Sidney Sweeney

Stand: 15.01.2026 19:10 Uhr

Zum Kinostart des Thrillers „The Housemaid“ distanziert sich Sydney Sweeney von rechten Zuschreibungen. Ihr Fall zeigt, wie Popkultur, Ästhetik und Politik zunehmend miteinander verschränkt werden.

Von Samira Straub, SWR Kultur

Diese Woche ist bundesweit der Thriller „The Housemaid“ mit Hauptdarstellerin Sydney Sweeney im Kino gestartet. Sie gilt als eine der gefragtesten jungen Schauspielerinnen in Hollywood. Bekannt wurde sie insbesondere durch die Serie „Euphoria“. Sweeney spielt meist Rollen, die stark über Körperlichkeit und ambivalente Gefühle funktionieren.

Ihr öffentliches Image wird stark über ihr Aussehen und die Rollen geprägt, die sie spielt. Mit „The Housemaid“ sticht Sweeney erneut in ein Wespennest, sie spielt darin das titelgebende Dienstmädchen. Begleitet wird der Kinostart zudem von einer politischen Kontroverse: Sweeney hat sich im Rahmen der Film-Promo öffentlich von rechten Vereinnahmungen distanziert.

Ausgangspunkt der Debatte ist weniger ein konkretes Statement als die öffentliche Wahrnehmung der Schauspielerin. In Teilen des rechten Online-Spektrums, insbesondere im Umfeld der MAGA-Bewegung um US-Präsident Donald Trump, wurde Sweeney wiederholt als Identifikationsfigur gefeiert. Sie galt dort als Paradebeispiel für eine angeblich „unideologische“ Hollywood-Weiblichkeit – ein Gegenentwurf zu einer Popkultur, die von konservativer Seite häufig als „woke“ kritisiert wird.

Wie aus Ästhetik Politik wurde

Verstärkt wurde diese Zuschreibung zuletzt durch eine Jeans-Werbung, in der die blonde Sweeney klassisch, körperbetont und bewusst unpolitisch inszeniert wurde. Ein Wortspiel im Slogan sorgte dennoch für Aufregung: Die Werbung titelte „Sydney Sweeney hat großartige Jeans“, was man durch den Gleichklang im Englischen akustisch als „großartige Gene“ verstehen könnte – ein Verweis auch auf Sweeneys ethnische Herkunft.

In sozialen Netzwerken wurden diese Motive millionenfach geteilt. Rechte Accounts deuteten sie als Zeichen einer Rückkehr zu traditionellen Schönheits- und Rollenbildern. Auffällig ist dabei, wie schnell aus Kleidung Bedeutung wurde: Aus Jeans wurden Werte, aus Ästhetik politische Haltung.

Die 28-jährige Sweeney wurde in Kommentaren und Memes als „natürlich“ oder „endlich wieder weiblich“ gefeiert. Die Bilder wurden so Teil eines kulturellen Deutungskampfs, der weniger über Inhalte als über Symbole geführt wird: Im Umfeld der MAGA-Bewegung wird verstärkt nach kulturellen Identifikationsfiguren jenseits klassischer Politik gesucht.

Schweigen als Projektionsfläche

Dabei äußerte sich Sweeney selbst lange kaum politisch. Interviews blieben unaufgeregt, Statements zu gesellschaftlichen Themen selten. Gerade diese Zurückhaltung machte sie zur Projektionsfläche: In einem Umfeld, in dem viele Prominente offen Position beziehen, wurde ihr Schweigen als stille Zustimmung interpretiert.

Im Promo-Interview für „The Housemaid“ wies Sweeney die Verortung ins rechte Milieu nun zurück. Sie erklärte, sie wolle sich „nicht politisch vereinnahmen lassen“ und sehe sich selbst nicht als Trägerin politischer Botschaften. Anders als viele andere prominente Künstlerinnen verzichtet sie somit auf eine politische Selbstverortung. Stattdessen beschränkte sie sich auf eine sachliche Klarstellung, dass die Zuschreibungen nicht ihrem Selbstverständnis entsprechen.

Studien und Medienanalysen zeigen außerdem, dass Sweeneys eigener Anteil an der rechten Vereinnahmung gering ist. Die Narrative entstanden überwiegend außerhalb ihres Einflussbereichs – in sozialen Netzwerken oder durch politische Influencer. Sweeney selbst blieb weitgehend passiv.

Spielt in „The Housemaid“ das titelgebende Dienstmädchen: US-Schauspielerin Sidney Sweeney (im Hintergrund: Co-Star Amanda Seyfried).

Strukturwandel statt Kurswechsel

Dass diese Klarstellung parallel zum Start von „The Housemaid“ erfolgt, ist kein Zufall. Der Film knüpft an Bilder an, die Sweeneys öffentliche Wahrnehmung seit Jahren prägen: die Inszenierung als blonde Frau zwischen Verletzlichkeit und Begehren.

Rechte Kommentatoren interessieren sich dabei weniger für Handlung oder Kontext als für die Oberfläche solcher Bilder. Körperdarstellungen und Rollenverteilungen werden aus dem Kontext der schauspielerischen Darbietung gelöst und ideologisch gedeutet. Kulturwissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang von einem „Vibe Shift“, einer veränderten kulturellen Stimmung, in der ästhetische Codes schneller politisch gelesen werden als früher.

Ein wiederkehrendes Muster

Der Fall Sweeney steht damit für einen größeren kulturellen Zusammenhang: In den vergangenen Jahren wurden wiederholt prominente Frauen politisch vereinnahmt, ohne dies beabsichtigt zu haben. Taylor Swift galt lange als politisch neutral, bis sie sich öffentlich im US-Wahlkampf positionierte und daraufhin zur Zielscheibe massiver Angriffe wurde. Der Film „Barbie“ wurde zugleich als feministische Satire gefeiert und als nostalgisches Ideal weiblicher Schönheit umgedeutet. Das ist nicht neu: Schon Marilyn Monroe fungierte als Projektionsfläche widersprüchlicher gesellschaftlicher Erwartungen.

Das Muster ist dabei konstant. Vereinnahmt werden nicht jene, die laut Position beziehen, sondern jene, deren öffentliche Bilder eindeutig, aber politisch offen bleiben. In einem zunehmend polarisierten Klima wird diese Offenheit immer seltener akzeptiert.

Sydney Sweeney steht exemplarisch für diesen Wandel. Mit ihrer Distanzierung beendet sie keine Debatte, sondern korrigiert eine Deutung, die sich verselbstständigt hatte. Der sogenannte „Vibe Shift“, der diese Entwicklung begleitet, ist strukturell und zeigt, wie stark politische Bedeutungen heute aus Bildern entstehen. Popkultur wird so zunehmend zum politischen Projektionsraum, auch dort, wo sie es nicht sein will.