„Diese Entscheidung ist ein Skandal und ein Schlag ins Gesicht der verbliebenen Beschäftigten“, sagt Reiner Gehring von der IG Metall. Die gut 180 Beschäftigten des Automobilzulieferers Valeo in Bad Neustadt im Landkreis Rhön-Grabfeld haben heute erfahren, dass das Werk nun komplett geschlossen wird. Das haben die Gewerkschaft und auch Valeo selbst mitgeteilt.

IG Metall: „Es geht hier um Existenzen“

Eine Schock-Nachricht für die Menschen, „die mit Herzblut am Erhalt des Standortes gearbeitet haben“, so Gehring weiter. Es gehe hier um Existenzen. Wann die Lichter genau ausgehen, das hat Valeo noch nicht bekannt gegeben. Unklar ist bis jetzt auch, ob es Abfindungen geben wird.

Valeo Bad Neustadt: 183 Menschen von Schließung betroffen

Aktuell arbeiten am Standort Bad Neustadt noch 183 Menschen in den Bereichen Forschung und Entwicklung. 143 von ihnen werden ihre Jobs direkt verlieren. Die anderen 40 Stellen will Valeo nach Erlangen verlegen, um den größeren Forschungs- und Entwicklungsstandort von Valeo dort zu stärken. Die Betroffenen bekommen das Angebot, nach Erlangen zu wechseln.

Der Konzern begründet den Schritt mit der schwierigen Lage der Industrie und dem hohen Wettbewerb aus dem Ausland. „Wir sind wirtschaftlich sehr unter Druck“, sagte ein Sprecher von Valeo zu BR24.

Belegschaft: Von über 500 auf 0 in Bad Neustadt

Vor Jahren hatte Valeo in Bad Neustadt noch über 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dann wurden Teile der Produktion geschlossen. Zuletzt hat Valeo den Bereich Elektromotorenbau mit 310 Arbeitsplätzen dichtgemacht. Die Produktion wurde zum Teil nach Polen verlagert.

Die IG Metall hat die aktuelle Entwicklung bereits befürchtet: „Wir haben klar gesagt: Ein Entwicklungsstandort ohne dazugehörige Produktion wird in diesem Konzern keine Zukunft haben“, so Sprecher Reiner Gehring. „Statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, will sich das Unternehmen aus der Verantwortung ziehen“, sagt er weiter.

Landkreis Rhön-Grabfeld: „Das ist ein schwerer Schlag“

Die Entscheidung sei ein schwerer Schlag für den Industriestandort und den ländlichen Raum in Bayern, heißt es aus dem Landratsamt Rhön-Grabfeld. Der „schleichende Abbau von Industrie-Arbeitsplätzen im Bereich Automotive und Maschinenbau“ erfordere „gewaltige Gegen-Anstrengungen bundesweit, von der Bayerischen Staatsregierung, den Verantwortlichen vor Ort und den Beschäftigten“. Landrat Thomas Habermann (CSU) will „mit aller Kraft nach zeitnahen Zukunftsperspektiven für die betroffenen Beschäftigten“ suchen.

Industriestandort Main-Rhön ist in der Krise

Die Region Main-Rhön und die Industrie dort sind seit vielen Jahren in der Krise. Vor allem Schweinfurt ist von einem massiven Stellenabbau betroffen, etwa bei ZF, SKF oder Schaeffler. Valeo will auch in Ebern im Landkreis Haßberge Stellen abbauen: 280 von rund 1.100 Arbeitsplätzen, hieß es zuletzt. Preh in Bad Neustadt hat ebenfalls schon Stellen gestrichen.

Was stellt der Automobilzulieferer Valeo her?

Valeo hat seinen Hauptsitz in Paris. Der Automobilzulieferer stellt weltweit Komponenten und Systeme für Autos und Nutzfahrzeuge her. Etwa Elektromotoren und andere Antriebssysteme, Klimaanlagen oder Teile für Kupplungen und Bremsen.