Özdemir nutzte jede Gelegenheit, seine schwäbische „Schaffermentalität“ zu unterstreichen. Wer schwitzt für Baden-Württemberg, soll bleiben dürfen, „wer die Ärmel hochkrempelt für Baden-Württemberg, ist für mich ein Baden-Württemberger“ (Thema Migrationspolitik), „das Hemd schwitzt nicht von allein“ (er sprach’s betont schwäbisch aus). Und für Kretschmann ist der Zeitpunkt gekommen, um zu sagen: „Jetzt schuften wir mal wieder richtig.“ Ein „zupackender Wind“ müsse durch die Bevölkerung gehen, dort sei diese Einsicht noch nicht so richtig angekommen – und ja, er nennt tatsächlich China als Vorbild: Dort werde nicht nur mehr gearbeitet, sondern auch intelligenter. Unklar blieb, ob er damit auf die mittlerweile berühmt-berüchtigte 996-Regel (von 9 bis 9 Uhr an 6 Tagen pro Woche) rekurrierte. Soweit gingen nicht mal die Ver treter der UBW.
Die beiden Wirtschaftsvertreter wollten erkennbar keine Hysterie verbreiten oder gar Parteien-Bashing betreiben. Dass sie der aktuellen Landesregierung mit ihren Forderungen ein eher schlechtes Zeugnis ausstellen, verwundert aber doch. Immerhin ist mit Nicole Hoffmeister-Kraut eine Christdemokratin Wirtschaftsministerin, die sogar noch aus einer Unternehmerdynastie kommt – Bizerba-Waagen in Balingen. Macht sie ihre Arbeit nicht gut? „Wir haben einen sehr guten Zugang, wirklich vorbildlich“, sagt Barta dazu. Doch offenbar fehle ihr der Rückhalt in der eigenen Fraktion. Solche Aussagen sind immer wieder mal aus den berühmten Kreisen zu hören, manche formulieren es andersherum: Der Ministerin mangle es an Durchsetzungskraft. Wie dem auch sei – dass ausgerechnet der geborene politische Partner der Wirtschaftsverbände, also die CDU, die Wirtschaft enttäuscht, ist bemerkenswert. Und die Südwest-Grünen sind doch auch nicht als wirtschaftsfeindlich bekannt. Darauf sind sie hierzulande stolz, nennen es ökolibertär oder pragmatisch. Auf dem Programmparteitag der BW-Grünen im Dezember 2025 erklärte Cem Özdemir: „Es geht um Wirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft.“
Vielleicht empfehlen die organisierten Unternehmer:innen also die Grünen zur Landtagswahl am 8. März? Selbstverständlich nicht. Eine Wahlempfehlung gebe es nicht, erklären Bartha und Bürkle. Der Verband, in dem nach eigenen Angaben 62 Arbeitgeberverbände zusammengeschlossen sind, wird in den kommenden Wochen Podien veranstalten „mit den vier demokratischen Parteien“, gemeint sind CDU, Grüne, SPD und FDP. Nicht die AfD. Zum einen, weil die vom Verfassungsschutz beobachtet werde, zum anderen, weil sie ausweislich ihres Programms extrem wirtschaftsfeindlich sei. „Mit einer Partei, die die EU, den Euro und die Nato ablehnt, können wir nicht zusammenarbeiten.“ Ist die AfD eine Gefahr für den Wirtschaftsstandort? Bürkle: „Eindeutig ja. Wir brauchen Zuwanderung.“ Schon jetzt sei es schwieriger geworden, passende Fachkräfte aus dem Ausland zu finden, führt er weiter aus und ergänzt noch, es sei zudem wenig hilfreich, Leute in Arbeit abschieben zu wollen. Auf Nachfrage räumt der Verbandspräsident ein, dass der Verband in der Vergangenheit seine Ablehnung der AfD nicht besonders deutlich gemacht habe, und verspricht: „Wir werden lauter.“