Die Bauarbeiten auf dem Korridor Berlin-Hamburg sollen nach neun Monaten planmäßig beendet sein und wieder Züge rollen statt Bussen im Ersatzverkehr. Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, sagte am Mittwoch in Schwerin „mit großem Vertrauen“, dass ab 1. Mai wieder alle in die Züge einsteigen könnten.

Abnahme und Prüfung auf der Strecke läuft bereits

Mit den am 1. August 2025 begonnenen eigentlichen Bauarbeiten sei die Bahn schon weitgehend durch. „Wir sind in der Phase der Abnahme und der Prüfvorgänge, die allerdings bei der Bahn immer sehr schwierig und epochal sind“, merkte Alexander Kaczmarek an. Das entsprechende Prüfpersonal sei auf diesen wichtigen Bahnabschnitt „priorisiert“ worden.

Noch bis zum 30. April ist die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin wegen dringender Sanierungsarbeiten voll gesperrt. Auf vielen Strecken in Schwerin und im Umland fahren Busse im Ersatzverkehr, mit dessen Durchführung die Ecovista SEV GmbH aus Augsburg beauftragt wurde.

Landesverkehrsministerin Dr. Wolfgang Blank (v.l.) bei einem Pressetermin in einem Ersatzbus mit Ecovista-Geschäftsführer Michael Bader und Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-VorpommernBild vergrößern

Landesverkehrsministerin Dr. Wolfgang Blank (v.l.) bei einem Pressetermin in einem Ersatzbus mit Ecovista-Geschäftsführer Michael Bader und Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern (Foto: Mirko Hertrich)

Dr. Wolfgang Blank, parteiloser Verkehrsminister Mecklenburg-Vorpommerns, informierte sich am Mittwoch bei einer Fahrt auf der Ersatzbusline X 1 von Hamburg nach Schwerin über die aktuelle Situation im Schienenersatzverkehr. Er zeigte sich zufrieden über die störungsfreie und pünktliche Fahrt, auch wenn viele seiner Begleiter nach Ankunft in Schwerin angesichts des aufgeheizten Busses erst mal Frischluft schnappen mussten, bevor ein Pressetermin in dem Fahrzeug abgehalten wurde.

An Bord war neben Blank und Karzmarek der Ecovista-Geschäftsführer Michael Bader, dessen Firma während des Ersatzverkehrs viel Kritik von Fahrgästen einstecken musste. Seinen Worten nach hat sich sein Unternehmen mittlerweile auf der Strecke „gut eingefahren“. Es habe etwas gedauert, bis alles reibungslos lief, räumte er ein.

Busse nach Unfall auf Tempo 80 gedrosselt

Carsten Werfel, Geschäftsführer und Abteilungsleiter Verkehrsplanung und Vergabe bei der Verkehrsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern (VMV), verwies darauf, dass nach einem Unfall mit einem Gelenkbus Mitte August die Sicherheitsvorkehrungen noch mal erhöht und das Tempo der Busse auf 80 Kilometer pro Stunde gedrosselt worden seien. Er zeigte sich optimistisch, dass der Ersatzverkehr bis zum Ende der Bauarbeiten weiter gut durchläuft.

Laut Ecovista haben die Ersatzbusse in 167 Betriebstagen seit Beginn der Bauarbeiten knapp 14,4 Millionen Kilometer zurückgelegt. Auf 28 Linien würden täglich im Schnitt 30.000 Fahrgäste in 170 Umläufen transportiert. Im Einsatz seien 500 Fahrer in mehr als 200 Bussen. Das entspreche einem Vielfachen des regulären Linienbetriebs und verdeutliche die logistische Herausforderung, hob Michael Bader hervor.

Alexander Kaczmarek dankte allen Beteiligten für die bisher gute Zusammenarbeit. Der Eisenbahner freut sich aber auf den 1. Mai. „Das ist High-End-Ersatzverkehr, aber es ist natürlich Ersatzverkehr.“ Dieser sei mit Bussen von den Fahrzeiten her nicht mit dem Bahnverkehr vergleichbar.

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Auch wenn die Entscheidung für die Sanierung „schmerzhaft“ gewesen sei, so war es nach den Worten des Konzernbevollmächtigten richtig, die ganze Strecke „möglichst reibungslos in einem Aufwasch zu sanieren“, um dann für die Kunden mehr Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit bereitstellen zu können.

Elektrifiziert und direkt von Schwerin nach Lübeck

Allerdings stehen mit dem Ende der Arbeiten am Korridor Berlin-Hamburg schon die nächsten Bauarbeiten im Westen von Mecklenburg ins Haus: der Ausbau der Gallentiner Kurve und die Modernisierung sowie Elektrifizierung der Strecke Bad Kleinen – Lübeck.

„Das ist eins der wenigen Vorhaben, die überhaupt noch beim Bund durch die Tür gekommen sind“, berichtete Alexander Kaczmarek stolz von seiner „Lieblingsbaustelle“, die nach dem Spatenstich während der Arbeiten am Korridor pausiert. Nach dessen Fertigstellung würden die Arbeiten an der Strecke fortgesetzt, damit der Verkehr zwischen Lübeck und Schwerin direkt laufen könne. Alexander Kaczmarek zeigte sich überzeugt: „Das ist schon noch mal ein Sprung nach vorn.“ Bis April 2028 soll die elektrifizierte Trasse fertig sein.