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Die aktuelle Inszenierung „Something „Rotten!“ im English Theatre Frankfurt wäre sofort spielbereitDie aktuelle Inszenierung „Something „Rotten!“ wäre sofort spielbereit © English Theatre FrankfurtCast und Crew für „Something Rotten!“ haben die Proben bereits im November abgeschlossen.Cast und Crew für „Something Rotten!“ haben die Proben bereits im November abgeschlossen. © English Theatre Frankfurt„Something Rotten!“ ist ein etwas anderes Shakespeare-Musical.Das Ensemble kann jederzeit spielen, wenn die Stätte es hergeben würde. © English Theatre Frankfurt

Das English Theatre Frankfurt kann nicht öffnen. Der Investor Capitaland, dem der Gallileo-Turm gehört, vertröstet weiter. Die Schauspieler warten im bezahlten Urlaub.

Der Vorhang fiel ganz plötzlich am 14. Januar 2024. Auf den Tag vor genau zwei Jahren musste das English Theatre Frankfurt (ETF) sein höchst erfolgreiches Musical „Something Rotten!“, das auf Wochen hinaus ausverkauft war, abrupt einstellen. Grund war der schon länger schwelende Streit mit dem Eigentümer, der Investmentgesellschaft Capitaland aus Singapur, um die Spielstätte im Keller des Frankfurter Gallileo-Turms und deren Renovierung.

Nach langem Hin und Her schien ein Happy End ausgemacht. Die Stadt unterschrieb einen Mietvertrag für die Kellerräume in zentraler Lage, das Theater ist nun Untermieter. Zweiter Hauptmieter ist die Europäische Zentralbank. Als das Team im September 2025 kurzfristig wieder in seine Räume durfte – für die Capitaland auch in der Zeit, als sie nicht zugänglich waren, also seit Februar 2024, die stattlichen Nebenkosten von 12 268,93 Euro pro Monat in Rechnung stellte –, hatte der Vermieter allerdings nichts renoviert, im Gegenteil. „Das Wasser war abgestellt, die Bauarbeiter haben die Toiletten aber weiterhin benutzt. Es tut mir leid, das so auszudrücken, aber wenn die Kloschüsseln vollgeschissen waren, sind sie in die nächste Kabine weitergezogen“, berichtet ETF-Intendant Daniel Nicolai.

Die Theaterräume waren mit einer dicken Schicht Baustaub überzogen, und zweimal wurde in die Räume eingebrochen, wie Nicolai berichtet – obwohl hier kurz darauf die Europäische Zentralbank einziehen sollte (was diese auch im November tat).

20 000 Euro für Reinigungsarbeiten

„Es wurde nicht mal für nötig befunden, uns sofort über die Einbrüche zu informieren“, sagt er. Die Höhe des Schadens sei unklar. Allein für die umfassenden Reinigungsarbeiten habe das Theater rund 20.000 Euro ausgeben müssen. „Wir haben die Räume vor zwei Jahren besenrein übergeben und das hier zurückbekommen“, sagt Nicolai. Am 30. Oktober wurde den Theaterleuten ohne Vorwarnung der Zutritt zum Gebäude verweigert, ohne Begründung. „Plötzlich funktionierten die Einlasskarten einfach nicht mehr“, sagt Nicolai. Erst vom 25.11. bis zum 6.12. durfte die Musical-Einrichtung unter erheblichen Zusatzauflagen wieder stattfinden. Klare Ansagen? Konkrete Termine? Fehlanzeige.

Was ist da eigentlich los auf der Baustelle? Man arbeite „unermüdlich“, teilte eine Sprecherin des Investors aus Fernost auf Anfrage am Dienstag mit. Capitaland setze alles daran, die Abschlussarbeiten und Tests so schnell wie möglich im ersten Quartal 2026 abzuschließen. Die Sanierung des Gallileo sei ein Großprojekt, dessen Arbeiten sich derzeit in der Endphase befänden.

Lange war vonseiten der Stadt und des ETF nur sehr unkonkret von „technischen Problemen“ auf der Baustelle die Rede, die einer Wiedereröffnung im Wege stünden. Offenbar wollte man Capitaland nicht zu sehr in den Senkel stellen. Nun wird Nicolai deutlicher: Die Verzögerung liegt nach seinen Angaben hauptsächlich an der Notbeleuchtung, an der Entrauchung und an der Entkeimung des Trinkwassers, wie dies auch bei der EZB erfolgen musste. Dort dauerte die Prozedur 48 Stunden, beim ETF scheint es immer noch zu hängen.

Die Wiedereröffnung des Theaters hat sich immer wieder verzögert, von September auf November, dann auf Mitte Dezember. Schließlich musste sogar die beliebte Silvesterfeier kurzfristig abgesagt werden, ebenfalls die Vorstellungen im Januar. Nun wird – bei aller immer noch gebotenen Diplomatie einem im doppelten Sinne distanzierten Investor in Fernost gegenüber – der Ton bei der Stadt Frankfurt um einiges schärfer. Capitaland habe der Stadt schriftlich in Aussicht gestellt, dass die Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Gallileo-Turm am 1. Februar möglich sein werde, teilte das Kulturdezernat auf Anfrage mit.

Top-Manager reist für Gespräch an

Im Dezember habe es ein persönliches Spitzengespräch mit dem „Group Chief Operating Officer“ Andrew Lim aus Singapur und Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) in Frankfurt über die Zukunft des ETF gegeben. Für Freitag dieser Woche ist ein erneuter Test der Brandmeldeanlage geplant.

„Sobald alle erforderlichen Genehmigungen der zuständigen Behörden vorliegen, können wir den voraussichtlichen Übergabetermin der Theaterräume an unseren Mieter, die Stadt Frankfurt, genauer festlegen. Wir freuen uns darauf, die Theaterräume so bald wie möglich an die Stadt Frankfurt zu übergeben“, schreibt Capitaland am Dienstag. Das erste Quartal kann allerdings bis Ende März reichen.

Seit November hängen In der ganzen Stadt Plakate, in den U-Bahnen liegen Handzettel aus für ein Stück, das man nicht anschauen kann. Intendant Nicolai musste 200.000 Euro für bereits verkaufte Tickets in den vergangenen Wochen zurückzahlen, und die Schauspielerinnen und Schauspieler sind im bezahlten Urlaub. Selbst die vielgeliebte Silvestershow wurde kurzfristig abgesagt. „Alle Rollen sind einstudiert, alle Handgriffe sitzen, alle Kostüme passen“, sagt ETF-Pressesprecherin Andrea Leonhard. Jetzt fehlt nur noch grünes Licht vom Investor. .