Es sollte ein Fest des Para-Skilanglaufs im Bayerischen Wald werden, doch die Stimmung beim Weltcup in Finsterau ist am Boden. Der Grund: Knapp vier Jahre nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine dürfen erstmals wieder 17 Sportlerinnen aus Russland und neun aus Belarus bei einem sportlichen Großereignis für Menschen mit Behinderung in Deutschland antreten.
Den Weg dafür freigemacht hatte ein Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs Cas. Zuvor hatte die Generalversammlung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) im September überraschend die Suspendierung beider Länder aufgehoben.
„Eine unheilvolle Mischung zwischen Cas und IPC hat für diese schlimme Situation gesorgt. Die ukrainischen Athleten laufen hier rum wie geprügelte Hunde“, berichtet Bundestrainer Ralf Rombach. Damit die Ukrainer wegen des Starts des Kriegsfeindes nicht abreisen, werden die Flaggen der teilnehmenden Nationen nach einer Entscheidung der Organisatoren nicht gezeigt.
Ein Gesetz in der Heimat verbietet nämlich ukrainischen Sportlern die Teilnahme an Events, wenn gleichzeitig Russen unter ihrer Landesflagge antreten. Trotzdem ist die Situation in Finsterau eine Farce, schließlich laufen die Sportlerinnen aus Russland und Belarus in ihren offiziellen Rennanzügen mit Emblem.
Deutsche Paralympics-Siegerin kritisiert Entscheidung
„Ich finde es nicht richtig, dass sie starten dürfen. Der Krieg läuft weiter, es hat sich nichts geändert. Es ist menschlich und sportlich falsch und ich kann mir gar nicht vorstellen, wie sich das für die Ukrainer anfühlt“, kritisiert die Paralympics-Siegerin Anja Wicker.
Die Kontakte zu den Athleten, von denen man viele von der Zeit vor dem Krieg noch kennt, werden in Finsterau auf ein Mindestmaß reduziert. „Man sagt Hallo, Smalltalk gibt es eher nicht“, berichtet Rombach.
Man sagt Hallo, Smalltalk gibt es eher nicht.
Ralf Rombach, Bundestrainer
Der Bundestrainer wundert sich ein wenig, warum die Sportler aus den beiden bisher verbannten Nationen überhaupt pünktlich Visa für die Einreise in Deutschland bekommen haben: „In anderen Ländern hätte sich das Auswärtige Amt vielleicht Zeit gelassen.“ Laut Rombach wolle Polen beispielsweise die Athleten nicht zum nächsten Weltcup einreisen lassen.
Die offene Ablehnung der Rückkehr der beiden Nationen gründet sich nicht nur auf Kritik am Kriegsthema, sondern auch am Thema Doping. „Der Welt-Skiverband Fis hat versichert, dass die Dopingkontrollen seriös stattgefunden haben, aber wie, ist für uns fraglich. Alle in der Szene sind maximal empfindlich, weil in der Vergangenheit in Russland alle Register in Sachen Doping gezogen wurden“, sagt Rombach.
Bei den Auftaktrennen in Finsterau bewahrheiteten sich die Befürchtungen über eine sportliche Überlegenheit per Doping-Tuning zwar erst mal nicht, aber die mäßigen Leistungen der unerwünschten Teilnehmer mögen auch mit der in Kriegszeiten schwierigen Anreise über Dubai zu tun gehabt haben.
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Mit der Teilnahme an den Weltcups in den Wintersportarten – auch bei den Alpin-Wettbewerben im österreichischen Saalbach sind an diesem Wochenende drei Russen am Start – wollen Putins Sport-Botschafter die Teilnahme an den Paralympics vom 6. bis 15. März in Mailand und Cortina sichern.
Die meisten Startplätze sind nach den Qualifikations-Wettbewerben in den sechs Sportarten (Para-Langlauf, -Biathlon, -Alpin, -Snowboard, -Eishockey und -Curling) bereits vergeben, aber Russen und Belarussen können sich noch um Wildcards bewerben. Falls sie einige der Startplätze für das Großevent bekommen, dürften sie bei den Paralympics sogar unter ihrer Landesflagge antreten. Bei den Olympischen Winterspielen ist das anders: Dort sind nur sogenannte individuelle, neutrale Athleten erlaubt.
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Hintergrund für die unterschiedliche Vorgehensweise ist der umstrittene Entscheid der IPC, die Suspendierung der beiden Kriegstreiber-Nationen aufzuheben. Normalerweise würde die Hymne gespielt und die Flagge gezeigt, wenn bei den Paralympics ein Russe oder Belarusse gewinnt, sagt Rombach: „Dieser Fall darf nicht eintreten, deshalb müssen wir alle noch besser werden.“
Die Stimmung in der Para-Szene ist klar: Der Frust über die Rückkehr der Russen und Belarussen hat auch für eine neue (sportliche) Entschlossenheit gesorgt.