Ein menschenleerer Verkaufstresen der Eutiner Festspiele

AUDIO: Eutiner Festspiele sagen diesjährige Spielzeit ab – zukünftige auch (2 Min)

Stand: 15.01.2026 16:07 Uhr

Trotz Besucher-Rekordzahlen im vergangenen Jahr wird es das Musikfestival nicht mehr geben. Der ehrenamtliche Geschäftsführer kritisiert mangelnde Unterstützung der Politik. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) glaubt trotzdem an eine Zukunft des Festival.

Die Eutiner Festspiele hätten in diesem Jahr das 75. Jubiläum gefeiert: Das Datum stand, aus das Musical „Hair“ und die Oper „Turandot“ von Puccini waren als Programmhighlights fest eingeplant. Jetzt allerdings haben die Verantwortlichen die diesjährige Spielzeit und auch zukünftige abgesagt. „Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Sie ist jedoch notwendig, denn es braucht dringend eine Professionalisierung der Strukturen“, erklärte Falk Herzog, der die Geschäfte seit Herbst 2017 ehrenamtlich führt.

Eutiner Festspiele waren Publikumsmagnet

Der Geschäftsführer der Eutiner Festspiele, Falk Herzog, blickt in die Kamera.

Laut Geschäftsführer Falk Herzog sind die Festspiele in allen Bereichen stark gewachsen.

Herzog hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass die rein ehrenamtliche Organisation der Festspiele nicht mehr möglich sei. Die Festspiele waren in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Allein 2025 kamen etwa 65.000 Besucherinnen und Besucher – ein Rekord. Zugleich hatte es im vergangenen Jahr große Probleme bei der Bezahlung der Musikerinnen und Musiker gegeben – laut den Festspiel-Verantwortlichen wegen fehlerhafter Rechnungen.

Ministerpräsident Daniel Günther ist zuversichtlich

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther ist auch Schirmherr des Festivals. Er zeigte sich am Nachmittag geschockt über die Nachricht, glaubt aber dennoch an eine Weiterführung: „Ich bin sehr, sehr zuversichtlich, dass es uns gelingen wird, für die Zukunft eine tragfähige Lösung zu finden“, sagte er dem NDR. Nun gelte es mit allen Beteiligten Gespräche zu führen, um dann neue Strukturen für ein Festival in dieser Größenordnung zu schaffen. Auch ein Andocken der Festspiele an das Schleswig-Holstein Musikfestival, wie es bei der JazzBaltica bereits geschehen ist, schloss er nicht aus.

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther

Er könne sich nicht vorstellen, dass es jetzt ein Ende geben werde, sagte Daniel Günther dem NDR. Vielmehr glaube er an eine tragfähige Lösung für die Zukunft.

An der Politik gescheitert

Geschäftsführer Herzog hat allerdings nach eigenen Aussagen immer Gespräche geführt und mehr Unterstützung gefordert. So hatte er vorgeschlagen, dass die Stadt in eine neue GmbH einsteigt. Die Kommunalpolitik habe dem aber eine Absage erteilt. Die Stadtverwaltung wäre hingegen bereit gewesen, sagt Eutins Bürgermeister Sven Radestock von den Grünen: „Das ist wirklich bitter für Eutin, nicht nur für das kulturelle Leben hier, sondern für die Stadt insgesamt.“ Er könne die Gründe des Geschäftsführers und der beiden Gesellschafter gut nachvollziehen. Er habe sich gewünscht, dass die internen Gesprächen zu einem gemeinsamen Weg mit der Kommunalpolitik geführt hätten. Für ihn aber ist der Prozess noch nicht abgeschlossen: „Wir werden uns weiter zusammensetzen, wir werden was machen, aber mit der Saison in diesem Jahr wird das nichts.“

Studie: Hohe Wertschöpfung für die ganze Region

In seiner Mitteilung wies Falk Herzog auch daraufhin, dass eine Studie aus dem Jahr 2018 ergeben hätte, dass jeder investierte Euro in die Eutiner Festspiele siebenfach in Stadt und Region zurückfließe. Mit gesteigerter Besucherzahl dürfte sich der Faktor erhöht haben, die Fördermittel hingegen hätten sich binnen dieser Zeit verringert, ergänzte Herzog.

Von der Stadt gab es zunächst keine Reaktion auf die Bekanntgabe. Bereits gekaufte Tickets können über die Webseite der Festspiele vollständig rückerstattet werden.

Anfänge 1951 mit dem „Freischütz“

Die Geschichte der Eutiner Festspiele hatte 1951 mit einer „Freischütz“-Opernaufführung im Schlosspark begonnen. Engagierte Musiker und Kulturfreunde der Stadt hatten sie ins Leben gerufen. In den vergangenen Jahrzehnten entwickelten sie sich zu einem der bedeutendsten Open-Air-Musikfestivals im Norden – auch dank der einzigartigen Kulisse umgeben von Wasser, Schlossgarten und sommerlicher Stimmung. Hinzu kam die Mischung aus klassischer Musik und Musical. Im vergangenen Jahr hatte die „West Side Story“ von Leonard Bernstein das Festival eröffnet. Dafür war ein internationales Team auf der Seebühne zusammengekommen.

Eine Gruppe Tänzer tanzt auf der Eutiner Seebühne.

Mit Leonhard Bernsteins Klassiker gab auf der Eutiner Seebühne ein internationales Team den Auftakt zu den Festspielen.

Die Eutiner Freilichtbühne bei Nacht mit warmen Lichtern beleuchtet.

Etwa 65.000 Menschen haben in diesem Sommer die Eutiner Festspiele besucht. Der Vorverkauf fürs kommende Jahr läuft.

Der Geschäftsführer der Eutiner Festspiele, Falk Herzog, blickt in die Kamera.

Laut Lübecker Nachrichten sollen noch 160 Musiker-Rechnungen offen sein, Festspiele-Chef Falk Herzog spricht jedoch von 30.