Die ersten wollen ihr Abo schon kündigen. „Ohne den SB51 werde ich wohl mein Deutschlandticket abgeben, mit dem Auto nach Düsseldorf reinfahren und in einem Wohngebiet parken. Da freuen sich die Anwohner. Und ich bin sicher nicht die Einzige“, kommentiert eine Frau in den sozialen Medien einen Beitrag der Rheinbahn zur geplanten Sperrung der Theodor-Heuss-Brücke für die Busse. Ein anderer pflichtet ihr bei: „Deutschlandticket ist gekündigt.“

Ab dem 1. Februar darf die Rheinbahn das marode Bauwerk nicht mehr befahren. Ab dann gilt ein Gewichtslimit von 3,5 Tonnen. Die Busse sind demnach zu schwer. Eine Ausnahme gibt es für das Düsseldorfer Verkehrsunternehmen nicht. Sechs Buslinien – M2M3SB51SB52834 und 863 – sind betroffen, teilweise entfallen ganze Streckenabschnitte zwischen der rechten und der linken Rheinseite, einige Linien fahren (verkürzte) Umleitungen.

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Das sorgt für Frust. Viel Frust. Vor allem der teilweise Wegfall der Schnellbusverbindung SB51 trifft Pendlerinnen und Pendler hart. Von Kaarst fährt der Bus nur noch bis zur linksrheinischen Haltestelle Am Seestern statt wie bisher zum Düsseldorfer Flughafen. „Warum wird der SB51 nicht über die Oberkasseler Brücke oder die Flughafenbrücke umgeleitet? Die Verbindung ist für viele Pendler aus Kaarst und Meerbusch und Flugreisende sehr wichtig“, schreibt ein Mann unter dem Facebook-Post.

„Für Pendler, Handwerksbetriebe, Lieferdienste, Rettungsdienste und die gesamte Logistik ist das keine Einschränkung – das ist eine Vollkatastrophe“, schreibt ein weiterer User. Eine Frau fragt sich, wie Schüler nun zur Schule rechts- wie linksrheinisch kommen sollen. „Die Busse sind immer voll.“

Düsseldorfer SPD kritisiert Brücken-Sperrung für Busse: „Fatales Signal“

Kritik kommt nicht nur von ÖPNV-Nutzerinnen und ‑Nutzern, sondern auch aus der Politik. „Das ist ein Verkehrsfiasko mit Ansage“, kommentiert Tobias Kühbacher, verkehrspolitischer Sprecher der SPD/Volt-Ratsfraktion, die Situation auf der Theodor-Heuss-Brücke. „Der Oberbürgermeister hat es über Jahre versäumt, dem Neubau der Theodor-Heuss-Brücke eine klare Struktur und einen verlässlichen Zeitplan zu geben. Jetzt kommen die Versäumnisse mit voller Wucht bei den Menschen in dieser Stadt an.“

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Besonders kritisch sei, dass die Einschränkungen vor allem den öffentlichen Nahverkehr treffen. „Der Autoverkehr darf weiterfahren, aber Busse müssen runter von der Brücke – das ist verkehrspolitisch ein fatales Signal“, so Kühbacher. „Der ÖPNV wird geschwächt, Pendlerinnen und Pendler verlieren Zeit, und der Druck auf die übrigen Rheinbrücken steigt weiter.“

Hinzu kommt: Noch gibt es keine Lösung, um das tatsächliche Fahrzeuggewicht auf der Brücke effektiv zu kontrollieren. „Um eine vollständige Sperrung zu verhindern, braucht es klare Konzepte und technische Lösungen zur Gewichtskontrolle – doch genau die liegen bislang nicht vor“, kritisiert Kühbacher. „Statt Planungssicherheit herrscht Improvisation. Das ist riskant.“

Linke fordert Straßenbahntrasse auf Theodor-Heuss-Brücke

Auch die Linke äußert Kritik – allerdings an der grundsätzlichen Planung des Neubaus der Theodor-Heuss-Brücke. Die soll vierspurig ersetzt werden – ohne Spuren für eine Straßenbahn. Die Verwaltung stellte dar, dass die Straßenbahntrasse unwirtschaftlich sei und damit keine Förderung möglich sei. Die Pläne, eine Bahn über die Brücke fahren zu lassen, waren in der gemeinsamen Sitzung der Bezirksvertretungen 1 und 4 damit vom Tisch.

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Die Linke kündigt nun dagegen Widerstand an. Thomas Eberhardt-Köster, verkehrspolitischer Sprecher der Linken Ratsfraktion: „Ein wichtiges Ergebnis der Machbarkeitsstudie ist, dass die Nordbahntangente technisch umsetzbar ist. Angesichts der Bedeutung des ÖPNV-Ausbaus greift die Wirtschaftlichkeitsberechnung für die Bahntrasse zu kurz. Die Stadt Düsseldorf sollte die verkehrspolitisch und ökologisch sinnvolle Variante planen. Wenn es dann dafür keine Förderung gibt, könnten Mittel, die die Stadt aus dem Sondervermögen Infrastruktur erhalten hat, dafür eingesetzt werden“, sagt er. „Es ist absurd, dass eine zukunftsfähige Brückenplanung an der Finanzierung scheitern soll, wenn die Stadt gleichzeitig bereit ist, sich mit Milliarden für einen Opernneubau auf Jahrzehnte zu verschulden.“