Die deutschen Exporte ins Reich der Mitte brechen ein, die Importe von dort steigen dagegen unaufhaltsam weiter – in den ersten drei Quartalen 2025 um weitere 8,5 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Dazu tragen viele Faktoren bei: Ein Mangel an angebotspolitischen Reformen und hohe Energiekosten hierzulande machen es deutschen Firmen schwer.
Zugleich holen chinesische Unternehmen auf. Aber sie erhalten auch sehr hohe direkte und indirekte staatliche Subventionen und profitieren zudem von einer stark unterbewerteten Währung, die ihre Exporte künstlich verbilligt.
In diese ohnehin schon schwierige Gemengelage stößt jetzt auch noch Donald Trump mit seiner aggressiven Zollpolitik. Die Zölle auf US-Importe aus China sind deutlich höher als die auf US-Einfuhren aus der EU und anderen Ländern. Das könnte dazu führen, dass chinesische Waren, die auf dem US-Markt nicht mehr absetzbar sind, nach Deutschland umgelenkt werden. Der Importdruck aus China würde sich so weiter erhöhen.
In einem IW-Report sind wir der Frage nachgegangen, ob sich Hinweise auf derartige Umlenkungseffekte in den internationalen Handelsdaten finden lassen. Dazu haben wir eine neue Methodik entwickelt, die ein regelmäßiges Monitoring solcher Effekte ermöglicht. In der Studie haben wir den Fokus auf das zweite Quartal 2025 gelegt, als die US-Zölle auf Importe aus China zeitweise 145 Prozent betrugen, und sind in zwei Schritten vorgegangen.
Erheblich mehr Importmengen aus China
Erstens haben wir die Entwicklung der deutschen Importe aus China im zweiten Quartal 2025 genauer analysiert. Dabei haben wir vor allem die Zunahme von Einfuhrmengen betrachtet und nicht allein von Einfuhrwerten. Das Ergebnis: Der Importdruck aus China stieg im zweiten Quartal 2025 gegenüber dem zweiten Quartal 2024 relativ stark an. Das zeigen einige ausgewählte Resultate:
- Bei 2241 Warengruppen (von über 4250 Warengruppen mit verwertbaren Angaben) ist die deutsche Einfuhrmenge aus China um mindestens zehn Prozent gestiegen. Deren summierter Importwert macht 61 Prozent des gesamten deutschen Einfuhrwerts aus China im zweiten Quartal 2025 aus.
- Sowohl ungewöhnlich hohe Einfuhrmengenzuwächse von mindestens zehn Prozent als auch ein höheres Wachstum als in den Vorjahren sind bei 2029 Warengruppen zu finden. Auf sie entfällt ein nur wenig geringerer Anteil an den Gesamteinfuhren aus China von 57 Prozent. Das zeigt, dass ein mindestens zehnprozentiger Mengenanstieg tatsächlich relativ hoch ist.
- Selbst Warengruppen, die ein außergewöhnliches Einfuhrmengenwachstum von mindestens 50 Prozent (und größer als der Median der Vorjahre) haben, stehen noch für 22 Prozent des gesamten deutschen Einfuhrwerts aus China.
Viele Exporte von den USA nach Deutschland umgelenkt
Zweitens haben wir Warengruppen ermittelt, bei denen ein Umlenkungsverdacht besteht. Dazu wird bei einzelnen Warengruppen nach Überschneidungen gesucht, bei denen die US-Importe aus China im ersten Halbjahr 2025 im Vorjahresvergleich zurückgingen, während die deutsche Einfuhrmenge im zweiten Quartal 2025 zunahm. Durch die leichte zeitliche Versetzung wird ein gewisser zeitlicher Vorlauf berücksichtigt, bevor chinesische Waren von den USA nach Deutschland umgelenkt werden.
Es besteht bei vielen Warengruppen häufig ein Umlenkungsverdacht. Mehr als die Hälfte des gesamten deutschen Einfuhrwerts aus China entfällt auf über 1500 Überschneidungswarengruppen, bei denen die deutsche Einfuhrmenge aus China stieg und die US-Importe aus China zurückgingen. Darunter sind allerdings teilweise konsumnahe chinesische Produkte wie Textilien und Unterhaltungselektronik, die nicht zu den Kernbereichen der deutschen Industrie gehören.
Daher schauen wir genauer auf Warengruppen, bei denen die deutsche Wirtschaft stark ist, wie etwa bei Chemie, Elektroindustrie, Maschinen- und Fahrzeugbau. In den exportorientierten Kernbereichen der deutschen Industrie gibt es 579 Überschneidungswarengruppen, deren summierter Anteil an der Gesamteinfuhr aus China elf Prozent beträgt.
Das erscheint zwar nicht besonders viel. Doch unter den 30 wertmäßig wichtigsten Warengruppen finden sich vor allem Produkte aus den Bereichen Straßenfahrzeuge, Maschinenbau und elektrische Ausrüstungen, in denen Deutschland traditionell ausgeprägte Stärken hat.
Umlenkung bei Hybrid-Pkw und E-Lkw besonders groß
Wenn die hohe Schwelle von mindestens 50 Prozent für Importmengenanstiege angelegt wird, ist der Befund noch besorgniserregender. Bei knapp zwei Dritteln der 30 wertmäßig wichtigsten Warengruppen ist der Umlenkungsverdacht besonders groß, da die US-Einfuhr aus China hier zweistellige prozentuale Rückgänge im ersten Halbjahr 2025 aufweist. Bei mehr als einem Drittel dieser 30 bedeutenden Warengruppen ist der Zuwachs der deutschen Einfuhrmenge sogar dreistellig, was oft einen sehr starken Anstieg des Importdrucks aus China bedeuten dürfte.
Unter den 30 Überschneidungswarengruppen stechen Straßen- und Landfahrzeuge hervor, sie belegen die ersten drei Plätze und fünf unter den ersten zehn Rängen. Besonders ins Auge fallen Hybrid-Pkw auf den Rängen zwei und drei, E-Lkw sowie mehrere Arten von Autoteilen.
Es ist also vor allem die Autoindustrie, die sowohl unter starken Importanstiegen aus China leidet und von Umlenkungseffekten betroffen zu sein scheint.
Ein genauerer Blick auf die Entwicklung der Einfuhren aus China im Bereich der Elektromobilität zeigt, dass die europäischen Ausgleichszölle auf E-Autos aus China deutlich wirken. Doch chinesische Exporteure nutzen im Bereich der Elektromobilität noch nicht geschützte Schlupflöcher. So sanken die Einfuhren von reinen E-Autos aus China um 56 Prozent im Vergleich der ersten Halbjahre 2025 zu 2023 – zur Erinnerung: Im Herbst 2023 begann die Antisubventionsuntersuchung der Europäischen Kommission.
Etwas verzögert nahmen die Einfuhren von Plug-in-Hybrid-Autos aus China um hohe 82 Prozent im Vergleich der ersten Halbjahre 2025 und 2024 zu. Vergleicht man die zweiten Quartale dieser beiden Jahre, beträgt die Steigerungsrate sogar über 150 Prozent.
Gerade bei Plug-in-Hybrid-Autos liegt der Umlenkungsverdacht sehr nahe, da die US-Importe aus China im ersten Halbjahr 2025 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um fast 99 Prozent und knapp 24 Millionen US-Dollar geradezu implodierten und damit so gut wie nicht mehr existent waren. Dagegen nahmen die deutschen Importe aus China in diesem Zeitraum um 98 Millionen Euro auf 218 Millionen Euro zu. Diese Ergebnisse passen zu sich mehrenden Berichten darüber, dass deutsche Zulieferbetriebe etwa in der Autoindustrie und im Maschinenbau zunehmend von chinesischen Zulieferern verdrängt werden, die zu extremen Niedrigpreisen anbieten.
Wenn dahinter nachweisbar auch unfaire Wettbewerbsvorteile durch Subventionen und die Yuan-Unterbewertung stehen, ist es nötig, bedrohte europäische Produktion durch Ausgleichszölle konsequent zu schützen. Es geht dabei um die Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen. Mit Protektionismus hat das nichts zu tun.

Jürgen Matthes
Jürgen Matthes leitet das Themencluster Internationale Wirtschaftspolitik, Finanz- und Immobilienmärkte im Institut der deutschen Wirtschaft in Köln.
Bild: Privat
Dr. Samina Sultan
Samina Sultan ist Senior Economist für europäische Wirtschaftspolitik und Außenhandel am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Davor war sie im Stab des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.
Bild: Privat