aufmerksamkeit bekommen: Die New York Times stellte das Alte Wettbüro im Dezember 2025 als eines der gastronomischen Highlights der Stadt vor. In einer Reisekolumne lobte die Zeitung das gemütliche Ambiente sowie die modern interpretierte Küche.

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Betrieben wird das Alte Wettbüro, auch „Wetti“ genannt, seit 20 Jahren vom gelernten Wasserinstallateur Falk Gruß. Er eröffnete das Lokal am Rand der Neustadt mit zwei Freunden, damals noch als Tanzclub. Heute stehen ihm Küchenchef Peter Bahler und David Klewin in der Öffentlichkeitsarbeit zur Seite.

Gehobene Küche mit urigem Ambiente

Vom Tanzlokal zum gemütlich-gehobenen Restaurant – das Alte Wettbüro hat sich über die Jahre stark verändert. Das findet Gruß auch gut so. Er hat eine ruhige, gelassene Art.

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Vieles lässt er offenbar einfach auf sich zukommen. „Ich habe ein gutes Team. Dem lasse ich ein bisschen freie Hand“, sagt er. „Diese Dynamik spürt man vielleicht auch, wenn man bei uns isst.“

Gedimmtes Licht, Holzmöbel und Betoncharme – das Alte Wettbüro ist für sein Ambiente bekannt.

Was den Betreibern aber immer wichtig war: gute Qualität und eine angenehme Atmosphäre. „Ich gehe hier selbst gern hin, und so sollte das auch sein“, sagt Veranstaltungsleiter Klewin.

Diese Woche steht der „Fang des Tages“ auf der Karte, serviert auf Schwarzwurzel mit Rosenkohlblättern und Haselnusscrunch an Urkarottencreme, dazu Rote-Bete-Arancini.

In zwei Gasträumen mit urigen Holzmöbeln können bis zu 120 Gäste einkehren. Bei gedimmtem Licht und einer angeleuchteten Discokugel wirkt es trotz der Größe familiär. Viele genießen dort oder im anliegenden Sommergarten regelmäßig ihr Feierabendbier. Der eigentliche Star der Show ist aber das Essen.

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Als „länderübergreifend-experimentell“ und „Fusionsküche“ beschreibt der Betreiber die Kreationen von Bahler. Das Essen beim Alten Wettbüro lässt sich auch schwer in eine Schublade stecken.

Schließlich wechselt die Karte alle 14 Tage. „Damit es nicht langweilig wird“, sagt Gruß. Zwar wiederholt sich auch mal ein Gericht, die Zutaten werden aber meist nach Jahreszeit eingekauft. „Wenn zum Beispiel Kohlsaison ist, gibt es auch Kohl“, sagt Klewin.

Für Vegetarier gibt es gerade Rote-Bete-Quinoa mit gerösteter Pastinake und Erbse an gepickelter Bete.

Da sie möglichst frische, regionale Produkte verwenden, liefern ihre Händler auch mal kleinere Mengen. Die damit gekochten Gerichte werden als Tagesangebote verkauft, bis die Zutaten aufgebraucht sind.

Abgesehen davon gibt es meistens eine Suppe, einen Salat, ein Fischgericht, ein Fleischgericht – und für Vegetarier und Veganer ist auch immer etwas dabei. Auf der aktuellen Karte stehen beispielsweise ein Schweinefilet mit Pilz-Parmesan-Kruste oder Rote-Bete-Quinoa. Ganz billig sind die Speisen nicht. Zwischen 20 und 30 Euro kostet ein Hauptgericht.

Laut dem New-York-Times-Beitrag ist das Szeneviertel Neustadt voller umfunktionierter Räume, die von kreativen Köpfen zweckentfremdet wurden. So auch das Alte Wettbüro.

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Die historische Villa auf der Antonstraße wurde 1835 gebaut. Seitdem war sie ein Wohnhaus, eine Radmanufaktur, ein Künstlerkasino und ein Verlagsgebäude. In den 1990er-Jahren wurde sie dann zum namensgebenden Wettbüro.

Das historische Gebäude liegt an der viel befahrenen Antonstraße, zwischen Albertplatz und Bahnhof Neustadt.

Als Gruß das Gebäude 2005 mit zwei Freunden anmietete, fanden sie noch Monitore für Pferdewetten an den Wänden und eine Billardplatte im Keller. Diese tauschten sie bald gegen Vinyl-Anlagen und Partylichter aus.

Die beste Werbung ist natürlich, wenn die Atmosphäre stimmt und das Essen schmeckt.

David Klewin

Veranstaltungen und Marketing

„Ziemlich exzessiv“ veranstalteten sie dort zehn Jahre lang Partys und Konzerte, erinnert sich Gruß. „Wir haben unsere Jugendzeit genutzt, um für die Stadt ein kulturelles Angebot zu schaffen.“

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Nach einiger Zeit kam ein einfaches Mittagsmenü hinzu, um auch das Tagesgeschäft zu nutzen. Das Alte Wettbüro wurde zum Live-Club mit Restaurant.

Bahler ist seit mehr als zehn Jahren mit von der Partie. „Er hat mit seinem Händchen nicht unwesentlich zu unserem Erfolg beigetragen“, sagt Gruß. Über die Jahre erweiterten sie ihr Geschäft. Circa 30 Mitarbeitende arbeiten inzwischen in Küche und Service.

Veranstaltungen und Essen: „Die Identität des Ladens“

Besonders seit der Corona-Pandemie lohnt sich das kulturelle Programm finanziell nicht mehr für den ehemaligen Club. So ganz wollen sich die Betreiber aber nicht von Live-Veranstaltungen trennen.

Küchenchef Peter Bahler ist seit mehr als zehn Jahren beim Alten Wettbüro. Zu seinen Speisekreationen können Gäste einen der 50 Weine aus der Getränkekarte auswählen.

„Es gibt immer noch Konzerte und sporadisch auch mal eine Party, weil das zur Identität des Ladens gehört“, sagt Klewin. Am 18. Januar spielt beispielsweise ein nigerianischer Künstler im Wettbüro. Im Sommer treten regelmäßig Newcomer aus Dresden und Umgebung auf.

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Auch für private Feiern werden die Räumlichkeiten des Alten Wettbüros gern gebucht. Neben Geburtstagen und Firmenfeiern werden dort jedes Jahr mehrere Hochzeiten zelebriert. „Wir sind an dem Punkt, dass wir schon oft Anfragen ablehnen müssen, damit wir den regulären Betrieb nicht zu oft schließen“, sagt Klewin.

Aus der Neustadt in die New York Times

Was als Nächstes im Alten Wettbüro ansteht, ist noch offen. Über die Ehrung in der New York Times freut sich das Team natürlich. Allerdings haben sie schon länger auch ein internationales Publikum, erzählt Gruß. Von Hotels wird das Restaurant oft empfohlen, und auch bei Dresdner Stammgästen ist es beliebt.

„Die beste Werbung ist natürlich, wenn die Atmosphäre stimmt und das Essen schmeckt“, sagt Klewin. „Das spricht sich dann auch rum.“

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Nach einem sehr vollen Dezember ist der Januar nun wieder etwas ruhiger, sagt Gruß. Im Frühling wird der Sommergarten wieder eröffnet, wo stolze 50 Weinsorten auf den Gast warten. Vielleicht wird es März, vielleicht April. „Bei den ersten Sonnenstrahlen geht es los“, sagt Klewin.

SZ