- Die Händel-Festspiele 2026 wollen mit erweitertem Programm neue Zielgruppen anlocken.
- Intendant Florian Amort fokussiert die Auseinandersetzung mit alten und neuen Männlichkeitsbildern.
- Mit dem Händel-Preis wird der Dirigent und Counter-Tenor René Jacobs ausgezeichnet.
Die Händel-Festspiele 2026 nehmen Männlichkeitsbilder in den Blick. Das gab der neue Intendant Florian Amort bekannt. Der Nachfolger von Bernd Feuchtner ist in diesem Jahr erstmals für das Programm der Händel-Festspiele verantwortlich. Bewusst entschied er sich für einen Neustart von Sachsen-Anhalts größtem Musikfestival. Der 34-Jährige hatte schon im April angekündigt, das Händel-Haus für ein breiteres Publikum zu öffnen und die Händel-Festspiele als gemeinschaftstiftendes Kulturerlebnis zu stärken.
Partys, Händel-Slam und Drag-Workshop in Halle geplant
Während des Festivals vom 5. bis 14. Juni 2026 wird es drei neue Sparten geben: „Händel NOW“, „Händel NEXT“ und „Händel LAB“. Mit Partys in der Stadt, Filmvorstellungen und Workshops sowie einem Fest für Familien im Händel-Haus will man neue Zielgruppen anlocken. Unter dem Motto „In Händel Veritas – Musik und Wein für (H)alle“ verwandelt sich der Marktplatz für mehrere Tage in ein Festivalgelände: Chöre, Bands und Ensembles aus Halle und der Region stellen sich vor, genauso wie lokale Winzer.
Außerdem wird es beispielsweise einen „Händel-Slam“ geben, eine Fashion-Party im Stadtmuseum und den Workshop „Drag für Jugendliche“, wo das Spiel mit Kostüm, Make-Up und Geschlechterrollen auf dem Programm steht.
Im Fokus: Männlichkeitsbilder damals und heute
In den Werken von Georg Friedrich Händel tauchen unterschiedliche „Mannsbilder“ auf: Es gibt tapfere Ritter, verletzte Liebende, machthungrige Herrscher, fragile Helden – Männer, die an ihren Rollenbildern scheitern. Das zeigt: Männlichkeit war im Barock kein starres Konzept.
Und auch heute ist Männlichkeit ein großes Thema, sagte Florian Amort zu MDR KULTUR. Man müsse nur in die Nachrichten oder in die Sozialen Medien schauen. Es gebe revisionistische Trends gegen die Gleichberechtigung wie das Phänomen der Tradwives, Angriffe auf queere Communitys, und immer wieder sei die Rede von einer Krise des Mannes.
Wenn man in die Nachrichten guckt oder auf Social Media: Männlichkeit ist ein großes Thema.
Florian Amort, Intendant Händel-Festspiele
Programmhöhepunkte von „Rinaldo“ bis Marionettentheater
Die Händel-Festspiele haben 86 Veranstaltungen an 27 Spielorten im Programm: Das sind 20 Veranstaltungen mehr als im letzten Jahr bei gleichbleibendem Etat. Den Auftakt bildet Händels Oper „Rinaldo“ in einer Inszenierung von Walter Sutcliffe, Intendant der Oper Halle. „Rinaldo erweist sich – anders als viele andere Männerfiguren bei Händel – als erstaunlich pflichtbewusster Held“, ist im Festspielprogramm vermerkt.