Zum Saisonauftakt vor rund fünf Monaten war es eine überraschend klare Sache zwischen Darmstadt und Bochum. Vor dem Wiedersehen ist der VfL nun kaum wiederzuerkennen. Deshalb könnte der Rückrundenstart für die Lilien gleich zu einer Standortbestimmung werden.
Stolpergefahr: Darmstadts Fraser Hornby wird von Bochums Mats Pannewig unsanft gestoppt.
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00:52 Min.|Mathias Merget
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Die Geschichte dieser Saison begann für die Lilien mit einem Ausrufezeichen. 4:1 hieß es im ersten Spiel gegen einen defensiv auffällig unsortierten Absteiger aus Bochum. Menschen, die Statistiken lieben, oder den VfL Bochum schon etwas länger verfolgen, werden die deutliche Niederlage des Bundesliga-Absteigers allerdings vergleichsweise ungerührt zur Kenntnis genommen haben. 2016 konnte der VfL zuletzt ein Auftaktspiel gewinnen, danach gab es nur noch ein Unentschieden und im August eben die achte Niederlage zum Saisonstart.
Dennoch ist nicht davon auszugehen, dass sich die damals noch von Dieter Hecking trainierten Bochumer so stark der Tradition verpflichtet fühlten, dass sie den Auftakt abgeschenkt hätten. Allen voran Isac Lidberg, der drei der vier Lilien-Tore zur Party mitbrachte und damit bereits anteaserte, was im weiteren Verlauf der Hinrunde noch von ihm zu erwarten war, bereiteten dem Absteiger einen unfreundlichen Empfang im Fußball-Unterhaus.
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04:30 Min.|02.08.25|hr
Highlights: SV Darmstadt 98 – VfL Bochum
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Bochum Zweiter in der Rösler-Tabelle
Trist ging’s für die Ruhrgebietler zunächst weiter: Bochum verlor sieben der ersten acht Saisonspiele. Inzwischen heißt der Trainer unter anderem deshalb Uwe Rösler statt Dieter Hecking. Dem Neuen gelang es nach kurzer Anlaufzeit, das Momentum praktisch umzukehren: In der Rösler-Tabelle der Spieltage 9 bis 17 ist der VfL Zweiter, nur Herbstmeister Schalke schnitt noch einen Hauch besser ab.
Die positive Lesart wäre nun, dass der Lilien-Sieg dadurch nachträglich noch einmal aufgewertet wurde. Wer es etwas defensiver bevorzugt, dürfte mit der Prognose recht behalten, dass beim Rückspiel in Bochum am Sonntag (13.30 Uhr) wohl eine deutlich kompliziertere Aufgabe auf den SVD wartet. Der VfL ist nicht mehr dasselbe Team wie vor fünf Monaten. Nicht zuletzt dank Talenten wie Francis Onyeka, Cajetan Lenz, Farid Alfa-Ruprecht oder Kjell Wätjen – allesamt noch Teenager, aber in den vergangenen Wochen unverzichtbar.
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01:54 Min.|11.01.26|hr
Lilien ziehen gemischte Trainingslager-Bilanz
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Trainingslager mit Sonne und ein wenig Schatten
Bei den Lilien lief dagegen zumindest in den vergangenen Tagen nicht alles wie gewünscht. Normalerweise lassen sich Berichte über Trainingslager beinahe wiedergeben, ohne mit den Beteiligten gesprochen zu haben. Da wird „gut mitgezogen“, haben die Profis über die kurze Winterpause „vorbildlich gearbeitet“, werden neue Spieler „von den Jungs super aufgenommen“, gab es „top Bedingungen“.
Über Letztere konnte auch Florian Kohfeldt beim Vorbereitungscamp im spanischen El Saler diesmal nicht nörgeln. Die Lilien waren ja aus Gründen nicht zum ersten Mal zu Gast und sogar das Wetter spielte am Ende mit. Für harmonische Statements stand der Coach diesmal trotzdem nur eingeschränkt als Zitatgeber zur Verfügung. Die Bedingungen immerhin: „überragend“. Personell plagen ihn aber einige Sorgen, bis zu neun Spieler fehlten im Training. Das veranlasste Kohfeldt gar zu der ersten Zwischenbilanz: „Das Jahr hat nicht gut begonnen.“
Zurück in Deutschland verpasste der Trainer dann sogar selbst krankheitsbedingt die Einheit am Dienstag. Killian Corredor, Matthias Bader und Bartosz Bialek fehlten ebenfalls, Fabian Nürnberger und Paul Will konnten nur individuell trainieren. Sie alle werden am Wochenende voraussichtlich nicht zum Einsatz kommen. Fraser Hornby, der sich eine Erkältung eingefangen hatte, konnte dagegen wieder mittun.
Grundsätzlich sind die Aussichten dennoch unverändert gut. Die Lilien gehen mit Startposition drei ins Aufstiegsrennen. Auch wenn man bislang noch vergeblich Stimmen sucht, die sich dazu bekennen, macht die Tabelle zur Saison-Halbzeit den SVD zwangsläufig zu einem Wettbewerber um die Plätze, die zu einer Versetzung in die Bundesliga berechtigen.
2025 als Mahnung
Dass allem Anfang aber auch ein gewisses Risiko innewohnt, damit haben sich auch bei den Südhessen durchaus ihre Erfahrungen gemacht. In der vergangenen Saison ließen sich die Lilien in den Wochen nach der Winterpause eine ordentliche Delle in die Formkurve hauen, die schließlich dafür sorgte, dass Darmstadt nicht mehr ins Aufstiegsrennen eingreifen konnte. Platz zwölf am Ende der vergangenen Saison ist eine stetige Mahnung für die laufende Serie.
Es braucht also nicht mal in erster Linie ein Signal an die Konkurrenz wie beim 4:1 im Hinspiel. Vor allem wollen die Lilien sich selbst vergewissern, dass die Pause nach zuletzt sieben Ligaspielen ohne Niederlage nicht das Momentum zerstört hat. Am Ende der Saison werden schließlich nicht die Ausrufezeichen gezählt, sondern die Punkte.
Redaktion:
Aaron Knopp
Sendung:
hessenschau.de, Darmstadt 98 vor schwerer Aufgabe in Bochum,
13.01.26, 14:31 Uhr
Quelle: hessenschau.de