Iraner nehmen an einer Demonstration in Teheran teil.

Stand: 14.01.2026 07:34 Uhr

Offizielle Angaben zu Opfern bei den Protesten im Iran gibt es nicht. Aktivisten in den USA gehen inzwischen von mehr als 2.500 Toten aus. Laut Amnesty International droht heute die erste Hinrichtung eines Protestierenden.

Nach Berechnungen einer in den USA ansässigen Nichtregierungsorganisation sind bei den Massenprotesten im Iran bislang mindestens 2.571 Menschen getötet worden. Bei 2.403 der Toten habe es sich um regierungskritische Demonstranten gehandelt, 147 hätten mit der „Führung in Teheran in Verbindung“ gestanden, schreibt die Gruppe Human Rights Activists News Agency (HRANA). Mehr als 18.100 Menschen seien bisher verhaftet worden.

Unabhängig lassen sich diese Zahlen derzeit nicht überprüfen. Bei früheren Protesten hatte die Organisation, die von Aktivisten aus dem Iran gegründet wurde, aber letztlich akkurate Zahlen geliefert. Auch andere Nichtregierungsorganisationen sprechen von Hunderten oder sogar Tausenden Toten bei den Protesten.

Die iranische Regierung macht keine offiziellen Angaben zu Toten, Verletzten oder Verhafteten im Zuge der Massenproteste im Land. Zudem verhindert der Staat den freien Internetzugang. Dies erschwert unabhängigen Medien die Recherche und Berichterstattung.

Erste Hinrichtung befürchtet – Trump droht

Heute droht nach Angaben einer kurdischen Menschenrechtsorganisation und von Amnesty International die erste Hinrichtung eines Teilnehmers der jüngsten Protestwelle. US-Präsident Trump hat das Regime in Teheran davor gewarnt. Falls es zu Hinrichtungen kommt, würden die USA „sehr hart reagieren“, sagte er dem Sender CBS. Näher führte Trump seine Drohung nicht aus.

Seit Beginn der Proteste gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik vor gut zwei Wochen hatte Trump dem Iran schon mehrfach mit einem Eingreifen der USA gedroht, falls Demonstranten getötet würden. Letzteren sagte er nun erneut Unterstützung zu. Hilfe sei unterwegs. Was er damit meinte, war aber unklar. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb Trump: „Iranische Patrioten, protestiert weiter! Übernehmt eure Institutionen!“

Erste Anklagen gegen Demonstrierende

Irans Justiz leitete unterdessen erste Anklagen gegen festgenommene Demonstranten in die Wege. Im Raum steht dabei auch der Vorwurf der „Kriegsführung gegen Gott“ – ein Tatbestand, der nach islamischem Recht im Iran mit der Todesstrafe geahndet werden kann. Auch bei früheren Protestwellen hatte die Justiz des Landes Todesurteile verhängt und vollstreckt.

Sicherheitskräfte gehen gegen Satelliten-Internet vor

Das Internet im Land bleibt derweil gesperrt. Die Menschen im Iran sind daher stark auf den Satelliten-Dienst Starlink von Elon Musk angewiesen, um Videos von den Protesten mit der Welt zu teilen. Musks Firma SpaceX machte laut dem Finanzdienst Bloomberg den Dienst für das Land kostenlos. Irans Behörden gelang es aber laut Medienberichten, den Empfang teils zu stören.

Am Wochenende hätten die Behörden zudem im Westen Teherans mit der Suche nach und der Beschlagnahme von Starlink-Antennen begonnen, zitierte das Wall Street Journal die Miaan Group, eine US-Organisation, die sich gegen Internetzensur einsetzt. Antennen und Empfangsgeräte für Starlink sind im Iran verboten. Dennoch sollen Schätzungen nach etwa 20.000 der Terminals ins Land geschmuggelt worden sein. Auch normale Satellitenschüsseln sind offiziell verboten. In mehreren Teilen Teherans begannen die Sicherheitskräfte, auch diese zu beschlagnahmen.

Mit Informationen von Uwe Lueb, ARD Istanbul