Uli Kievernagel ist oft auf dem Südfriedhof unterwegs. Der Raderberger Stadtführer kennt die Anlage gut – aus beruflichen Gründen, aber auch aus sehr persönlichen. 2023 übernahm der 56-Jährige die Patenschaft für ein denkmalgeschütztes Grab. Das Besondere: Auf dem historischen Grabstein steht sein eigener Nachname – Kievernagel.
Gefunden hat er die Grabstätte eher zufällig. Bei seinen Führungen wurde er immer wieder auf das Thema Grabpatenschaften angesprochen. „Deswegen habe ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt, um Rede und Antwort stehen zu können“, erzählt er. Kievernagel recherchierte bei der Stadt. Ein Gärtnermeister führte ihn mehrere Stunden über den Südfriedhof und zeigte historische Gräber mit Paten und solche, für die noch Paten gesucht werden. Ganz zum Schluss blieb er vor einem Familiengrab stehen. „Das letzte Grab, das er mir zeigte, war das einer Familie Kievernagel – keine Verwandten von uns. Ich habe gedacht: Das kann doch jetzt nicht wahr sein“, erinnert sich Kievernagel.
Wink des Schicksals
Für ihn fühlte sich der Moment an wie ein Wink des Schicksals. Zu Hause erzählte er seiner Frau davon. Gemeinsam beschlossen sie spontan, die Patenschaft zu übernehmen. Ganz unüberlegt war die Entscheidung allerdings nicht. Grabpaten verpflichten sich, die Grabstätte instand zu setzen und dauerhaft zu pflegen – Kosten von mehreren Tausend Euro sind keine Seltenheit. In diesem Fall hatte die Stadt das Grab einige Jahre zuvor bereits umgesetzt und restauriert. „Für uns war das ein doppelter Glücksfall“, sagt Kievernagel.

Die Grabpaten erhalten eine schön gestaltete Urkunde von der Stadt.
Copyright: Uli Kievernagel
Bis die Patenschaft offiziell wurde, verging dennoch fast ein Jahr, weil es zunächst einen weiteren Interessenten gab. Als dieser absprang, kam schließlich Post von der Stadt – samt edel gestalteter Urkunde. „Meine Frau und ich sind am selben Abend mit Sekt zum Friedhof und haben dort angestoßen.“ Auch seine Geschwister führte er dorthin, ohne sie vorab einzuweihen. „Als ich ihnen sagte, dass das jetzt unser Grab ist, fielen sie aus allen Wolken.“ Bruder und Schwester waren so angetan, dass sie beschlossen, später ebenfalls dort beigesetzt zu werden. „Mein Bruder hat sich gleich eine Ecke ausgesucht“, lacht Kievernagel.
Denkmalgeschützte Gräber erhalten
Grabpatenschaften gibt es in Köln seit 1981. Sie betreffen historische, denkmalgeschützte Gräber, deren Nutzungsrechte abgelaufen sind. Um die Pflege und den Erhalt dieser Grabstätten zu sichern und die eigenen Kosten zu reduzieren, sucht die Stadt Paten. Die Patenschaft selbst ist kostenlos, verpflichtet aber zur Pflege und Restaurierung. Im Gegenzug erhalten die Paten im Todesfall das Nutzungsrecht, es fallen dann nur die üblichen Beisetzungsgebühren an. Veränderungen an Grab oder Grabstein sind nicht erlaubt, die Namen der ursprünglichen Grabnutzer müssen erhalten bleiben. Den eigenen Namen kann der Pate auf einer zusätzlichen Grabplatte anbringen. So will es Kievernagel auch machen. „Wir müssen ja praktischerweise nur unsere Vornamen eingravieren lassen“, freut er sich.
Er empfindet es nicht als bedrückend, regelmäßig an seinem künftigen Grab zu stehen. „Ich finde das eher tröstlich. Es ist ein bisschen ein Gefühl von nach Hause kommen“, meint er. Sein eigener Name soll später dezent ergänzt werden – und, das ist dem eingefleischten Karnevalisten wichtig, mit einer Narrenkappe samt Federn.
Auf den 55 städtischen Kölner Friedhöfen gibt es aktuell rund 2650 denkmalgeschützte Grabstätten, für die Patenschaften möglich sind, davon 284 auf dem Südfriedhof. Stadtweit haben bislang etwa 360 historische Gräber Paten gefunden, 28 davon auf der Zollstocker Anlage. Wer sich für eine Patenschaft interessiert, kann sich bei der Stadt melden unter Telefon 0221-221-25124.
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