DruckenTeilen
Doppelbelastung für Bonn: A565 wochenlang gesperrt, Nordbrücke für Schwerlastverkehr dicht. Es wird sogar ein jahrelanges Verkehrschaos befürchtet.
Bonn – Auf Autofahrer in und um Bonn kommen schwere Zeiten zu. Gleich mehrere wochenlange Vollsperrungen auf der A565 stehen ab Mitte Januar bevor und werden Pendler vor erhebliche Herausforderungen stellen. Doch damit nicht genug: Parallel dazu soll ab Anfang Februar 2026 auch noch ein Fahrverbot für alle Fahrzeuge über 7,5 Tonnen auf der Nordbrücke (ebenfalls A565) in Kraft treten. Diese Doppelbelastung könnte für ein Verkehrschaos in der Bundesstadt sorgen, das auch Auswirkungen auf die Region haben könnte.
A565 bei Bonn im Januar und Februar mehrfach gesperrt – in beide Richtungen
Die A565 ist mit die wichtigste Pendler-Strecke bei Bonn. (Archivbild) © Jochen Tack/Imago
Die A565 wird zwischen den Anschlussstellen Bonn-Poppelsdorf und Bonn-Endenich gleich zweimal für mehrere Wochen voll gesperrt. Die erste Sperrung ist vom 16. bis 31. Januar 2026 geplant, die zweite folgt vom 30. Januar bis 11. Februar 2026. Betroffen sind beide Fahrtrichtungen – sowohl in Richtung Bonn als auch in Richtung Köln. Grund für die Arbeiten sind dringend notwendige Sanierungsmaßnahmen an der hochbelasteten Autobahnstrecke.
Während der Sperrungen wird der Verkehr weiträumig umgeleitet. Die Umleitung erfolgt über die A555 und die A59, was zu erheblichen Mehrbelastungen auf diesen Strecken führen wird. Autofahrer müssen mit deutlich längeren Fahrzeiten rechnen. Die Autobahn GmbH empfiehlt, die gesperrten Bereiche großräumig zu umfahren und auf alternative Verkehrsmittel umzusteigen, wo immer dies möglich ist.
Bonn: A565-Nordbrücke ab Anfang Februar für schwere Fahrzeuge gesperrt
Parallel zu den A565-Sperrungen kommt eine weitere massive Einschränkung hinzu: Die Bonner Friedrich-Ebert-Brücke, auch Nordbrücke genannt, wird voraussichtlich ab Anfang Februar 2026 für alle Fahrzeuge über 7,5 Tonnen gesperrt. Ursprünglich war die Sperrung bereits für Mitte Januar geplant, doch weil sich die Vorbereitungen verzögern, verschiebt sich der Termin. Ein genaues Datum steht laut Autobahn GmbH bisher nicht fest, wie Radio Bonn berichtet. Über 100.000 Fahrzeuge nutzen täglich diese wichtige Rheinquerung. Die Sperrung ist notwendig geworden, weil aktuelle statische Nachrechnungen ergeben haben, dass die 1967 erbaute Brücke den heutigen Verkehrsbelastungen nur noch eingeschränkt gerecht wird.
Die bisherige Sperrung für Schwerlastverkehr ab 44 Tonnen reicht nach Angaben der Autobahn GmbH nicht mehr aus, um die Standsicherheit des Bauwerks zu gewährleisten. Die Schäden der rund 600 Meter langen Brücke im Bonner Stadtteil Auerberg sind so enorm, dass Lkw und Busse die Brücke nicht mehr nutzen dürfen. Eine akute Einsturzgefahr besteht laut Autobahn GmbH jedoch nicht. Das verschärfte Fahrverbot soll nun bis zur Realisierung des geplanten Ersatzneubaus gelten. Betroffen sind vorwiegend Lkw, Busse und andere schwere Nutzfahrzeuge, die künftig auf andere Rheinquerungen ausweichen müssen.
Praktisches PDF kostenlos herunterladen
Immer wieder gibt es Verkehrsschilder, die Autofahrer rätseln lassen: Im Ratgeber werden 12 dieser eher seltenten Schilder erklärt. (Montage) © Ippen.Media & Funke Foto Services/Imago & Dreamstime/Imago & Chromeorange/Imago & PantherMedia/Imago
Im praktischen Ratgeber werden insgesamt 12 Verkehrsschilder vorgestellt, deren Bedeutung nicht jeder kennt. HIER können Sie sich das PDF mit Erklärungen und Hinweisen zu 12 seltenen Verkehrsschildern kostenlos herunterladen. Der Laternenring ist eines der vorgestellten Verkehrsschilder.
Doppelbelastung könnte massive Folgen für Autoverkehr in Bonn und Rheinland haben
Die zeitliche Überschneidung der A565-Vollsperrungen mit dem Fahrverbot auf der Nordbrücke könnte zu einer explosiven Mischung werden. Während die Sperrungen auf der A565 bereits für erhebliche Verkehrsverlagerungen sorgen werden, müssen zeitgleich tausende Schwerverkehrsfahrzeuge von der Nordbrücke auf alternative Routen ausweichen. Nach Angaben der Autobahn GmbH sind von den täglich 100.000 Fahrzeugen auf der Nordbrücke rund 5.000 LKW schwerer als 7,5 Tonnen. 60 Prozent davon haben ihren Start- oder Zielort in Bonn oder der benachbarten Region – täglich werden also etwa 3.000 LKW Ausweichstrecken suchen, die auch durch das Bonner Stadtgebiet führen. Das bedeutet eine massive Zusatzbelastung für umliegende Straßen und die Bonner Innenstadt.
Am 8. Januar 2026 fand ein erstes gemeinsames Gespräch zwischen der Stadt Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis, der Autobahn GmbH und der Deutschen Bahn statt, an dem auch Bonns Oberbürgermeister Guido Déus und Landrat Sebastian Schuster teilnahmen. Die Stadt Bonn wurde nach eigenen Angaben von der Ankündigung der Autobahn GmbH überrascht und rechnet mit erheblichen Auswirkungen auf den innerstädtischen Verkehr. Alle Beteiligten haben sich auf einen intensiven, engen und regelmäßigen Austausch verständigt.
Sperrung der Nordbrücke in Bonn: Auf diesen Straßen könnte es mehr Stau geben
Nach einer ersten Einschätzung der Stadtverwaltung Bonn und der Kreisverwaltung ist voraussichtlich vor allem auf folgenden Straßen im Stadtgebiet und in der Fortführung dieser anteilig auch im Kreis mit einer Zunahme des Verkehrs zu rechnen:
- Reuterstraße als Verbindung zwischen Südbrücke und A 565 und B 56 als parallele Streckenführung zur A 565, sie ist allerdings für den Durchgangsschwerlastverkehr gesperrt
- B 9 und L 158 durch Bad Godesberg als Verbindung zwischen der A 59 (Südbrücke/Autobahnkreuz Bonn-Ost) und der A 565 (Anschlussstelle Meckenheim-Merl)
- Kölnstraße (L 300) als Verbindung zwischen Bonn (auch Hafen in Graurheindorf) zur A 555 (Anschlussstelle Bornheim-Hersel)
- An der Josefshöhe, Am Josephinum, Berta-Lungstras-Straße, Lievelingsweg als Verbindung zwischen A 565 (Anschlussstelle Tannenbusch und Anschlussstelle Bonn-Zentrum /Potsdamer Platz)
- Anschlussstelle Bonn-Zentrum/Potsdamer Platz, Heinrich-Böll-Ring, Thomastraße als Verbindung durch die Innenstadt in Richtung B 56 und Kennedybrücke
- Niederkasseler Straße (L 16), Sankt-Augustiner Straße (B 56) als Verbindung zwischen Bonn und der A 565/Anschlussstelle Bonn-Beuel und A 59/Anschlussstelle Bonn-Vilich
- Königswinterer Straße (L 193) als Verbindung zwischen A 59/A 562/Anschlussstelle Bonn-Ramersdorf /Autobahnkreuz Bonn-Ost
- Siegburger Straße (L 83) als Verbindung zwischen Bonn und A 59 / Anschlussstelle Bonn-Pützchen
- Hermann-Wandersleb-Ring und Endenicher Straße
Wegen Nordbrücken-Fahrverbot jahrelanges Verkehrschaos befürchtet – keine schnelle Lösung in Sicht
Das Fahrverbot auf der Nordbrücke ist keine kurzfristige Maßnahme, sondern könnte die Region mehrere Jahre belasten. Die Sperrung soll bis zur Realisierung des Ersatzneubaus der Rheinbrücke Bonn-Nord bestehen bleiben – und dieser ist ein Langzeitprojekt. „Die Schäden an der Nordbrücke sind so massiv, dass dauerhaft Unterhaltungsmaßnahmen bis zum Neubau der Brücke erforderlich sind. Zum jetzigen Zeitpunkt muss alles getan werden, um eine Vollsperrung zu verhindern“, so Landrat Sebastian Schuster. Selbst im besten Fall würden die Arbeiten mehrere Jahre dauern. Dadurch wird ein jahrelanges Verkehrschaos ähnlich wie bei der Rahmedetalbrücke in Lüdenscheid befürchtet, das Pendler, Wirtschaft und Anwohner gleichermaßen treffen wird.
Rhein-Sieg-Kreis und Stadt Bonn haben die Autobahn GmbH um Prüfung gebeten, ob zumindest bis zum Ende des aktuell laufenden Schuljahres im Sommer 2026 Schulbusse die Nordbrücke weiterhin passieren dürfen, um bis dahin alternative Lösungen beziehungsweise Routen planen zu können. Die Autobahn GmbH lehnt jedoch Ausnahmen für den ÖPNV ab, wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet. Ob Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge weiterfahren dürfen, muss noch geklärt werden. Umleitungen sollen ausgeschildert oder auf elektronischen Tafeln angezeigt werden und unter anderem über die A61 und A3 führen, berichtet der WDR. Der lokale Schwerverkehr kann über die Kennedy- oder Südbrücke ausweichen.
Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, wie gut die beteiligten Behörden die Verkehrsströme managen können. Für Pendler und Anwohner in Bonn heißt es jedenfalls: Geduld mitbringen und alternative Routen planen. (os)