Keine Frage, Frankfurt braucht dringend einen Platz für den Neubau der Europäischen Schule. Doch der Ringtausch, bei dem dafür das Gelände an der Eissporthalle genommen und der Festplatz auf das Rebstockgelände verlagert würde, wäre für die Messe Frankfurt fatal. Wer die Karawanen von Transportern und Sattelschleppern beobachtet, die oft schon viele Tage vor den Messen anliefern, was nötig ist, um die Produkte der Aussteller in Szene zu setzen, versteht, dass die Messe das Rebstockgelände braucht. Stände, die zum Teil mehrere Ebenen haben, ausgestattet sind mit Küchen und Bistros, benötigen viel Material, noch bevor die eigentlichen Ausstellungsstücke angeliefert werden. All das geht nur, wenn man eine Fläche hat, auf der die Lastwagen stehen können, bis ihr Platz zum Entladen auf dem Messegelände selbst frei ist.
Das sollte einleuchten. Und nach Darstellung der Messeleitung lässt sich belegen, dass das Geschäft der Messe ohne die Logistikflächen gefährdet wäre. Ein Verlust, heißt es, würde nicht nur die Gesellschaft mit ihren rund 2700 Mitarbeitern, die zu 60 Prozent der Stadt und zu 40 Prozent dem Land Hessen gehört, in Bedrängnis bringen, sondern auch die positiven Effekte für die Wirtschaft in Frankfurt und der Region schmälern. Denn eine kurz vor Weihnachten veröffentlichte Studie beziffert diese allein für Frankfurt mit jährlich 2,1 Milliarden Euro. Bundesweit werden laut dieser Studie durch die Frankfurter Messen rund 30.000 Arbeitsplätze gesichert. Das ist nichts, was man in diesen Zeiten aufs Spiel setzen sollte.
Im Gegenteil! Es wäre wünschenswert, dass die Messe als Wirtschaftstreiber für die Stadt stärker unterstützt wird. Dazu gehört auch zu bedenken, was es bedeutet, dass die Besucher der Messen oft über den Hauptbahnhof anreisen und sich dort angesichts der Zustände offenbar zunehmend unsicher fühlen. Dort die Zustände zu verbessern, wäre auch für die Messe gut. Durch die Verzögerung beim Bau der U-Bahn unter der Europa-Allee mit eigener Haltestelle am bald fertigen neuen Messeeingang bleibt das Problem noch länger bestehen.
Die Abkehr von den Rebstockplänen würde der Messe Planungssicherheit geben. Und damit könnte vielleicht über weitere Veranstaltungen nachgedacht werden. Denn im Messekalender gibt es zwar keine großen Lücken, aber doch ein paar kleine. Dazu tragen auch die durch den Kostendruck bei den Ausstellern und Besuchern bedingten Verkürzungen wie bei der Eurobike oder Zusammenlegungen wie die von Ambiente mit der Christmasworld bei. Auch das sind Belege dafür, dass die Messe in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld zu kämpfen hat. Umso mehr müsste die Stadt alles daran setzen, Wachstum zu ermöglichen und nicht zu verhindern.