Amazon Web Services hat seine unabhängige europäische Cloud-Infrastruktur in Brandenburg in Betrieb genommen. Die Plattform ist vom globalen Netzwerk getrennt und soll strengen Datenschutzvorgaben entsprechen.

Amazon Web Services (AWS) hat heute seine unabhängige AWS European Sovereign Cloud in Betrieb genommen. Der erste Standort in Brandenburg markiert einen strategischen Schwenk des US-Konzerns im Rennen um die digitale Souveränität Europas.

Investition von 7,8 Milliarden Euro für Deutschland

Begleitet wird der Start von einer Investitionszusage über 7,8 Milliarden Euro bis 2040. Das Vorhaben soll durchschnittlich 2.800 Vollzeitstellen jährlich schaffen – in den Rechenzentren selbst sowie in Zulieferbranchen wie Bau und Telekommunikation. Zielgruppe sind stark regulierte Sektoren wie der öffentliche Dienst, das Gesundheitswesen und Finanzdienstleister.

Die neue Cloud-Infrastruktur ist physisch und logisch vom globalen AWS-Netzwerk getrennt. Sie wird von einer neu gegründeten deutschen Gesellschaft betrieben, deren Personal ausschließlich aus EU-Bürgern besteht. Selbst im theoretischen Fall einer Abkopplung Europas vom globalen Internet oder geopolitischer Spannungen soll der Betrieb autonom weiterlaufen können.

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Expansion nach Belgien, Niederlande und Portugal geplant

Noch im Laufe der kommenden 18 bis 24 Monate will AWS die Kapazitäten der souveränen Cloud ausbauen. Geplant sind dedizierte „Local Zones“ in Belgien, den Niederlanden und Portugal. Diese sollen die strengen Datenschutzstandards des Brandenburger Standorts wahren, gleichzeitig aber die Latenz für Kunden in anderen Mitgliedsstaaten verringern.

Die rasche Expansion ist eine direkte Antwort auf das fragmentierte europäischen Regulierungsumfeld. Mit physischer Präsenz in mehreren Jurisdiktionen will AWS nationale Compliance-Anforderungen bedienen, während es gleichzeitig eine einheitliche Plattform anbietet. Ein klarer Schachzug im Wettbewerb mit europäischen Anbietern und anderen US-Hyperscalern wie Microsoft und Google.

Governance-Modell als Antwort auf den US CLOUD Act

Ein Kernstück des Angebots ist sein Governance-Modell, das den Konflikt zwischen US-Überwachungsgesetzen und europäischem Datenschutz adressiert. Die operative Leitung der souveränen Cloud liegt bei Stéphane Israël. Entscheidungsbefugnisse über Datenzugriffe verbleiben innerhalb der EU.

Geschäftsführer und ein unabhängiger Beirat sind rechtlich verpflichtet, im Interesse der Cloud-Kunden zu handeln. Dies soll einen rechtlichen Puffer gegen extraterritoriale Anfragen nach Daten schaffen – eine direkte Reaktion auf den umstrittenen US CLOUD Act.

Zu den ersten Kunden zählen der deutsche Energieversorger EWE AG und die Medizinische Universität der Lausitz. „Die souveräne Cloud bietet eine konforme Grundlage, um Krankenhäuser und Forschungseinrichtungen zu vernetzen“, so Prof. Eckhard Nagel, Vorstand der Universität. Auch der Bildungsverlag Sanoma Learning setzt auf die Plattform, um Schülerdaten in seinen europäischen Märkten zu schützen.

Technische Souveränität als Wettbewerbsvorteil

Anders als Microsoft, das mit europäischen Partnern kooperiert, oder Google, das mit T-Systems zusammenarbeitet, hat AWS eine eigenständige Infrastruktur aufgebaut. Diese nutzt zwar die gleiche „Nitro System“-Architektur wie die globalen AWS-Regionen, fügt aber eine Ebene operativer Trennung hinzu.

Technisch soll damit jeder Zugriff auf Kundendaten – auch durch AWS-Mitarbeiter – verhindert werden. Durch den Verzicht auf Datenübermittlungen außerhalb der EU und strikt lokale Operationen positioniert AWS sein Angebot als die „technisch souveränste“ Option eines US-Anbieters.

Der Markt für souveräne Cloud-Dienste gewinnt rasant an Bedeutung. Mit seinem Vorstoß zielt AWS nicht nur auf den öffentlichen Sektor, sondern auch auf regulierte Branchen wie Banken, Telekommunikation und Automobilindustrie. Diese haben bisher oft zögerlich kritische Workloads in die Public Cloud verlagert – vor allem aufgrund unklarer Compliance-Lagen.

Erfolg hängt von der öffentlichen Hand ab

Ob das Angebot langfristig erfolgreich sein wird, dürfte maßgeblich von der Adoption durch Behörden und öffentliche Einrichtungen abhängen. Diese sind bekannt für langsame IT-Modernisierungsprozesse. Partnerschaften mit Unternehmen wie SAP, Accenture und Capgemini deuten jedoch auf ein rasch wachsendes Ökosystem für solche Migrationen hin.

Ein wichtiger Indikator für die Zukunft wird die Zertifizierung nach dem europäischen Cloud-Sicherheitsschema EUCS sein. Die Fähigkeit, die höchsten „Souveränitäts“-Level zu erreichen, könnte über die langfristige Wettbewerbsfähigkeit entscheiden.

Mit der Aktivierung der Brandenburger Region bietet AWS europäischen Unternehmen nun eine Option, die die Skalierbarkeit einer Hyperscale-Cloud mit der Garantie lokaler Kontrolle verbindet. Genau diese Balance gilt seit einem Jahrzehnt als eine Art „Heiliger Gral“ der europäischen IT-Strategie.

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