ETF-Anleger verlieren das Vertrauen in den US-Aktienmarkt. Die meisten neuen Gelder sind 2025 in Produkte geflossen, die in europäische Aktien investieren. US-Aktien-ETF, zuvor mit Abstand die Lieblingsprodukte von ETF-Investoren, sind hingegen in der Gunst der Anleger deutlich gesunken. Anleihe-ETF legten kräftig zu. Aber eine Entwicklung blieb unverändert: 2025 war erneut ein Rekordjahr für den europäischen ETF-Markt mit Nettozuflüssen von mehr als 330 Milliarden Euro. Das in europäischen ETF verwaltete Vermögen erhöhte sich durch die neuen Gelder und getrieben von Kurssteigerungen von zuvor knapp 2,1 Billionen Euro auf rund 2,6 Billionen Euro. Das geht aus einer Marktauswertung des Vermögensverwalters Amundi hervor.
ETF auf europäische Aktien verzeichneten 2025 Rekord-Nettozuflüsse von 65,8 Milliarden Euro und damit 23 Prozent mehr als 2024. Die Entscheidung Deutschlands, die Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur zu erhöhen, sowie das breitere Engagement Europas zur Stärkung der strategischen Autonomie des Kontinents haben laut den Fachleuten von Amundi zu den Kapitalzuflüssen in europäische Aktien-ETF beigetragen. Angesichts des politischen und makroökonomischen Umfelds verfolgten ETF-Anleger einen differenzierteren Ansatz für Europa und investierten in erheblichem Umfang in Industrie, Verteidigung, IT-Unternehmen und Finanzwerte.
US-Aktien-ETF konnten indes nur noch rund 37 Milliarden Euro an neuen Geldern anziehen. 2024 waren es noch knapp 100 Milliarden Euro. Dass sich Anleger breiter aufstellen und sich von den USA abwenden, berichtet auch die DWS-Tochter Xtrackers. „Unser ETF auf den MSCI World ex USA ist einer unserer Blockbuster“, sagte Vertriebschef Simon Klein vor Journalisten. Laut Produktchef Michael Mohr erkennt man daran, dass immer mehr Anleger ihr US-Engagement mittlerweile lieber separat verwalten, um Handlungsspielraum zu erweitern.
Xtrackers: Weltindex ex USA beliebt
Im MSCI World ex USA sind demnach nicht wie im Hauptindex MSCI World die „Magnificent Seven“ (die Glorreichen Sieben) Apple, Microsoft, Alphabet (Google), Amazon, Nvidia, Meta Platforms (Facebook) und Tesla zusammen mit Broadcom und der Großbank J. P. Morgan die größten Titel. Diese zehn machen im klassischen MSCI World fast 23 Prozent gemessen an der Marktkapitalisierung des Index aus. Unternehmen aus den USA dominieren diesen Index auch insgesamt: Fast 72 Prozent der insgesamt 1320 enthaltenen Titel kommen gemessen an ihrem Börsenwert aus Amerika. Außerdem sind in dem Index keine Aktien aus Schwellenländern enthalten.
Ohne die USA stehen in dem Weltindex die niederländische ASML, der Schweizer Konzern Roche und Astrazeneca aus Großbritannien ganz vorne. Sie haben im MSCI World ex USA jeweils nur ein Gewicht von weniger als zwei Prozent. Insgesamt haben Welt-ETF im Markt hinzugewonnen. Während 2024 erst 54 Milliarden Euro in solche ETF flossen, waren es laut der Auswertung von Amundi 2025 mehr als 63 Milliarden Euro.
Generell haben Anleger aber einen ausgewogeneren Ansatz bei ihren Allokationen verfolgt, konstatieren die Fachleute des Vermögensverwalters. Das zeigt sich nicht nur in dem Aufstieg der europäischen Aktien-ETF, sondern auch an dem Erfolg eines anderen Produkts: Aktien-ETF auf Weltindizes, die – anders als der MSCI World – in allen Ländern investieren. Sogenannte All-Country-Indizes wie der FTSE All World haben zwar immer noch ein hohes Gewicht in den USA. Mit 62 Prozent liegt es aber zehn Prozentpunkte unter dem US-Anteil im MSCI World.
Dass ETF-Anleger risikobewusster geworden sind und nicht mehr überwiegend auf die Glorreichen Sieben setzen, spiegelt auch der Aufstieg von Anleihe-ETF wider. 2024 investierten europäische Anleger 58 Milliarden Euro in diese Produkte. 2025 waren es bereits rund 78 Milliarden Euro. „Auf der Rentenseite suchten die Investoren vor allem Standardprodukte wie amerikanische und europäische Staatsanleihen sowie Unternehmensanleihen guter Bonität“, sagte Klein von Xtrackers. Besonders Privatanleger hätten neue Gelder in dieser Produktgruppe angelegt.
„Das Management der Durationen war 2025 sowohl bei ETF auf Staats- als auch auf Unternehmensanleihen ein wichtiger Aspekt für Anleger“, heißt es von Amundi. Deutlich erkennbar sei dies bei ETF auf Euro-Unternehmensanleihen, die mit 18,5 Milliarden Euro den größten Nettomittelzufluss unter den Anleihe-ETF verzeichnet hätten. Anlagen mit kürzerer Duration bieten oft aussichtsreichere Renditeniveaus und sind weniger empfindlich gegenüber Zinsänderungen als Engagements mit längeren Durationen.
Kurzfristige Engagements zwischen ein bis fünf Jahren machten etwas mehr als 40 Prozent der ETF-Zuflüsse im Segment der Euro-Unternehmensanleihen aus. Rund ein Viertel entfiel auf ultrakurze Engagements mit einer Laufzeit von weniger als einem Jahr. Dies sei eine deutliche Veränderung im Vergleich zu den Jahren 2023 und 2024, als Anleger bei Euro-Unternehmensanleihe-ETF Strategien mit längeren Laufzeiten bevorzugt hatten.
Trend zu Geldmarkt-Produkten
Seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine sei auch ein Trend zu Geldmarkt-ETF zu erkennen, sagte Mohr von Xtrackers. Ein Geldmarkt‑ETF investiert in kurz laufende, sehr liquide Anleihen – meist Staats‑ oder Unternehmensanleihen mit Restlaufzeiten von unter zwölf Monaten. Er dient Anlegern als zinsnahes, risikoarmes Investment, dessen Rendite sich eng am Geldmarktzins orientiert. Oft wird er als Tagesgeld-Ersatz gekauft.
Unter den Themen-ETF waren die Rüstungsfonds mit Abstand am beliebtesten. Anleger steckten fast 10 Milliarden Euro neue Gelder in diese Produkte, die in Aktien von Rheinmetall & Co. investieren. Ende 2024 war es hingegen IT-ETF, die die meisten neuen Gelder angezogen hatten. Rüstungs-ETF, die viele ETF-Anbieter aufgrund der hohen Nachfrage und erstaunlichen Kursentwicklung erst vergangenes Jahr auf den Markt brachten, waren in der Statistik 2024 noch gar nicht separat aufgeführt.