
Dieses Team ist offiziell das Beste in der Geschichte der Fußball-Bundesliga zur Halbzeit einer Saison. Der FC Bayern München hat mit einem 3:1 (1:1)-Sieg beim 1. FC Köln seine eigene Bestmarke geknackt. Ein Grund dafür war ein unglaublicher Treffer von Serge Gnabry (45.+5) nach dem Führungstor durch Linton Maina (41.). Min-jae Kim (71.) und Lennart Karl (84.) sorgten für die Entscheidung und die neue Rekordbilanz von 47 Punkten und +53 Toren nach 17 Spielen.
„Natürlich ist das kein Titel, aber ich habe den Jungs auch gesagt, dass es so schwer ist, bei Bayern einen Rekord aufzustellen, weil die Latte so hoch liegt. Das ist schön, das haben wir geschafft, aber ab morgen geht es weiter“, sagte FCB-Trainer Vincent Kompany im Sportschau-Interview. „Wir haben die erste Runde gewonnen, jetzt kommt die zweite – und die wollen wir auch gewinnen. Das war für uns ein ganz schwieriges Spiel.“
Lange Unterbrechung nach Chance für El Mala
Das begann mit zwei Knall-Momenten. Bereits nach 75 Sekunden hatte Said El Mala die große Chance zur Führung für die Gastgeber, Manuel Neuer fuhr aber noch sein Bein aus und parierte mit dem Fuß.
Zuvor hatte im Kölner Block schon Feierstimmung geherrscht, die Fans brannten ein Pyro-Feuerwerk ab, das Folgen hatte. Schiedsrichter Patrick Ittrich musste die Partie wegen des dadurch aufgekommenen Rauchs für satte zehn Minuten unterbrechen.
Es dauerte, bis das Spiel richtig losging. Die ersten Minuten konnte man kaum das gegnerische Tor erkennen.
Schwäbe hält alles, Neuer den Schuss von Maina aber nicht
Danach benötigten die Mannschaften ein wenig Anlaufzeit, dann wurden die Bayern stark, Marvin Schwäbe aber noch stärker. Der FC-Keeper entschärfte eine Großchance von Hiroki Ito (21.), einen Flachschuss von Michael Olise (24.) und einen Versuch aus 20 Metern von Gnabry mit einer starken Flugparade (34.). Schwäbe hatte aber auch Glück, als ein Rückpass über seinen Fuß rutschte, jedoch knapp an seinem Tor vorbei rollte (36.).
Der Kölner Torhüter hielt die Null – und seine Vorderleute veredelten seine Taten. Maina luchste Gnabry vor dem eigenen Strafraum den Ball ab, durfte über das gesamte Spielfeld marschieren und schloss aus 16 Metern ab zum 1:0 (41.). Es war ein guter und harter Schuss, aber gewiss kein unhaltbarer, Manuel Neuer sah nicht wirklich glücklich aus in dieser Situation.
Gnabry zaubert wie einst Özil
Umso glücklicher dürfte der ehemalige Nationaltorhüter über den Geniestreich von Gnabry in der fünften Minute der Nachspielzeit (wegen des Pyro-Nebels) gewesen sein. Nach einer Flanke von Olise chippte der 30-Jährige den Ball mit dem ersten Kontakt über das Bein seines Gegenspielers und mit dem zweiten schoss er bewusst auf den Boden, sodass das Spielgerät über Schwäbe an die Unterlatte und ins Tor sprang. Mesut Özil war für solche Pässe und Schüsse bekannt, entsprechend wird diese Technik auch „Özil Bounce“ genannt.
Bayern Münchens Serge Gnabry bejubelt seinen Treffer in Köln
Nach der Pause machten die Bayern da aber nicht weiter, sie bissen sich an der Kölner Defensive die Zähne aus. Und so hatten die Gastgeber die Gelegenheit zum 2:1, beim Schuss von Jakub Kaminski war Neuer aber souverän zur Stelle (58.). Auf der anderen Seite agierte das Team von Kompany im letzten Drittel zu ungenau, setzte es sich mal durch, gab es Abschlüsse wie den verzogenen Schuss von Luis Díaz aus relativ kurzer Distanz (64.).
Köln leistet sich eine entscheidende Unachtsamkeit
Auch der Mann mit dem Tor-Abo erwischte keinen guten Abend, Köln hatte Harry Kane sehr gut im Griff. Das lag auch daran, dass es der Mannschaft von Coach Lukas Kwasniok gelang, konsequent die Außenspieler Olise und Díaz zu doppeln, so konnten sie ihren Mittelstürmer gar nicht einsetzen. Köln verteidigte das Unentschieden leidenschaftlich und erfolgreich, die Frage war aber auch, ob das bis zum Ende des Spiels so möglich war.
Die Antwort gab es relativ schnell – und sie lautete: Nein. Die Kölner Hintermannschaft schlief bei einer Münchner Ecke, nach der Diaz ganz frei auf Ito flanken durfte, der den Ball per Kopf auf den Kopf vom vor dem leeren Tor stehenden Kim legte (71.). In diesem Moment war der Weg frei zum neuen Hinrunden-Rekord, den der FC Bayern unter Pep Guardiola in der Saison 2013/14 aufgestellt hatte.
Damals beendete der Rekordmeister die Hinrunde mit 47 Zählern und +35 Toren, jetzt steht er noch 18 Treffer besser da. Denn Karl vollendete einen weiteren Münchner Konter überlegt mit einem Flachschuss zum 3:1 für das Kompany-Team (84.).
Sorgt RB Leipzig für ein kleines bisschen Spannung?
Bei dieser Ausbeute ist es wenig verwunderlich, dass das Rennen um die Meisterschaft in dieser Saison wohl kein Rennen sein wird. Als Halbzeitmeister beträgt der Münchner Vorsprung auf Borussia Dortmund bereits elf Punkte, der Tabellenzweite muss also auf mehrere Ausrutscher des Ligaprimus‘ hoffen – vielleicht gibt es einen ja schon am kommenden Samstag. Da spielen die Bayern um 18.30 Uhr bei RB Leipzig, das in der Hinrunde im eigenen Stadion 21 von 24 möglichen Punkten geholt hat.
Köln wartet dagegen weiter seit dem 2. November auf einen Erfolg in der Bundesliga, hat aus den vergangenen acht Partien nur drei Punkte geholt. Dennoch sollte das Spiel gegen die Bayern die Diskussionen um den in die Kritik geratenen Kwasniok nicht verstärken, denn seine Mannschaft zeigte gegen die Übermannschaft der Liga eine starke Leistung. Wichtiger wird es für die Kölner sein, am Samstag gegen Mainz 05 (15.30 Uhr) endlich wieder zu siegen.
„Grundsätzlich sind wir mit dem Auftritt sehr zufrieden. Die Jungs arbeiten und sind hingebungsvoll unterwegs, darauf können wir stolz sein. Am Ende geht es aber um Punkte und die haben wir leider nicht holen können, deswegen bin ich auch ein bisschen enttäuscht“, sagte Kwasniok im Sportschau-Interview. „Wir brauchen noch ein paar Siege, aber wir stehen über den Strich. Ich bin angetreten, um diesen Verein in der Liga zu halten, da sind wir auf dem Weg.“
