„Wir wollen das Testspiel angehen wie ein Pflichtspiel“, hatte WSV-Trainer Mike Wunderlich vor dem Duell gegen den FSV Zwickau am Mittwoch im Trainingslager in der Türkei versprochen. Über weite Strecken der Partie des Tabellen-15. der Regionalliga West gegen den Vierten der Nordost-Staffel war das auch zu sehen. Am Ende stand für den Wuppertaler SV eine 0:2 (0:1)-Niederlage, die zwar nicht un verdient, aber sicherlich auch vermeidbar war.
Einen guten Eindruck hinterlassen konnte der zur zweiten Hälfte eingewechselte Winterzugang Nicolas Hirschberger, der nach dem Wechsel der einzige WSVer war, der Torgefahr ausstrahlte und bei seinem besten Versuch nach 63 Minuten nur den Innenpfosten traf. Zu diesem Zeitpunkt wäre es das 1:1 gewesen, nachdem Zwickau kurz vor der Pause in Führung gegangen war. Die Mannschaft des erfahrenen Trainers Rico Schmitt hatte die bessere Spielanlage, war ballsicherer als der WSV, der seine Chancen im schnellen Umschaltspiel nach Pressing in unterschiedlichen Räumen suchte. Da war schon etwas davon zu sehen, was Wunderlich den Spielern in diesen Tagen von seiner Spielidee mitgeben will. Darüber hatten die Wuppertaler auch die erste gute Chance des Spiels, als Zwickau schon in dessen Hälfte im Spielaufbau gestört wurde und Fritz Kleiner schön auf Cesron Oostwood herüberlegte, der auf halblinks aus gut 20 Metern frei zum Schuss kam. Sein etwas lässiger Schlenzer ging aber gut einen Meter am Tor vorbei. Auf der anderen Seite hatten aber auch die Zwickauer eine sehr gute Gelegenheit, als der WSV den Ball nicht aus dem eigenen Strafraum bekam und die Ostdeutschen drei Mal zum Schuss kamen. Zwei Mal hielt Michael Luyambula, einmal klärte Derviseviv auf der Linie. Ähnlich sah es dann auf der Gegenseite aus, ehe Zwickau zu diesem Zeitpunkt doch unerwartet in Führung ging. Nach einem kurz ausgeführten Freistoß verlor Amin Bouzraa am zweiten Pfosten das Kopfballduell und in der Mitte setzte sich Zwickaus bekannt torgefähricher Mittelfeldspieler Maximilian Somnitz energisch durch und vollstreckte aus zehn Metern. Eine Sicherheit, die man sich beim WSV gewünscht hätte.
Zur zweiten Halbzeit brachte Wunderlich dann Hirschberger und Gastspieler Marko Stojanovic. Der erfahrene Stojanovic wurde in der Innenverteidigung, kurzzeitig auch auf links in der Viererkette eingesetzt und machte seine Sache ordentlich. Hirschberger, der als hängende Spitze agierte, trat gleich mal in Erscheinung, als er aus dem Mittelfeld schön in den Strafraum durchlief, wo ihn von der rechten Seite eine Flanke erreichte, die er freistehend übers Tor köpfte. Der WSV schien die Partie nun in den Griff zu bekommen. Hirschbergers Pfostenschuss war der Höhepunkt einer kurzen Drangphase, die dann durch einen Patzer von Michael Luyambula jäh beendet wurde. Unter Druck spielte der WSV-Torwart einem Zwickauer den Ball in den Fuß und der vollstreckte humorlos aus 16 Metern ins freie lange Eck. Ähnliche Fehler hatten Luyambula und der WSV sich bereits in der Meisterschaft geleistet und es dürfte eine der vordringlichsten Aufgaben von Mike Wunderlich zu sein, diese abzustellen. Die zweite wird es sein, nach vorne effektiver zu werden. Nach und nach wechselte der Trainer alle Spieler aus, was dem Spielfluss natürlich nicht guttat. Einzig zu einem Abschluss kam nur noch Hirschberger, der die Kugel aber aus 20 Metern drei Meter übers Tor setzte.
Insofern zweigeteilt war auch der Kommentar von WSV-Tainer Mike Wunderlich zum Spiel. „Man darf nicht vergessen, wir haben hier gegen eine abgezockte, körperlich starke Mannschaft verloren. Dennoch war die Niederlage aus meiner Sicht nicht nötig. Ich habe einiges davon gesehen, was wir hier versuchen uns zu erarbeiten. Die zwei Tore schenken wir dem Gegner dann aber.“ Kurz vor der Pause müsse man konsequenter verteidigen, dem 0:2 sei dann ein krasser individuellen Fehler vorausgegangen. „Ich glaube, wenn wir kurz vorher nach unserer besten Phase das 1:1 machen, hätten wir noch einmal einen Schub bekommen.“ Generell sei es ein Schritt nach vorn gewesen, wobei die Mannschaft im Spiel gegen den Ball schon weiter sei als im Spiel nach vorne, wo die Kugel nach zum Teil guten Balleroberungen oft zu schnell wieder weggewesen sei.
Die Torgefährlichkeit von Hirschberger habe man gesehen, auch wenn er körperlich noch Nachholbedarf habe. Marko Stojanovic habe ihm gut gefallen. Da müsse man das Spiel gegen Zwickau am Samstag (Samstag, 17.30, ebenfalls im Livestream bei solidsport.com) noch abwarten und sich dann zusammensetzen und zu sehen, was machbar sei.