Die EU schafft die Zollfreiheit für Kleinsendungen ab und erhebt ab Juli 2026 eine pauschale Gebühr von drei Euro pro Paket. Dies soll den Wettbewerb für europäische Händler fairer gestalten.
Die EU beendet den zollfreien Online-Einkauf aus Drittländern. Ab Juli 2026 kostet jedes Paket unter 150 Euro Wert pauschal drei Euro Zoll. Die Maßnahme trifft vor allem Giganten wie Shein und Temu.
Die Entscheidung der EU-Finanzminister markiert eine Zeitenwende im europäischen E-Commerce. Nach jahrelanger Debatte wird die steuerliche Sonderstellung für Kleinsendungen aus Nicht-EU-Ländern abgeschafft. Ziel ist es, den Wettbewerb für europäische Händler zu entzerren, die gegen die Dumpingpreise asiatischer Plattformen kaum ankamen.
Ein einfacher Aufschlag mit großer Wirkung
Ab dem 1. Juli 2026 ist Schluss mit der Zollfreiheit für Importe unter 150 Euro. Kern der neuen Regelung ist die Abschaffung der sogenannten De-minimis-Regel. Bislang waren diese Sendungen von Zöllen befreit, lediglich die Einfuhrumsatzsteuer fiel seit 2021 an. Die neue pauschale Zollgebühr von drei Euro pro Paket soll Bürokratie reduzieren und für sofortige Fairness sorgen.
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„Das ist eine pragmatische Übergangslösung“, erklärt ein EU-Diplomat. Komplizierte, warenabhängige Zollberechnungen für Millionen Mini-Sendungen wären für die Behörden nicht zu bewältigen gewesen. Die Pauschale gilt, bis die umfassende EU-Zollreform mit einem zentralen Datenhub 2028 vollständig implementiert ist. Danach gelten für alle Importe die regulären EU-Zollsätze.
Kampfansage an die Paketflut aus China
Hinter der neuen Politik steht eine explosive Entwicklung: Die Flut kleiner Pakete, vor allem aus China, hat ein kritisches Ausmaß erreicht. 2024 kamen schätzungsweise 4,6 Milliarden Kleinsendungen in die EU – 91 Prozent davon stammten aus China. Plattformen wie AliExpress, Shein und Temu haben diesen Markt befeuert.
Die EU-Kommission sieht systematischen Missbrauch. In bis zu 65 Prozent der Fälle sei der Warenwert bewusst zu niedrig deklariert worden, um Zölle zu umgehen. Das Ergebnis? Massive Steuerausfälle für die Mitgliedstaaten und ein unfairer Wettbewerbsnachteil für europäische Händler. Gleichzeitig überfordert das Paketvolumen die Zollbehörden, was Sicherheitsrisiken durch nicht konforme Produkte birgt.
Teurere Schnäppchen und neue Logistik
Für Verbraucher wird der Online-Einkauf aus Drittländern spürbar teurer. Die drei Euro fallen pro Paket an. Wer also mehrere Einzelartikel bestellt, die separat verschickt werden, zahlt mehrfach. Bei einem 5-Euro-T-Shirt schlägt der Zoll allein mit einer Preiserhöhung von 60 Prozent zu Buche – plus Einfuhrumsatzsteuer.
Für die globalen E-Commerce-Riesen bedeutet dies eine Zäsur. Ihr Geschäftsmodell – der Versand unzähliger Einzelartikel – gerät unter Druck. Die Konzerne stehen vor einer strategischen Entscheidung: Kosten schlucken, an Kunden weitergeben oder die Logistik umbauen. Experten erwarten, dass Plattformen verstärkt auf EU-Lagerhäuser setzen werden. Lieferungen innerhalb der Union bleiben von der Abgabe unberührt. Europäische Händler begrüßen den Schritt als überfällige Gegenwehr.
Erster Schritt zur größten Zollreform seit 1968
Die Pauschale ist nur der Anfang. Sie ist Teil der größten EU-Zollreform seit Gründung der Zollunion 1968. Langfristig soll ein digitaler EU-Zolldatenhub alle Verfahren vereinfachen. Europäische Handelsverbände sehen in der Übergangsgebühr ein wichtiges Signal für mehr Wettbewerbsgerechtigkeit.
Diskutiert wird bereits über eine mögliche, zusätzliche EU-weite Bearbeitungsgebühr. Sie könnte die administrativen Kosten der Behörden decken. Die Einführung der 3-Euro-Pauschale wird nun als Gradmesser für die umfassendere Reform 2028 gewertet. Klar ist: Die Ära des unregulierten Mikro-Imports in die EU geht zu Ende.
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