Axel Kromer weiß, wie es sich anfühlt, Handball-Europameister zu werden. 2016 gewann er als Co-Trainer von Dagur Sigurdsson das Turnier mit der deutschen Nationalmannschaft. Mittlerweile ist der langjährige DHB-Sportvorstand einer von zwei Geschäftsführern beim Zweitligisten HBW Balingen-Weilstetten.

Die am Donnerstag beginnende Handball-EM der Männer in Dänemark, Schweden und Norwegen wird Kromer aber natürlich intensiv verfolgen. „Ich bin Handballfan und Fan der Nationalmannschaft – das werde ich auch immer bleiben“, sagt der 49-Jährige. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer dieses Turnier zu gewinnen ist.

Denn vermeintlich kleine Gegner gibt nicht, theoretisch kann jeder jeden schlagen. Dazu kommt ein hammerharter Modus. Die beiden Ersten der sechs Vorrundengruppen treffen sich in zwei Hauptrundengruppen – nur die beiden Erstplatzierten spielen dann direkt das Halbfinale aus.

Auf dem Weg ins Halbfinale drohen Duelle mit Dänemark und Frankreich

Und in diese Finalspiele, wenn es um Medaillen geht, will die deutsche Mannschaft kommen. „Unser Ziel ist hochgesteckt, das heißt Halbfinale“, sagt der Bundestrainer Alfred Gislason. Der Weg dorthin ist extrem schwer. Denn sollte sich die DHB-Sieben für die Hauptrunde qualifizieren, drohen Duelle mit den Topteams Dänemark, Frankreich, Portugal und Norwegen.

Traut der Nationalmannschaft einiges zu: HBW-Geschäftsführer Axel Kromer. Foto: Sven Hoppe/dpa

„Wir haben eine schwere Gruppe und, wenn es dazu kommt, eine starke Hauptrundengruppe. Wobei ich glaube, dass die andere Hauptgruppe dann auch kein Selbstläufer wäre“, sagt Kromer dazu. Und auch: „Kein Spitzenteam freut sich, gegen Deutschland spielen zu müssen.“

Warum für Axel Kromer der Bundestrainer gegen Spanien der Trumpf ist

Um jedoch eine Chance auf das Halbfinale und den Kampf um die Medaillen zu haben, dürfen sich die Deutschen in der Vorrunde keinen Ausrutscher erlauben. Vor allem dem dritten Spiel gegen den nominell stärksten Gruppengegner Spanien am Montag kommt dabei eine große Bedeutung zu.

„Ich kenne niemanden, der Spanien taktisch so gezielt bespielen lassen kann wie Alfred. Da sehe ich – bei aller Hochachtung auch vor Spaniens Können – Alfred als unseren Trumpf an“, glaubt Kromer. Ohnehin traut der HBW-Sportchef der Nationalmannschaft zu, „ganz, ganz weit zu kommen. Sie haben – wie leider mehr als zwei weitere Mannschaften – die Chance auf eine Medaille.“

Ist Dänemark überhaupt zu schlagen?

Die Goldmedaille scheint dabei sogar schon vor dem Turnier vergeben: Es gibt in der Szene wohl kaum jemanden, der gegen Dänemark tippen würde. Der amtierende Weltmeister (zuletzt viermal in Folge) und Olympiasieger ist der absolute Topfavorit auf den Titel, der Heimvorteil in Herning tut sein übriges. „Dänemark ist das Nonplusultra in der jetzigen Generation. Sie haben Stabilität und Selbstvertrauen und sind eine Mannschaft, die nicht nur sieben, sondern 16 Weltklassespieler im Kader hat“, tippt auch Kromer auf die Dänen.

Das sieht der Bundestrainer genauso: „Die Dänen sind allen anderen Mannschaften voraus.“ Allerdings: 2012 gewannen die Dänen zuletzt den Europameistertitel, vor zwei Jahren mussten sie sich im Finale dem ewigen Rivalen aus Frankreich geschlagen geben. „Eine Europameisterschaft der Männer ist das schwierigste Handballturnier, das es auf der Welt gibt“, sagt Kromer. Ausrutscher darf man sich nicht erlauben.

Am Donnerstag geht’s mit dem Duell gegen Österreich los

Das weiß auch die deutsche Nationalmannschaft, die am Donnerstag (20.30 Uhr/ARD/Dyn) mit dem Duell gegen den Nachbarn aus Österreich ins Turnier startet. Torwart Andreas Wolff setzte im Vorfeld die erste verbale Duftmarke und warf der Mannschaft von Trainer Iker Romero unattraktiven „Anti-Handball“ vor. Von nun an geht’s auf dem Feld rund – beim für die DHB-Auswahl härtesten Turnier der vergangenen Jahre.