Cheftrainer Keith Hilson (li.) und der spielende Content Creator Benjamin Barnes stellen die Pläne der Stuttgart Stallions vor. Foto: Baumann/Julia Rahn
Die Frage, ob es in Stuttgart bald ein neues Football-Team geben wird, das in der Schleyerhalle spielt, ist weiterhin offen: Der erste Medientermin nährte die Zweifel.
Die Pläne sind gigantisch. Die International Arena League (IAL) will von Las Vegas aus Hallen-Football in Europa groß machen – einer der auserkorenen Standorte ist Stuttgart: In der Schleyerhalle sind ab dem 25. April acht Termine für die Heimspiele der Stallions gebucht. Den Ankündigungen folgte nun allerdings ein Termin, der die Zweifel an dem Projekt verstärkte. Denn statt einer pompösen Präsentation gab es eine Pressekonferenz, die mehr Fragen offenließ als beantwortete.
Eigentlich, so hieß es in der Einladung, sollten wichtige Führungskräfte, neue Spieler und der Chefcoach vorgestellt werden. Anwesend waren Trainer Keith Hilson (41) und Content Creator Benjamin Barnes (33), der künftig auch Spieler der Stallions sein wird – und in Stuttgart kein Unbekannter ist.
Benjamin Barnes kehrt nach Stuttgart zurück
Barnes, der in seiner Karriere unter anderem bei den Schwäbisch Hall Unicorns, Frankfurt Galaxy und Rhein Fire unter Vertrag stand, gehörte 2022 zu dem Team von Stuttgart Surge, das in der European League of Football (ELF) keinen einzigen Sieg holte. Kurz vor Ende der Saison trennte sich der Verein von ihm. Nun kehrt er nach Stuttgart zurück – um erfolgreicher zu sein.
Was Benjamin Barnes und Keith Hilson erzählten, hörte sich gut an. Hallen-Football sei „Unterhaltung pur“ und ein „Familien-Fest“, das Grundkonstrukt der neuen Liga mit fünf Teams in Europa „hervorragend“. Die Spieler könnten „ihren Traum leben“ und würden auch noch bestens bezahlt. „Ich verdiene in einem Monat so viel wie in der ELF in einem Jahr“, sagte Barnes, „bei uns kann sich jeder auf seinen Sport fokussieren.“ Nachfragen? Liefen ins Leere.
Barnes: „Das Geld kommt direkt aus Las Vegas“
Wie hoch der Etat für das Stallions-Projekt sei, wusste das Duo nicht („Das Geld kommt direkt aus Las Vegas“). Das Management sitze in den USA, in Stuttgart gebe es bislang keine Mitarbeiter, auch nicht für die Akquise von Sponsoren. Ein TV-Partner fehle noch. Der Kader werde aus 25 Spielern bestehen, darunter zehn lokalen Talenten. Sieben Akteure hätten bereits unterschrieben, Namen allerdings wurden nicht genannt. Die Versuche von Barnes, Footballer des insolventen ELF-Meisters Stuttgart Surge in die Halle zu locken, blieben nahezu ergebnislos: „Eine Zusage habe ich erhalten.“ Von wem, wollte er nicht verraten.
Dafür wurde der Football spielende Content Creator konkreter, als es um die Zahl der Fans ging, die sich die Stallions für die Heimspiele in der Schleyerhalle wünschen. „Es gibt derzeit ja kein hochklassiges Football-Team mehr in Stuttgart“, sagte Benjamin Barnes, „deshalb hoffen wir anfangs auf 2000 bis 3000 Leute, und am Ende der Saison wollen wir die Halle voll haben.“ Was bei Ticketpreisen zwischen 80 und 340 Euro ein utopisches Unterfangen werden dürfte.
Trotzdem versuchte Barnes, die Skeptiker zu überzeugen. „Amerikaner sind in der Lage, so ein Konstrukt in ein paar Monaten aus dem Boden zu stampfen“, erwiderte er auf die Frage, wie seriös die Football-Pläne in Stuttgart seien, „vor einigen Wochen hätte ich noch anders geantwortet, weil sich alles zu gut anhörte, um wahr zu sein. Jetzt sage ich: Ich bin absolut überzeugt von diesem Projekt.“