Pressestimme: Putins Reich ist heute schwächer als vor vier JahrenZum Krieg Russlands gegen die Ukraine heißt es heute in der Neuen Zürcher Zeitung:“Russland hat am Sonntag eine ominöse Schwelle überschritten. Der Angriffskrieg gegen die Ukraine dauert nun länger als der ‚Große Vaterländische Krieg‘, der vom Stalin-Regime heroisierte Kampf der Sowjetunion gegen Nazideutschland. Damals, im Mai 1945, stand die Rote Armee nach drei Jahren und zehneinhalb Monaten in Berlin. Heute hissen Putins Truppen nach derselben Zeitdauer ihre Flaggen in unbekannten ostukrainischen Dörfern wie Warwariwka oder Seredne, bestenfalls 100 Kilometer von der Frontlinie zu Beginn der Invasion entfernt.
Was sich der Kreml als triumphalen Blitzkrieg vorgestellt hatte und was er verharmlosend als ‚militärische Spezialoperation‘ bezeichnet, hat sich in einen Alptraum verwandelt – für die Ukrainer ohnehin, aber auch für die Angreifer. Was kann Putin nach all diesen Jahren wirklich an Erfolgen vorweisen? Gewiss, sein Land wird nun wieder gefürchtet – eine Tatsache, die beschämenderweise viele Russen mit Stolz erfüllt. Moskau demonstriert seine rohe Macht und zwingt den Rest Europas dazu, Unsummen in die Wiederaufrüstung zu stecken. Aber Prestige und globale Gestaltungskraft hat sich Russland mit seiner Aggressivität nicht verschafft. Das Gegenteil ist eingetreten: Putins Reich steht heute schwächer da als noch vor vier Jahren. (…)
Moskau behält zwar seine Fähigkeit, enorme Zerstörung in Europa anzurichten. Aber eine nüchterne Bilanz zeigt, dass Russland auf der Bühne der Weltpolitik mit jedem Kriegsjahr schwächer wird. Irgendwann wird man auch in Moskau erkennen, auf welch katastrophalem Irrweg man sich befindet. Westliche Hilfe für den Abwehrkampf der Ukraine ist das beste Mittel, um diese Einsicht zu beschleunigen – und so endlich einen Frieden zu erreichen.“