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Der Ortsbeirat wollte einen Pfad zu den Schätzen des Neuen Frankfurt. Der Magistrat hält die Idee für charmant, sagt aber trotzdem Nein.
Frankfurt – Sie ist eines der kleinsten und feinsten Ensembles des Neuen Frankfurt: die Siedlung Höhenblick. Nicht von ungefähr stand hier auch die Villa von Stadtbaurat Ernst May, unter dessen Ägide das anspruchsvolle Programm mit über 12000 Häusern und Wohnungen in nur fünf Jahren (1925 bis 1930) entstand. Nicht weit entfernt ist auch die von Martin Elsaesser, Leiter des Hochbauamtes. Und im Beritt des Ortsbeirates 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) gibt es noch mehr Spuren aus dieser Zeit. So stammt die Siedung hinter dem Lindenbaum von keinem Geringeren als dem Bauhaus-Gründer Walter Gropius. Hinzu kommen Häuserblocks und Wohnheime an der Platen- und der Raimundstraße. Kurz: In den drei Stadtteilen wurde Baugeschichte geschrieben.
Die Siedlung Höhenblick wurde am Ginnheimer Hang erbaut, sie besteht aus etwa 100 dreigeschossigen Einfamilienhäusern mit Flachdach und betonten Kopfbauten. © Peter Müller
Für den Ortsbeirat ist das ein Grund, um dort einen Geschichtspfad anzulegen, der die Orte durch Informationstafeln im öffentlichen Raum miteinander verbindet. Ergänzt mit einer digitalen Plattform, auf der weiterführende Informationen, historische Fotos und Routen für Rundgänge angeboten werden. Entwickelt werden sollte dieses Gesamtpaket in Zusammenarbeit mit der Ernst-May-Gesellschaft, die in der nicht fernen Römerstadt ein öffentliches Musterhaus unterhält, sowie den jeweiligen Immobilieneigentümern.
Jubiläum des Frankfurter Ensembles wird bis 2030 gefeiert
Erst im vergangenen Jahr wurde der Auftakt zum Jubiläum 100 Jahre Neues Frankfurt gefeiert und soll noch bis 2030 fortgesetzt werden. „Schließlich hat das ganze Bauprogramm ja auch fünf Jahre gedauert“, so einer der Organisatoren. Das sei eine ideale Gelegenheit, die architektonischen Schätze durch einen Pfad zusammenzufassen, dachte sich die Grünen-Fraktion und formulierte den passenden Antrag. Im Stadtteilparlament fand er eine breite Mehrheit.
„Durchaus charmant“ findet auch der Magistrat den Vorschlag des Ortsbeirates, den Siedlungen und Bauten des Neuen Frankfurts durch analoge wie digitale Angebote mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Allein: Die Einführung „eines solitären erinnerungskulturellen Formates als einzelner Geschichtspfad innerhalb der Grenzen des Ortsbezirks 9 wird jedoch der Anlagen der Bauten im Rahmen des Neuen Frankfurt nicht gerecht“, heißt es aus dem Römer. Kurz: Der Antrag wurde abgelehnt. Auch nach Rücksprache und Einschätzung des Instituts für Stadtgeschichte.
Hinzu komme, dass der Magistrat und als Genehmigungsbehörde das Denkmalamt, eigentlich gar nicht für die Entwicklung und Umsetzung eines solchen Geschichtspfades zuständig seien. Dem Amt liege lediglich eine Liste der denkmalgeschützten Liegenschaften des Neuen Frankfurts im Ortsbezirk vor.
Steht seit 2017 unter Denkmalschutz: die Wohnsiedlung Am Lindenbaum in Eschersheim. © Rainer Rueffer– Frankfurt Am Main_/Rainer Rüffer
Das seien am Dornbusch das ehemalige Ledigenheim in der Platenstraße 31 - 69, die Gebäude in der Raimundstraße 114 - 120 sowie der sogenannte Mavest-Block, Fallerslebenstraße 21 - 25. In Eschersheim steht seit 2017 die Siedlung Am Lindenbaum unter Denkmalschutz. Sie erstreckt sich von der Straße Hinter den Ulmen 19 - 26, der Nußzeil 87 - 98 bis zum Lindenbaum 15 - 43. Benannt ist sie übrigens nach dem mehr als 300 Jahre alten Lindenbaum an der Eschersheimer Landstraße, dem Wahrzeichen des Stadtteils. Und: Die 1929 und 1930 erbaute Siedlung war eines der letzten Projekte im Rahmen der von Ernst May geplanten Stadterweiterung.
Trotz der Absage eines Geschichtspfades – das Institut für Stadtgeschichte freue sich über das wachsende kommunale Interesse „an der sozialpolitischen und architektonischen Bedeutung“ des Neuen Frankfurt, betont der Magistrat in seiner Antwort. Daher begrüße es auch „mit Nachdruck“ eine verstärkte Auseinandersetzung mit den Bauten, die für ganz unterschiedliche Zielgruppen möglich sein sollte. Aber eben nicht nur in einem Ortsbezirk. Aus Sicht des Instituts komme es dabei darauf an, das städtebauliche Gesamtkonzept in den Blick zu nehmen, ohne einzelne Bauten oder Siedlungen zu stark herauszustellen.
In den 1920er Jahren hat das innovative Stadtplanungsprogramm das „Neue Frankfurt“ in der Mainmetropole neue Maßstäbe gesetzt.