Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter Jerome Reuter. Es gibt nicht nur 20 Jahre des Bestehens zu feiern, im April erschien mit „Civitas Solis” auch ein neues Album. Mit „Aster Und Edelweiss” bringt er seinen Material-Ambient-Zyklus zum Abschluss. Neben zwei Compilations gibt es auch noch das aufgearbeitete „Flowers From Exile”. Neben ausgiebigen Touren gibt es zum Jahresabschluss dann noch zwei weitere Alben, die uns wirklich fragen lassen, woher Reuter die Zeit und die Inspiration für derartige Projekte nimmt.
20 Jahre ROME – gelungener Jahresabschluss
Mit „The Hierophant” und „The Tower” werden zwei sehr introspektive Alben parallel veröffentlicht, die trotz ähnlicher Instrumentalisierung und musikalischer Parallelen recht unterschiedlich ausfallen. „The Hierophant” ist ohne Frage das leichter zugängliche Album der beiden. Im Vergleich zum offensiv gestalteten Werk „Civitas Solis”, das kraftvoll in die Fußstapfen von „Gates Of Europe” oder der „World In Flames” EP trat, ist der Hierophant ein ruhigerer Zeitgenosse.
Das Album besticht durch seinen minimalistischen Stil, der eindringlich, fordernd, aber auch schöngeistig und manchmal fast leichtfüßig und positiv wirkt. Die seichten Klänge der Akustikgitarre, gepaart mit verschiedenen Percussions, wirken sehr bodenständig. Auch wenn manche Songs etwas dissonanter klingen, fühlt sich das Album wie eine musikalische Reise an. Reuters Stimme ist stets eindringlich und fordernd. Jeder Song wird dadurch hörenswert und zeigt deutlich, wie der Künstler es schafft, bei allem Output das qualitative Niveau auf höchstem Level zu halten.
„Our futile incursions
Our infirmities
Among thievеs and deserters
My life’s work failed me”
Auf „The Hierophant” gibt es mehr als 40 Minuten ROME in Höchstform. Angefangen beim leicht dissonanten Opener „Secret Harbour“, der für Auftaktstimmung sorgt, über das euphorische „The Harvest Is Not Here“ mit packendem Chor auf „On Sorrow’s Embarkement“ und „When Light Is Gone“, das etwas mehr Folk-Elemente aufweist, bis hin zum leicht verträumten „My Frail Ambassador“, das wie ein düsterer Abschiedssong klingt.
Trotz seiner Düsternis ist „The Hierophant” eine positive Offenbarung.
Trotz der positiven Nuancierung im Vergleich zu „The Tower” ist „The Hierophant” ein sehr düsteres und nachdenkliches Album. Es gibt keine Ausfälle, jeder Text ist lesenswert und jeder Song birgt eine ganz eigene Grundstimmung, die das Album zu etwas Besonderem macht.