Passanten gehen in Hamburg durch einen Sprühnebel eines Wasserzerstäubers.

Stand: 14.01.2026 04:01 Uhr

2025 war weltweit das drittwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen – nur minimal kühler als die Rekordjahre 2023 und 2024. Das geht aus den Daten des europäischen Klimadienstes Copernicus hervor.


Kathrin Schmid

Europa ist der Kontinent, der sich am schnellsten aufheizt. Mit einer Durchschnittstemperatur von gut 10,4 Grad gilt das Jahr 2025 auch in Europa als das drittwärmste je gemessene – ganz nah dran am Rekordwärme-Jahr 2024. Das erklärten Forscher des EU-Klimadienstes Copernicus bei der Vorstellung der Bilanz für das vergangene Jahr.

Alarmierend sei die Lage auch rund um die Pole: Die Antarktis verzeichnete die wärmste Jahrestemperatur seit Beginn der Messungen. In der Arktis war es die zweithöchste Jahrestemperatur.

Damit sei der globale Trend unverkennbar, sagt Copernicus-Direktor Carlo Buontempo. „Die Tatsache, dass die vergangenen elf Jahre die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen waren, ist ein weiterer Beweis für den unverkennbaren Trend zu einem heißeren Klima.“

Die vergangenen drei Jahre, 2023 bis 2025, waren demzufolge aus unterschiedlichen Gründen außergewöhnlich warm: Vor allem ist es die zunehmende Anreicherung von Treibhausgasen in der Atmosphäre – durch die Nutzung von Kohle, Öl und Gas in der Industrie, beim Heizen, im Verkehr sowie durch die CO2-Emissionen in der Landwirtschaft.

„Daten zeichnen ein klares Bild“

Laurence Rouil verantwortet das Atmosphären-Monitoring bei Copernicus.Die Atmosphärendaten aus dem Jahr 2025 zeichnen ein klares Bild: Menschliche Aktivitäten sind nach wie vor der dominierende Treiber für die außergewöhnlichen Temperaturen, die wir beobachten. Die Treibhausgase in der Atmosphäre haben in den vergangenen zehn Jahren stetig zugenommen.“

Dazu kommen die steigenden Temperaturen auf der Meeresoberfläche der Ozeane, was hauptsächlich mit dem Klimaphänomen El Nino zu tun hat. Die Folgen für die Welt und Europa sind insgesamt eindeutig: mehr Hitzetage, mehr Waldbrände, heftige Stürme, schlechtere Luftqualität und steigende Gesundheitsrisiken.

So nehmen auch wetterbedingte Todesfälle zu: Laut Copernicus-Bericht war die Hälfte der weltweiten Landesfläche an überdurchschnittlich vielen Tagen unter starker Hitzebelastung – definiert als gefühlte Temperatur von 32°C oder mehr. Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt Hitze als Hauptursache für Todesfälle aufgrund von Wetterereignissen.

„Die Pariser 1,5-Grad-Schwelle wird überschritten“

Basierend auf den aktuellen Zahlen gehen die europäischen Klimaforscher davon aus, dass die im Pariser Klimaziel festgelegte Schwelle bereits vor 2030 gerissen wird. Ziel der Staatengemeinschaft ist es, die Erderwärmung dauerhaft auf 1.5 Grad zu begrenzen, im Vergleich zum vorindustriellen Niveau.

Copernicus-Direktor Buontempo: „Die Welt nähert sich rasch der im Pariser Abkommen festgelegten langfristigen Temperaturgrenze. Wir werden sie zwangsläufig überschreiten; die Frage ist, wie wir mit der unvermeidlichen Überschreitung und ihren Folgen für Gesellschaften und natürliche Systeme am besten umgehen können.“

Europa auf Kurs in der Klimapolitik?

Die EU sieht sich aktuell auf Kurs in der Klimapolitik: Im Vergleich zum Jahr 1990 steht aktuell ein Minus von 37 Prozent beim Ausstoß klimaschädlicher Gase zu Buche. Damit ist der Kontinent theoretisch noch auf dem Pfad zum Paris-konformen Ziel, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2030 um 55 Prozent zu senken.

Entscheidend ist nun die weitere Umsetzung: Zuletzt wurden jedoch bereits beschlossene oder fest geplante EU-Klimagesetze abgeschwächt oder verschoben; meist auf Druck der konservativen EVP-Fraktion im EU-Parlament, gelegentlich unterstützt durch rechte und Rechtsaußen-Parteien. So geschehen zuletzt mit dem Renaturierungsgesetz, der Entwaldungsverordnung oder etwa dem Lieferkettengesetz. Und auch über die weitere Umsetzung des CO2-Emmissionshandels – quasi das Herzstück der europäischen Klimapolitik – sind Diskussionen neu entbrannt.