Spannende Zukunft in RüsselsheimKehrt Opel zu alter Kraft zurück?15.01.2026, 07:10 Uhr Patrick-portraetfotoVon Patrick Broich, Brüssel

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Opel_Corsa_GSE_Vision_Gran_TurismoOb ein Opel-Serienmodell jemals die 300-km/h-Marke knacken wird wie dieses Concept, bleibt spannend. (Foto: Opel)TeilenFolgen auf:whatsappwhatsapp

Opel bleibt auf dem Pfad der Elektromobilität, verlautbart Rüsselsheim. Auf welche spannenden Produkte dürfen sich die Interessenten also freuen? Vor allem soll das GSE-Label gestärkt werden. Konventionelle Antriebe bleiben aber vorerst erhalten.

Der Stellantis-Konzern fällt mit einem der größten zusammenhängenden Stände auf hier in Brüssel anlässlich der Motorshow (bis zum 18. Januar). Dazu gehört längst auch die Marke Opel. Und an Superlativen mangelt es den Rüsselsheimern kaum, wie an der Studie Corsa GSE Vision Gran Turismo abzulesen ist. Der Hersteller macht vor allem den Performancefans die Münder wässrig mit Daten wie 800 PS und 320 km/h Topspeed. Allein: Das Concept ist nicht neu und die Enthusiasten werden so schnell nicht mit Serienmodellen belohnt, die das auch nur annähernd könnten.

Neu hingegen ist das Facelift des Opel Astra – jedenfalls für die Öffentlichkeit zum Fühlen und Gucken. Die Fotopremiere erfolgte ja schon vor der Messe. Doch wohin geht die Reise mittelfristig? Opels Kompakter basiert noch auf der EMP2-Plattform, ist nicht wie der STLA-Vertreter Grandland optimiert auf batterieelektrische Antriebe. Daher sind bei diesem Fronttriebler weder irre kurze Ladezeiten noch Mega-Reichweiten zu erwarten.

Opel_Mokka_GSEKleiner Mokka mit viel Power. Als GSE macht der Rüsselsheimer richtig Laune und knüpft an alte GSE-Zeiten an, als das E noch für Einspritzer stand. (Foto: Opel)

Viel wichtiger: Opel möchte das GSE-Label wieder aufleben lassen – dafür steht der Corsa Vision als Versprechen. Und dass auf Plattformen diesseits von STLA noch einiges geht, beweist der jüngste Mokka GSE – nicht nur mit 280 PS (hohe Peakleistungen beim Elektromotor sind einfach), sondern zudem mit 200 km/h Topspeed. Das ist für einen elektrischen Antrieb viel Holz, selbst der modernere Grandland AWD mit 325 PS rennt nicht mehr als 180 Sachen.

Zum 90. dürfte es ruhig mal etwas Emotionales geben

Opel-Chef Florian Huettl erinnert an 90 Jahre Kompaktklasse im Jahr 2026 – das müsste eigentlich Grund genug sein, aus dem Astra noch etwas mehr herauszuholen. Wenn der Corsa Grand Vision GSE zeigt, was theoretisch machbar wäre, müsste ein imaginärer Astra GSE noch eine Schippe drauflegen im Vergleich zum Mokka. Nicht viel, aber psychologisch wirksam. Wie wäre es mit 300 PS und 220 km/h? Immerhin, leistungsstarke Astra haben Tradition. Man denke an den OPC mit seinerzeit 280 PS und 250 km/h Topspeed.

Opel_Astra_HueHier zeigt sich Opel-Boss Florian Huettl mit seinem neuen Baby, dem überarbeiteten Opel Astra. Kennzeichen: Sein Logo vorn ist jetzt illuminiert. (Foto: Opel)

Doch wie geht es weiter mit den Opel-News? Zunächst startet dieses Jahr der Rollout des Mokka GSE, und auf diesen darf man sich ruhig freuen. Er ist nicht nur fahrleistungsmäßig ganz vorn dabei mit 5,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h, sondern geht auch als optischer Hingucker durch mit markanten 20-Zoll-Alus sowie gelb lackierten Bremssätteln. Und damit der sportlichste Mokka außerdem ordentlich quergeht, bekommt er eine mechanische Differenzialsperre an der Vorderachse. Das ist im Kontext mit der Elektromobilität durchaus speziell.

Ginge mit dem Astra mehr?

Bleibt jetzt die Frage, ob man aus einem EMP2-Fahrzeug, zu dessen Familie der Astra gehört, technisch überhaupt mehr herausholen könnte. Er ist jedenfalls deutlich größer als der Mokka, was mehr Bauraum unter dem Blech bedeutet und somit machbares Packaging für größere Komponenten und auch Kühlperformance, falls das Fahrzeug wirklich nachhaltig sportlich werden soll.

Opel_Grandland_Electric_AWDDen kompakten Opel Grandland gibt es mit fast 100 kWh Batteriespeicher. Damit ist er im Markt ein Ausreißer nach oben. (Foto: Opel)

Im Gegensatz zum Grandland AWD verfügt der Mokka GSE über nur ein einziges Elektroaggregat – demnach wäre durchaus denkbar, diesen Strang noch einmal nachzuschärfen und in den Astra zu implementieren mit einer Leistung in der Größenordnung von knapp über 300 Pferdchen.

Wichtig für die Marke Opel wäre allerdings auch, beim Thema Ladeperformance und Reichweite draufzusatteln, wenn sie sich schon zur Elektromobilität erkennt. Fairerweise muss man allerdings auch sagen, dass sich hier etwas tut. So gehören die Long-Range-Varianten der STLA-Medium-Vertreter mit knapp 100 kWh Stromspeicher zu den kompakteren Fahrzeugen mit den größten Batterien überhaupt im Markt. Im Falle des Grandland bedeutet das eine WLTP-Reichweite von maximal 694 Kilometern kombiniert. Klar, wer überwiegend Autobahn fährt, darf davon gut und gerne 200 Kilometer abziehen. Um den großen Akku von 20 auf 80 Prozent zu laden, nennt Opel 27 Minuten. Das ist okay, könnte aber besser sein.

Die gute Nachricht: Die STLA-Plattformen sind bereit für 800-Volt-Bordnetzwerke. Allerdings wird von dieser Möglichkeit aus Kostengründen derzeit kein Gebrauch gemacht. Sobald die Kunden also danach fragen, könnte deutlich schnelleres Laden Realität werden. Und das braucht es dringend, um auch Skeptiker rein elektrischer Antriebe von deren Praktikabilität zu überzeugen. Und so lange bieten die Rüsselsheimer auch Diesel an. Für alle Fälle eben, und damit kein Kunde nach Hause geschickt werden muss.

Quelle: ntv.de